Führung zum Blauen Sonntag

Auch Flaschenpost im Rotenburger Wasserkraftwerk

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Gewässerschutz: In der Rechenreinigungsanlage landen häufig Gegenstände und Tiere, die in der Fulda nichts zu suchen haben. Das Ehepaar Haag-Lorenz entsorgt dann den Müll.

Rotenburg. Interessante Fakten erfuhren Besucher bei der Führung zum "Blauen Sonntag" über das Rotenburger Wasserkraftwerk. 

Die Kraft des Wassers zu nutzen hat in Rotenburg eine lange Tradition. Schöner Brauch ist es auch für Conny Haag-Lorenz, die Türen zu ihrem Wasserkraftwerk immer mal wieder für die Öffentlichkeit aufzumachen. Diesmal ermöglichte das Netzwerk Industriekultur Nordhessen (Nino) 20 interessierten Teilnehmern, hinter die Kulissen dieses regionalen Standorts der regenerativen Energie zu blicken. „Blauer Sonntag“ nennt sich die Veranstaltungsreihe, die für Industriekultur begeistern will.

Nach einem Film über die Historie der einstigen Herrenmühle, die während des Zweiten Weltkriegs von Eugen Haag zum Wasserkraftwerk umgebaut wurde, informierte Lutz Lorenz, Ehemann von Conny Haag-Lorenz, die Besucher über die Nutzung der Fulda als natürliche Energiequelle. Anschaulich erklärte er, wie eine ökologische Stromversorgung mit der Kraft des Flusses funktioniert. „Wasserkraft ist eine der verlässlichsten Quellen der erneuerbaren Energien. Sie liefert auch dann Strom, wenn Wind und Sonne es nicht können“, betonte er. Wasserkraftwerke leisten Lorenz zufolge auch einen wichtigen Beitrag für den Gewässerschutz. Der ökologische Gewinn: Das Wasser regeneriere sich selbst, wodurch auf Rohstoffverbrauch verzichtet werden könne. Die Wasserkraftwerksbetreiber holen Treibgut und Müll mit der im Jahr 2009 für etwa 120 000 Euro umgebauten Rechenreinigungsanlage aus der Fulda.

Im Haagschen Werk kommen regelmäßig Gegenstände und Tiere an, die im Fluss nichts zu suchen haben: ein Dreirad, ein totes Reh, ein Fahrradhelm, ein BH oder Stühle. Auch die ein oder andere Flaschenpost mit dubioser politischer Botschaft landet hin und wieder in der Reinigungsanlage.

Ein weiterer umweltfreundlicher Aspekt: Das Wasser werde, so Lorenz, beim Durchströmen in den Turbinen mit Sauerstoff angereichert. Das wirke sich wiederum positiv auf das Leben im Wasser und die biologische Selbstreinigung aus. Der erzeugte Strom gelange ins Überlandnetz der EAM, nachdem er von 400 Volt am Generator auf 20 000 Volt hochtransformiert wurde.

250 000 Euro wurden für eine Fischaufstiegsanlage investiert: So können die Tiere einen Gewässer-Höhenunterschied von mehreren Metern aus eigener Kraft überwinden. Die Teilnehmer bedankten sich für den kurzweiligen und informativen Ausflug in die Industriekultur.

Am gestrigen Sonntag stand dann zum „Blauen Sonntag“ eine Führung über das Bahngelände in Bebra auf dem Programm.

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