Porträt: Alheims Erster Beigeordneter

Andreas Brethauer ist Alheims neuer Erster Beigeordneter

Die Alte Festung Heineberg im Wald zwischen Heinebach und Niedergude ist einer von Brethauers Lieblingsorten in Alheim. Zu dem Ort, wo früher auch mal Ausgrabungen stattfanden, kommt der 39-Jährige regelmäßig bei seinen Spaziergängen.
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Die Alte Festung Heineberg im Wald zwischen Heinebach und Niedergude ist einer von Brethauers Lieblingsorten in Alheim. Zu dem Ort, wo früher auch mal Ausgrabungen stattfanden, kommt der 39-Jährige regelmäßig bei seinen Spaziergängen.

Andreas Brethauer von der SPD ist der neue Erste Beigeordnete in Alheim. Wir stellen den Heinebacher im Porträt vor.

Heinebach – Für Beobachter der Alheimer Kommunalpolitik ist diese Personalie so ein bisschen wie Kai aus der Kiste gekommen: Dr. Andreas Brethauer von der SPD hatte noch nie ein politisches Mandat und ist nun der neue Erste Beigeordnete der Gemeinde. Als solcher vertritt er Bürgermeister Jochen Schmidt, wenn der mal krank oder im Urlaub ist. Das ist neben dem Parlamentsvorsitzenden das wichtigste politische Ehrenamt einer Gemeinde. Wer ist der 39-jährige Heinebacher?

Wer Brethauer und Heinebach hört, denkt meist erst mal an Fußball. Die Assoziation ist auch richtig, trifft aber nur auf Vater und Bruder zu. „Ich bin da das schwarze Schaf der Familie. Ich spiele nicht“, sagt Brethauer und lacht. Der Spross des Fußballtrainers Lothar Brethauer erprobte sich in seiner Jugend lieber im Kampfsport Muay Thai, als gegen den Ball zu treten.

Dass er sich in der heimischen Kommunalpolitik noch keinen Namen gemacht hat, ist wenig überraschend, weil er erst 2019 in seinen Heimatort zurückkehrte. Im Rathaus ist er aber kein Unbekannter. Dort machte er mit Anfang 20 eine Ausbildung zum Fachinformatiker in Kooperation der Gemeinde Alheim, der Ekom und des HKZ. Damals war er im Rathaus unter anderem für IT-Unterstützung zuständig, schloss zum Beispiel die Kitas ans Netzwerk an und gestaltete die – mittlerweile etwas in die Jahre gekommene – Internetseite der Gemeinde mit. Danach zog es ihn für sein Studium nach Fulda.

Ich war insgesamt neun Jahre weg, aber mein Herz hängt an Heinebach und Alheim.

Andreas Brethauer

„Ich war insgesamt neun Jahre weg, aber mein Herz hängt an Heinebach und Alheim“, sagt der 39-Jährige. Er war stets oft bei Freunden und Familie zu Besuch. Mit seiner Freundin ist er nun ins Nachbarhaus seines Elternhauses gezogen und arbeitet als Projektleiter bei einem Hersteller von Messgeräten in Kaufungen.

In den langen Jahren fernab der Heimat kam Brethauer aber nicht nur für Besuche zu Hause vorbei, sondern war auch regelmäßig freiberuflich im Rathaus tätig. Wenn die IT in der Verwaltung Unterstützung brauchte, rief oft Bürgermeister Georg Lüdtke (SPD) an.

„So habe ich den Draht ins Rathaus nie verloren und kenne auch die Leute am Bauhof und in den Kitas gut. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt gerne in den Gemeindevorstand wollte“, erklärt der neue Erste Beigeordnete. Dadurch kann die Gemeinde nun natürlich keine Aufträge mehr an ihn vergeben, aber weiter von seiner Expertise profitieren. Digitalisierung ist eines von Brethauers Kernanliegen (siehe Artikel unten).

Aber warum hat es ihn nun überhaupt in die Kommunalpolitik gezogen? „Ich bin 2016 in die SPD eingetreten, weil ich gerne die Demokratie unterstützen wollte. Die SPD ist für mich die Partei der Solidarität und Basisdemokratie und auch in meiner Familie gibt es mehrere SPD-Mitglieder. Außerdem gefällt mir, dass insbesondere die Alheimer SPD viel Wert auf Klimaschutz legt“, erklärt Brethauer, der Teilhaber der Solidarischen Landwirtschaft in Oberellenbach ist. Politisch aktiv wurde der 39-Jährige im Kommunalwahlkampf.

Er organisierte Online-Konferenzen, in denen sich vor allem die jüngeren Genossen über Wahlkampfthemen und die Kandidatenaufstellung austauschten. Aus der Gruppe haben es Lars Mark, Kerstin Wagner, Mandy Hafermas und Thorben Weichgrebe ins Parlament geschafft.

Die Videorunde trifft sich auch nach der Wahl nun regelmäßig virtuell, um über die Zukunft der Gemeinde zu reden. Dafür muss man kein SPD-Mitglied sein, betont Brethauer. Auch seine Freundin, selbst keine Parteigenossin, half mit, unter anderem bei der Erstellung der SPD-Internetseite.

