Einkauf „auf einem Bein“

Schwaches Weihnachtsgeschäft, aber Ansturm vorm Lockdown

Im Einkaufszentrum „das be!“ in Bebra sind Kunden mit Maske unterwegs.
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Die geschlossene Gastronomie, sehr wenig Laufkundschaft und eine grundsätzliche Kaufzurückhaltung haben im Landkreis zu einem schwachen Weihnachtsgeschäft geführt – das ändert sich nun für wenige Tage, seitdem klar ist, dass ein harter Lockdown kommt. Unser Bild entstand im Einkaufszentrum „das be!“ in Bebra.

Die Geschäfte im Kreis werden im Weihnachtsgeschäft hart von Umsatzeinbußen getroffen. Das wird aus den drei größten Kommunen Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra einhellig bestätigt.

Bad Hersfeld/Rotenburg/Bebra - Grund dafür ist laut Jörg Markert, Centermanager der Bad Hersfelder City Galerie und Mitglied im Vorstand des Stadtmarketingvereins, vor allem die fast völlig ausbleibende Laufkundschaft.

Jedenfalls galt das, bevor seit Samstag noch einmal besonders viele Kunden vor dem am Mittwoch beginnenden Lockdown in die Geschäfte strömen.  „Heute ist noch mal Großkampftag“, hieß es am Montag im Modecentrum Sauer in Bad Hersfeld, wo deshalb auch keine Zeit für weitere Gespräche blieb.

Ähnliches war in Bebra zu beobachten. In Rotenburg war zwar mehr los als die Tage zuvor, aber „moderat“, wie MER-Geschäftsführer Torben Schäfer sagt.

Laut Markert war zuvor eine eindeutige Kaufzurückhaltung zu beobachten. „An den Adventssamstagen war zwar recht viel los, aber mit einem normalen Weihnachtsgeschäft ist das nicht zu vergleichen.“

An vorderster Front treffe Corona das Reisegeschäft, die Modebranche und alle, die mit körperlicher Hygiene zu tun haben. Die Kunden, die den Weg in die Geschäfte finden, halten sich laut Markert fast alle diszipliniert an die Hygienevorschriften – das sagte er unserer Zeitung allerdings in einem Gespräch am Freitag.

Weihnachtseinkauf kurz vorm Lockdown in der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld.

„Es gibt viele Geschäfte, die auch jetzt in der Adventszeit weiterhin dem Umsatz des Vorjahres hinterherlaufen. Es fehlen auch Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, wo die Innenstadt sonst voll ist“, sagt Stefan Pruschwitz von der Stadtentwicklung Bebra (SEB). Außerdem stehe das Einkaufserlebnis auf zwei Beinen: nicht nur dem Einkaufen, sondern auch auf der Gastronomie. „Wenn eins der Beine fehlt, funktioniert das Einkaufen in unseren Innenstädten nicht richtig – auch wenn sie noch so schön beleuchtet sind.“

Einige Geschäfte vermelden aber auch explizit wegen der Pandemie gute Umsätze. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der MER. Dazu gehört „Fernseh Hausgeräte Weiffenbach“ aus Lispenhausen. Die Leute verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher und Waschmaschinen und Geschirrspüler werden stärker beansprucht, lautet die einfache Erklärung. Ähnlich gut sieht es beim Telekom-Shop von Dirk Müller in Rotenburg aus, weil die Menschen im Home Office schnelles Internet und Handys brauchen. Hilfreich sei auch die Schließung des Geschäfts für Laufkundschaft am Nachmittag gewesen, wo stattdessen vorher vereinbarte Termine angeboten werden. Auch die Gold- und Brillenschmiede arbeitet mit vorher vereinbarten Terminen, wodurch sich das Hygienekonzept gut einhalten lasse. Handwerker wie der Raumausstatter Sangmeister haben eine sehr gute Auslastung.

„Dramatisch“ ist die Situation hingegen bei Jahnke Werbung und Papeterie. Dort führt die fehlende Laufkundschaft zu Umsatzeinbußen von 70 Prozent im Vergleich zu Dezember 2019. „Der Einzelhandel ist in einer existenzbedrohenden Lage“, sagt Ingo Jahnke. „Ich befürchte für das kommende Jahr viele Schließungen und verödete Innenstädte.“ (Christopher Ziermann)

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