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Illegale Abkürzung: Anwohner in Lispenhausen und Schwarzenhasel beschweren sich über Autos auf dem Radweg

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Von: Christopher Ziermann

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Ab hier dürfen nur noch Radfahrer, Busse und Anruf-Sammeltaxen und Einsatzfahrzeuge vom Gieseweg aus weiter in Richtung Schwarzenhasel fahren.
Ab hier dürfen nur noch Radfahrer, Busse und Anruf-Sammeltaxen und Einsatzfahrzeuge vom Gieseweg aus weiter in Richtung Schwarzenhasel fahren. © Christopher Ziermann

Der Radweg zwischen Lispenhausen und Schwarzenhasel wird offenbar auch weiterhin in größerem Ausmaß von Autofahrern als illegale Abkürzung genutzt. Das berichten mehrere Anwohner in beiden Ortsteilen.

Schwarzenhasel/Lispenhausen – „Ich habe mich mal morgens zwischen halb sieben und halb acht an die Straße gesetzt, wenn die Leute zur Arbeit unterwegs sind. Das waren allein in einer Stunde mehr als 15 Autos, die da nichts verloren haben“, sagt ein Schwarzenhaseler, der sich an unsere Zeitung gewandt hat. Der Radweg ist während der Sanierung der Landesstraße die offizielle Umleitungsstrecke in den Haselgrund für Busse, Anruf-Sammel-Taxen und Rettungsfahrzeuge (wir berichteten).

Klare Aufforderung von Anwohnern.
Klare Aufforderung von Anwohnern. © Christopher Ziermann

Alle anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer, auch Paketdienste und Unternehmer, müssen die Umleitung über den Haseler Berg und den Alheimer nehmen. Wer über den Radweg fährt und erwischt wird, dem droht ein Ordnungsgeld von 55 Euro.

„Wenn man da zwei oder drei Stunden kontrolliert, hätte man ganz schnell 1000 Euro für die Stadtkasse zusammen“, meint ein Lispenhäuser. Die Anwohner wollen allesamt lieber nicht namentlich in der Zeitung auftauchen – schließlich richtet sich ihre Kritik auch an Bekannte. Schwarzenhasels Ortsvorsteher Norbert Dräger bestätigt den Eindruck seiner Mitbürger. „Ich nutze den Weg selbst als Walking-Strecke. Fünf Autos in 50 Minuten, das ist leider keine Seltenheit. Da sind auch Einheimische dabei. Und die, die sich dran halten, kommen sich veräppelt vor“, sagt Dräger, wobei er sich in der Wortwahl zügelt. Seine Frustration ist groß. Um die Dimensionen zu verdeutlichen, fügt er hinzu: „Wenn man da eine Kamera in einen Baum hängen würde, die alle Verstöße dokumentiert, könnte man das Urlaubsgeld für einen Großteil der städtischen Angestellten generieren.“

Weniger dramatisch sieht der Lispenhäuser Anwohner Jörg Schlüter, der auch im Ortsbeirat ist, die Situation. Seiner Einschätzung nach wird der Radweg nur vereinzelt verkehrswidrig befahren – jedenfalls ist die Situation besser, als er erwartet hat. Er hat hingegen eine Beobachtung gemacht, die ihn freut: „Der Radverkehr hat sich stark erhöht, bestimmt um 50 Prozent. Die Sperrung der Landesstraße führt wirklich dazu, dass viele aufs Rad umsteigen.“

Wer sich an die Regeln hält, kommt sich veräppelt vor, wenn er die Autofahrer sieht.

Norbert Dräger, Ortsvorsteher

Allerdings: Umso wichtiger ist es auch, dass die Verkehrsteilnehmer umsichtig fahren. Viele halten sich aber nicht an die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, berichten mehrere Anwohner. Das wird auch dadurch begünstigt, dass im Gieseweg in Lispenhausen, wo sonst Autos auf der Straße geparkt sind, derzeit Halteverbot gilt, was für eine freie Fahrbahn sorgt. Unter einem Tempo-30-Schild hat jemand ein Plakat angebracht: „Gilt auch für Sammel-Taxi.“ Beim Unternehmen Engel, das für die AST-Fahrten auf der Linie zuständig ist, heißt es auf Nachfrage. „Uns sind keine Beschwerden bekannt. Unsere Fahrer halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.“

Unter dem Strich ist klar: Die Anwohner und auch Ortsvorsteher Dräger wünschen sich mehr Kontrollen. Bürgermeister Christian Grunwald hatte Mitte Juni selbst seinen Unmut über die Regelbrecher kundgetan und Kontrollen und Sanktionierungen angekündigt. Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben die Anwohner, die mit unserer Zeitung gesprochen haben, allerdings noch nicht gesehen. Kontrollen fänden aber statt, betont Grunwald. „Unsere Mitarbeiter sind in Zivil unterwegs. Wir kontrollieren konsequent, allerdings in unregelmäßigen Abständen“, sagt er. Das geschehe in Abstimmung mit der Polizei nach Bedarf, gehe aber natürlich nicht rund um die Uhr. „Wir kennen die Zeiten mittlerweile ganz gut und können einschätzen, wann es sich lohnt, dort zu stehen.“

Aus den Rückmeldungen an ihn selbst entnehme er, dass sich die Situation etwas beruhigt habe. Bislang sei eine mittlere zweistellige Zahl von Verstößen sanktioniert worden. „Ich verstehe aber den Unmut jedes Anwohners, wenn er dort ein Auto langfahren sieht, aber gerade kein Ordnungshüter da ist“, sagt Grunwald. Auch die Polizei kontrolliere am Radweg regelmäßig und habe das auch schon in den frühen Morgenstunden getan, sagt Polizeichefin Esther Jaekel. Abschließend appelliert Grunwald, wie schon vor einigen Wochen: „Das oberste Gebot ist die Vernunft. Wer den Radweg illegal benutzt, gefährdet sich und seine Mitmenschen und bekommt bei einem Unfall richtig Probleme.“ Der Appell und das bisherige Vorgehen der Stadt reichen vielen Anwohnern allerdings nicht aus. Und auch Dräger sagt: „Die Situation ist nicht in Ordnung und muss sich ändern.“ 2 Archivfotos: Silke Schäfer-Marg

Von Christopher Ziermann

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