„Herausfordernde Situation“ bis in den Sommer

Austausch im Rotenburger KKH: Experten stellen sich auf dritte Corona-Welle ein

Dr. Martin Oechsner (Kreiskrankenhaus, Geschäftsführung), Stefan Sydow (Sonderbeauftragter des Landes Hessen), Dr. Sabine Totsche (Referatsleiterin Gesundheitsdienst und Infektionsschutz) und Andreas Maus (Kreiskrankenhaus, Geschäftsführung) beim Corona-Handschlag mit dem Ellbogen.
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Sprachen über die Herausforderungen der Pandemie: Dr. Martin Oechsner (Kreiskrankenhaus, Geschäftsführung), Stefan Sydow (Sonderbeauftragter des Landes Hessen), Dr. Sabine Totsche (Referatsleiterin Gesundheitsdienst und Infektionsschutz) und Andreas Maus (Kreiskrankenhaus, Geschäftsführung).

Die Corona-Zahlen sinken bundesweit langsam, aber das hessische Sozialministerium stellt sich auf eine dritte Welle ein. Das wurde bei einem Expertentreffen in Rotenburg deutlich.

Rotenburg – Vertreter des „Planungsstabs Stationäre Versorgung von Covid-19-Patienten“ waren zu Gast im Rotenburger Kreiskrankenhaus (KKH). „Wir haben die Befürchtung, dass uns die dritte Welle noch erreicht“, sagte Professor Jürgen Graf, Leiter des Planungsstabs. „Wir gehen davon aus, dass wir Mitte bis Ende Februar wieder steigende Zahlen haben werden.“

Unter anderem machen ihm die Corona-Mutationen Sorgen, die inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen worden sind. Graf: „Es ist ein Unglück, dass wir gerade jetzt kaum Impfstoff haben.“

Immerhin sei inzwischen ausreichend Schutzausrüstung für die hessischen Krankenhäuser vorhanden. Zu Beginn der Pandemie sei das ein großes Problem gewesen – auch in Rotenburg. Oberin Karla Krause-Heid berichtete etwa, dass sich KKH-Mitarbeiter im Frühjahr mit Metallelementen aus dem 3-D-Drucker ihres Sohnes und Laminierfolie selbst Gesichtsvisiere gebastelt hätten.

Sonderbeauftragter Sydow: „Ich traue den Inzidenzzahlen nicht“

Auch Stefan Sydow, Sonderbeauftragter des Ministeriums für die Sars-CoV-2-Bekämpfung, äußerte sich skeptisch zur abflachenden Corona-Kurve: „Ich traue den Inzidenzzahlen nicht.“ Seitdem Schnelltests verfügbar seien, habe die Zahl der als aussagekräftiger geltenden PCR-Tests „dramatisch nachgelassen“. Zudem werde in einigen Regionen viel, in anderen wenig getestet. „Bis Sommer wird das noch eine herausfordernde Situation für uns alle.“

Nach Rotenburg gereist waren die Mitglieder des Planungsstabs, um sich mit Vertretern des Kreiskrankenhauses über die Corona-Situation auszutauschen. „Chapeau, was Sie hier auch mit Blick auf die räumlichen Voraussetzungen leisten“, sagte Graf bei dem 90-minütigen Gespräch, an dem die Krankenhausleitung sowie per Videoschalte auch Chefärzte und Vorstand Jan Dreher vom Träger, dem Evangelischen Diakonieverein, teilnahmen. Angeregt hatte das Treffen das Klinikum Fulda, das im Versorgungsgebiet 2, zu dem auch der Kreis Hersfeld-Rotenburg zählt, das koordinierende Krankenhaus ist (siehe Grafik).

Die Krankenhäuser in Hersfeld-Rotenburg gehören zum Versorgungsgebiet 2, koordinierendes Krankenhaus ist Fulda. Unsere Grafik zeigt auch die medizinischen Einrichtungen im Versorgungsgebiet 1 (Kassel).

Bislang sind im KKH 145 Covid-Patienten behandelt worden. Vor allem der Dezember sei besonders herausfordernd gewesen, sagte Dr. Reiner Sitzler, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin. Mittlerweile seien die Fallzahlen etwas zurückgegangen.

Auch vor den Mitarbeitern hat das Virus nicht Halt gemacht, 36 haben sich seit Beginn der Pandemie infiziert. Erfreulich sei, so der medizinische Geschäftsführer Dr. Martin Oechsner, dass nun auch Krankenhauspersonal geimpft werde. „Das gibt einem ein besseres Gefühl“, so Oechsner, der selbst kürzlich die erste Dosis erhalten hat. „Wichtig wäre, dass jetzt auch die niedergelassenen Ärzte endlich Zugang zum Impfstoff bekommen. Die arbeiten direkt an der Front. Da muss dringend nachgearbeitet werden.“

Sydow bat um Verständnis: „Wenn wir könnten, wie wir wollten, wären schon viel mehr Menschen geimpft.“ Es sei eben noch nicht ausreichend Impfstoff vorhanden. Hoffnung mache ihm die Genehmigung für das Biontech-Werk in Marburg, die am Donnerstag erteilt wurde. (Sebastian Schaffner)

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