24 Stunden nahezu Normalität mit Corona-Schnelltest

Bebra und Rotenburg wollen Lockdown-Ende: Städte bewerben sich als Modellregion

Bebra und Rotenburg bewerben sich beim Land Hessen als Modellregion für eine Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Kulturangeboten. Möglich werden soll das durch Corona-Schnelltests. Unser Foto zeigt von links Bebras Bürgermeister Stefan Knoche und Stadtentwickler Stefan Pruschwitz und ihre Mitstreiter aus Rotenburg: MER-Chef Toben Schäfer und Rathauschef Christian Grunwald.
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Bebra und Rotenburg bewerben sich beim Land Hessen als Modellregion für eine Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Kulturangeboten. Möglich werden soll das durch Corona-Schnelltests. Unser Foto zeigt von links Bebras Bürgermeister Stefan Knoche und Stadtentwickler Stefan Pruschwitz und ihre Mitstreiter aus Rotenburg: MER-Chef Toben Schäfer und Rathauschef Christian Grunwald.

Gemeinsam wollen die Städte Rotenburg und Bebra aus dem Corona-Lockdown – und haben sich nun offiziell als Modellregion für eine „kontrollierte Öffnung“ beim Land Hessen beworben.

Bebra/Rotenburg – Grundlage dafür, dass Einzelhandel, aber auch Gastronomie und Kultureinrichtungen wieder nahezu normal öffnen dürfen, sollen Corona-Schnelltests sein. „Die anhaltenden, coronabedingten Geschäftsschließungen gefährden die Wirtschaftsstruktur in unseren beiden Städten mittlerweile massiv“, heißt es in dem Bewerbungsschreiben an Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

Befürchtet wird eine Insolvenzwelle, die das Bild der Städte auf Jahre hinaus verschlechtern werde. Sowohl Rotenburg als auch Bebra haben viel in ihren Strukturwandel investiert. Beide Städte, die seit Kurzem auch gemeinsam als „starkes Doppel an der Fulda“ auftreten, befürchten nun, dass die Anstrengungen durch lange Lockdowns verpuffen.

Für die Öffnung wird auf „schnelle und ausreichend zur Verfügung stehende Corona-Schnelltests“ gesetzt. „Das Angebot könnten wir auch noch ausbauen“, sagt Torben Schäfer, Chef der Rotenburger Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER. Es gebe bereits Gespräche mit weiteren Anbietern, sollte die Nachfrage immens steigen. Auch Bebras Bürgermeister Stefan Knoche ist zuversichtlich: „Wenn wir es drauf anlegen, könnten wir jeden Tag wahrscheinlich halb Bebra durchtesten.“

Essengehen mit Armband nach dem negativen Corona-Schnelltest

Um ein negatives Testergebnis zu bescheinigen, könnten die Bürger Armbänder erhalten, wie sie auch bei Festivals und Kulturangeboten zum Einsatz kommen. Diese berechtigen für 24 Stunden zum Einkaufen, Essen und Kulturerleben in den Städten und sind nicht auf andere übertragbar. „Wer sein Armband abnehmen will, muss es schon zerreißen“, sagt Bürgermeister Knoche – damit wäre aber die Bescheinigung kaputt, die am Eingang der Geschäfte kontrolliert werden soll. „Dahinter steht der Gedanke eines Tagespasses“, erklärt Stefan Pruschwitz, Chef der Bebraer Stadtentwicklung SEB.

Die teilnehmenden Geschäfte müssen ein genehmigtes Hygienekonzept vorlegen und die Luca-App zur Kontaktermittlung verwenden. Auf den Armbändern soll es entsprechende individuelle QR-Codes geben. Auch das Verkaufs- und Servicepersonal soll wiederholt getestet werden, um die Infektionsgefahr zu senken.

Kostenlos sind Corona-Schnelltests derzeit einmal pro Woche. „Darüber wollen wir einsteigen“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Weitere Tests seien möglich, müssten dann aber aus eigener Tasche bezahlt werden. Da gebe es noch Gesprächsbedarf mit dem Land Hessen.

Konkurrenz aus Frankfurt und Fulda - aber (noch) nicht aus Bad Hersfeld

Auch Hessen will in ausgewählten Regionen und zeitlich befristet mit Modellprojekten eine teilweise Öffnung des öffentlichen Lebens starten – verbunden mit Corona-Schnelltests als Voraussetzung zur Teilhabe. „Wir machen das“, heißt es auf Nachfrage aus der Corona-Pressestelle des Landes. Welche Kommunen mitmachen dürfen und wann der Startschuss fällt, steht noch nicht fest. Am Freitag fand dazu ein Gespräch von Ministerpräsident Volker Bouffier und kommunalen Spitzenverbänden statt. Erste Details soll es Anfang kommender Woche geben, heißt es. Zu den Bewerbern in Hessen zählen unter anderem die Metropole Frankfurt und Fulda. In Hersfeld-Rotenburgs Kreisstadt Bad Hersfeld gibt es bisher noch keinen fertigen Plan für eine Bewerbung als Modellregion, heißt es auf Nachfrage. Dort werde im Magistrat aber auch das „Tübinger Modell“ diskutiert. In der Universitätsstadt in Baden-Württemberg wird eine Öffnung mit Armband seit Mitte März getestet, vielen Bundesländern gilt das Pilotprojekt als Vorbild.

Bebra und Rotenburg konkurrieren bei ihrem Vorstoß unter anderem mit Frankfurt (siehe Hintergrund). Haben die beiden Kleinstädte eine Chance? „Genau deshalb haben wir uns beworben. Der Fokus kann doch nicht immer nur auf den großen Städten liegen“, sagt Torben Schäfer. „Wir sind nicht weniger wert im ländlichen Raum. Wir wollen zeigen, dass wir es auch können.“ Die relativ geringe Bevölkerungsdichte sei bei der Organisation und Kontrolle des Modellprojekts eher ein Vorteil, sind sich auch die Bürgermeister einig.

„Die hohe Inzidenz wird aber auf jeden Fall eine Rolle spielen“, sagt Grunwald. Dabei müsse beachtet werden, wo in Hersfeld-Rotenburg die Zahlen besonders hoch sind. „Da haben wir in unserer Modellregion dann wieder gute Chancen“, so der Rotenburger Rathauschef. Besonders im südlichen und östlichen Teil des Kreises sind die Infektionswerte enorm gestiegen. (Clemens Herwig, Christopher Ziermann)

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