Entscheidung ist gefallen

Aus für das HKZ in Rotenburg: Gesellschafter stimmen für Verlagerung der Akutmedizin

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg an der Fulda.
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Das Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und gehört zum Konzern des Klinikums Hersfeld-Rotenburg.

Die Entscheidung ist gefallen - gegen das HKZ: Die Gesellschafterversammlung hat den geplanten Radikalumbau des Klinikums Hersfeld-Rotenburg beschlossen.

Kreis Hersfeld-Rotenburg - Am Montag (07.09.2020) war es soweit, die Entscheidung der Gesellschafterversammlung für den geplanten Radikalumbau des Klinikums Hersfeld-Rotenburg stand fest. Damit ist nun sicher, dass die akutmedizinischen Abteilungen des kommunalen Klinikverbundes künftig ans Bad Hersfelder Klinikum verlagert werden – also auch die Herzchirurgie und Kardiologie des Rotenburger Herz-Kreislauf-Zentrums. Am Standort Rotenburg verbleibt lediglich die Reha.

Die Gesellschafterversammlung habe „ausschließlich im Interesse aller Mitarbeiter des Konzerns und aller Bewohner des Landkreises entschieden“, heißt es in einer Mitteilung des 13-köpfigen Gremiums, dem Landrat Dr. Michael Koch (CDU) vorsitzt. „Die Veränderungen aufzuschieben oder gar zu verhindern, würde einen dramatischen Verlust der Arbeitsplätze heraufbeschwören und die Existenz des gesamten Klinikums an allen Standorten gefährden.“

Koch sprach von einer „sehr schwierigen, ja schmerzlichen Entscheidung“. Die Gesellschafter teilten jedoch die Auffassung des Aufsichtsrats, dass „die wohnortnahe gute medizinische Versorgung und der Erhalt tausender Arbeitsplätze dauerhaft nur sichergestellt werden könnten, wenn die vorgesehenen Maßnahmen im Wesentlichen umgesetzt werden“.

Das von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon für den kommunalen Klinikverbund erstellte Zukunftskonzept zeige einen Weg auf, wie das Klinikum zukunftsfähig aufgestellt werden könne, so die Gesellschafterversammlung. Ziel sei es unter anderem, „die medizinische Expertise des HKZ zu erhalten und weiterhin eine moderne Herzmedizin anzubieten, die ansonsten für immer verloren gehe“.

Koch betonte, dass das Klinikum im vergangenen Jahr jeden Monat mehr als eine Million Euro Defizit erwirtschaftet habe. „Wenn wir die stationäre Versorgung in kommunaler Hand behalten wollen, müssen wir bereit sein, den im Gutachten aufgezeigten und als zukunftsfähig bewerteten Weg zu gehen.“

"Positive Signale" von Chefärzten

Der Gesellschafterausschuss verweist darauf, dass bei der Entscheidung für die Verlagerung der Akutmedizin von Rotenburg nach Bad Hersfeld insbesondere auch die Empfehlungen der Chefärzte des Unternehmens berücksichtigt worden seien. Die Mediziner hätten bereits in der vergangenen Woche positive Signale gesendet und angekündigt, sich in Arbeits- und Projektgruppen zu den jeweiligen Zentren zu engagieren und „an der Optimierung der strukturellen Bedingungen für eine fortschrittliche Medizin“ im Landkreis mitzuwirken. Man hoffe, dass sich auch die Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi konstruktiv in den nun anzugehenden Prozess einbringen werden.

Betriebsrat will sich erst beraten

Der Betriebsrat des HKZ wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung vorerst nicht zur Entscheidung der Gesellschafterversammlung äußern. Das Gremium habe aber für Dienstag eine Sitzung geplant, um sich zu beraten, so der neue Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung, Lothar Koch. Der 62-Jährige aus Bebra, seit fast drei Jahrzehnten im HKZ, hatte zum 1. September die Nachfolge von Martina Reinki angetreten, die aber weiterhin dem Betriebsrat angehört. 

Koch und Künholz kritisieren Grunwald

Kritik an Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) üben Landrat Dr. Michael Koch (CDU) und die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz (SPD) in einer gemeinsamen Erklärung gegenüber unserer Zeitung. Grunwald hatte im Zusammenhang mit dem geplanten Aus für die Akutmedizin am Rotenburger HKZ in einer Videobotschaft von einem „kollektiven Kommunikationsdesaster höchsten Maßes und einer gefühlten Entsolidarisierung mit den Menschen im Nordteil des Kreises“ gesprochen.

„Es ist wenig konstruktiv, auf nicht unmittelbar beteiligte Landtags- und Bundestagsabgeordnete zu verweisen und die Regionen des Landkreises gegeneinander zu vergleichen“, sagen Koch und Künholz. „Bei allem Verständnis für die schwierige Situation bitten wir den Bürgermeister, der auch Kreistagsmitglied ist, sich seiner Gesamtverantwortung für den Erhalt der Arbeitsplätze des gesamten Klinik-Unternehmens zu stellen.“

Zudem verwiesen beide auf „den bevorstehenden Kommunikationsprozess innerhalb und außerhalb des Konzerns“. Die Geschäftsführer kommen zur heutigen Sitzung des Rotenburger Haupt- und Finanzausschusses, für die Kreistagssitzung hat der Landrat eine Erklärung mit entsprechender Debatte angekündigt. Koch und Künholz stünden zu Gesprächen mit allen bereit, denen das Klinikum am Herzen liege.

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