„Gut mit Jochen Schmidt zusammenarbeiten“

Etwas konträr zum Konzept des ständigen offenen Ideenaustauschs der jüngeren Alheimer SPD-Genossen ist Brethauers Posten im Gemeindevorstand – denn in diesem Gremium haben außer dem Bürgermeister alle Schweigepflicht. „Das kommt mir entgegen, da muss ich nicht ständig in die Öffentlichkeit“, meint der SPD-Mann, der tatsächlich den Eindruck macht, eher zurückhaltend zu sein.

Trotzdem wird gemunkelt, dass seine Partei den 39-Jährigen mit dem wichtigen Posten als nächsten Bürgermeisterkandidaten in Stellung bringen will. Dazu sagt Brethauer: „Unser Plan ist es, gut mit Jochen Schmidt zusammenzuarbeiten und nicht, mich als Gegenkandidaten aufzubauen. Ich bin glücklich in meinem Job.“

In vielen Kommunen sitzen vor allem Rentner in diesem Gremium, das die Exekutive einer Gemeinde ist – also unter anderem die Beschlüsse des Parlaments umsetzt. Das hat vor allem zwei Gründe: Die Mitarbeit im Gemeindevorstand ist mit häufigen Sitzungen zeitaufwändiger als die im Parlament. Außerdem entsenden die Parteien gerne Beigeordnete mit langjähriger kommunalpolitischer Erfahrung. „Deswegen ist es sehr wichtig, dass Udo Aschenbrenner dabei ist. Ich habe aber auch schon sehr viel in der Hessischen Gemeindeordnung gelesen, außerdem werden Kurse für Kommunalrecht angeboten“, sagt Brethauer.

Und übrigens: Auch sein Vorgänger Aribert Kirch hatte beim Amtsantritt noch keine politische Erfahrung.

Zur Person

Dr. Andreas Brethauer (39) wurde 1982 in Rotenburg geboren und wuchs in Heinebach auf. Nach dem Realschulabschluss in Rotenburg machte er in Bebra Fachabitur im Bereich Wirtschaftsinformatik und von 2005 bis 2008 eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei der Gemeinde Alheim. Dort arbeitete er anschließend zwei Jahre lang als IT-Administrator. Es folgte ein Studium in Elektro- und Informationstechnik in Fulda und eine Promotion in Maschinenbau in Ilmenau, die er 2019 abschloss. Dann kehrte er zurück in die Heimat, wo er mit seiner Freundin wohnt, die er im Studium kennengelernt hat. Der 39-Jährige ist Schriftführer bei der Pro Region Mittleres Fuldatal und bei der IHK Kassel Prüfer für technische Betriebswirte. Seine Freizeit verbringt er gerne in der Natur oder beim Bogenschießen.

„Positive Effekte der Digitalisierung nutzen“

Digitalisierung ist ein „etwas überladener“ Begriff, meint Dr. Andreas Brethauer. Was bedeutet das Wort, das seit Jahren in aller Munde ist, für Kommunen?

„Es ist nichts anderes als die vierte industrielle Revolution nach Dampfmaschine, Fließband und Elektronik“, sagt der 39-Jährige. Unsere Welt verändere sich dadurch massiv. Viele Berufe würden verschwinden. „Übrig bleiben die kreativen Berufe und die Berufe, die auf zwischenmenschlicher Ebene funktionieren. Das Handwerk wird ebenfalls wieder eine Aufwertung erfahren, was man auch schon langsam sehen kann.“ Menschen auf dem Land und Kommunen müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen, um die positiven Effekte dieser Entwicklungen zu nutzen, appelliert der Heinebacher – damit nicht nur Datenriesen wie Google und Amazon profitieren.

Andreas Brethauer will die Digitalisierung vorantreiben.

Für Brethauer ist das neben der Umweltzerstörung das zweite große Thema unserer Zeit. Dem könne man zum Beispiel mit Förderung regenerativer Energieversorgung begegnen und dabei mit Teilhabe auch der Bürger an den Gewinnen, etwa durch Genossenschaften.

Außerdem müsse die Breitbandversorgung weiter ausgebaut werden, damit Home Office und digitaler Unterricht auch wirklich störungsfrei funktionieren. „Das sieht man in der Corona-Zeit, dass es in vielen Orten noch Probleme gibt, wenn alle gleichzeitig ins Internet müssen.“

Die Digitalisierung könne auch bei der Vermarktung von lokalen Produkten helfen. Außerdem sieht der Erste Beigeordnete für Gemeinden wie Alheim eine Chance darin, Co-Working-Spaces einzurichten. Dort arbeiten verschiedene Einzelpersonen und kleine Unternehmen unter einem Dach und nutzen gemeinsam Infrastruktur wie Internet, Drucker und Besprechungsräume. Selbstständige sollten möglichst aktiv gefördert werden, meint Brethauer.

Außerdem setzt er auf Alheim als eigenständige Gemeinde, eine Stärkung der Vereine im Sinne der Jugendarbeit und die Förderung lokaler ökologischer Konzepte wie der Solidarischen Landwirtschaft Oberellenbach.
(Von Christopher Ziermann)

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