Agentur zieht positive Bilanz für 2020 - Viele freie Ausbildungsstellen

Arbeitslosenquote im Kreis Hersfeld-Rotenburg trotz Corona niedriger als vor fünf Jahren

Das Archivfoto zeigt Amazon-Mitarbeiterin Aleksandra Doneva im Packbereich.
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Amazon ist einer der Garanten dafür, dass die Arbeitslosenzahlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg während der Corona-Pandemie bislang nur vergleichsweise moderat steigen. Das Archivfoto zeigt Aleksandra Doneva im Packbereich.

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt im Kreis Hersfeld-Rotenburg, wie bereits mehrfach berichtet, weitaus weniger hart getroffen als den Durchschnitt Hessens und Deutschlands.

Hersfeld-Rotenburg – Das liegt unter anderem an großen Arbeitgebern wie Amazon, die in der Krise sogar noch zugelegt haben, einer stabilen Auftragslage im Handwerk, aber auch daran, dass große Arbeitgeber wie K+S trotz Corona keine Stellen streichen mussten.

Waldemar Dombrowski und weitere Vertreter der Arbeitsagentur haben am Dienstag ihre Jahresbilanz für das Jahr 2020 vorgestellt.

Ausbildungsstellen

„Es ist viel vom ‘verlorenen Jahrgang’ die Rede. Das trifft bei uns nicht zu. Es sind zwar 20 Prozent weniger Lehrstellen gemeldet worden als vor einem Jahr, die Zahl der Bewerber ist aber sogar um 26 Prozent zurückgegangen“, erklärt Horst Kramer. Er und Dombrowski appellieren: „Lassen Sie sich nicht von den überregionalen Nachrichten beirren: Bei uns haben Sie sehr gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Bewerben Sie sich, es lohnt sich.“ Auf 100 Bewerber kommen über 140 Stellen.

Kramer glaubt, dass viele junge Menschen und Eltern gar nicht wissen, wie gut die Aussichten auf dem heimischen Ausbildungsmarkt derzeit sind – weil es deutschlandweit eben viel schlechter aussehe. Aufgrund von Corona habe es im Herbst für die Arbeitsagentur nicht wie sonst üblich die Möglichkeit gegeben, in den Schulen mit Infoveranstaltungen eine große Zahl junger Menschen anzusprechen.

Meist gebe es im Januar und Februar noch einmal einen großen Ansturm auf Ausbildungsplätze, weil die Halbjahresnoten dann bei vielen Schülern deutlich machen, dass etwa der Sprung vom Hauptschulabschluss auf die Realschule schwierig oder unmöglich wird. Es sei fraglich, ob das auch dieses Jahr geschehe, weil wohl aufgrund der Corona-Pandemie alle Schüler versetzt werden.

Wer Interesse an einer Ausbildung hat, kann sich bei der Arbeitsagentur melden unter Tel. 06 61/17 11 1 oder 08 00/4 55 55 00 sowie per Mail an BadHersfeld.Berufsberatung@ arbeitsagentur.de.

Die Quote

Die Arbeitslosenquote betrug 2020 im Durchschnitt 3,6 Prozent. Das ist zwar deutlich mehr als 2019 (3,0), aber weniger als im Jahr 2015 (3,8).

Die absoluten Zahlen

Durch die Corona-Pandemie haben zwar auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg viele ihre Stelle verloren, die vorher lange einen Job hatten: 1094 Menschen bezogen im Dezember Arbeitslosengeld I. Das waren 13,6 Prozent mehr als im März, zu Beginn der Pandemie. Allerdings gibt es gute Nachrichten bei Menschen, die Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, also vorher schon länger arbeitslos waren oder noch keinen Anspruch auf das höhere Arbeitslosengeld I hatten: Davon waren im Dezember 1332 Personen betroffen, was sogar 3,7 Prozent weniger sind als zu Beginn der Pandemie. In Hessen ist dieser Wert gestiegen.

Die Branchen

Ein Indikator für die Wirtschaftssituation sind die im Laufe eines Jahres neu gemeldeten freien Stellen. Das waren 2020 im Kreis 3429 an der Zahl und damit 42 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders stark ist der Rückgang im Einzelhandel (minus 83 Prozent) und bei Verkehr und Lagerei (minus 59 Prozent). Stabil ist die Lage hingegen im Baugewerbe (minus 6,3), in Verwaltungen (plus 8,8) und im Gesundheitswesen (plus 0,8). Wach- und Sicherheitsdienste verzeichnen einen Zuwachs von 41 Prozent – sie wurden etwa am Eingang von Kliniken, aber zum Beispiel auch in Supermärkten eingesetzt.

Die Kurzarbeit

Für knapp 15 000 Personen und damit jeden dritten Angestellten wurde im Laufe des Jahres Kurzarbeit angezeigt. Von den 2800 Betrieben mit mindestens einem Beschäftigten nutzten über 1300 diese Möglichkeit. „Das ist weitaus mehr als in der Finanzkrise 2009“, sagt Dombrowski. Im Durchschnitt verzeichneten Kurzarbeiter einen Arbeitsausfall von 38 Prozent. Das sei für die Betroffenen ein großer finanzieller Einschnitt – allerdings habe, rein rechnerisch, Kurzarbeit über 2000 Arbeitsplätze erhalten. Zu Hochzeiten im April und Mai waren über 6000 Kreis-Einwohner in Kurzarbeit. (Christopher Ziermann)

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