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Beim Bahnsteig Druck machen: Rotenburger drängen auf Lösung für Halt in Lispenhausen

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Von: Clemens Herwig

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Altes Foto, aktuelles Problem: Lispenhausens Ortsvorsteher Peter Müller hilft im Jahr 2016 Eric Hofmann und Tochter Mia im Buggy beim Einsteigen. SPD-Chef Sebastian Münscher ärgerte sich mit Blick auf das symbolträchtige Foto in der jüngsten Sitzung: „Bis es mit dem Ausbau soweit ist, ist das Kind längst in der Berufsausbildung.“
Altes Foto, aktuelles Problem: Lispenhausens Ortsvorsteher Peter Müller hilft im Jahr 2016 Eric Hofmann und Tochter Mia im Buggy beim Einsteigen. SPD-Chef Sebastian Münscher ärgerte sich mit Blick auf das symbolträchtige Foto in der jüngsten Sitzung: „Bis es mit dem Ausbau soweit ist, ist das Kind längst in der Berufsausbildung.“ © Silke Schäfer-Marg

Rotenburg – Die Stadtpolitik in Rotenburg will nicht widerstandslos hinnehmen, dass der Ausbau des Bahnhalts Lispenhausen erneut verschleppt wird - und macht jetzt Druck auf Bahn und NVV.

Rotenburg - Das Parlament schloss sich bei der jüngsten Sitzung im Bürgerzentrum einstimmig einer Resolution der FDP an, die eine „zeitnahe Lösung“ von der Deutschen Bahn und dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) fordert. Es ist nicht das erste Mal, dass neben dem Ortsbeirat auch die Stadtverordnetenversammlung Druck auf die Verkehrsunternehmen macht. Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt wird in Lispenhausen auf den Ausbau gewartet, schon 2008 sollte der Bahnsteig in Richtung Kassel barrierefrei werden.

Wer dort in die Cantus-Bahn einsteigen will, muss einen großen Schritt machen und fast einen halben Meter überwinden. Wer den Zug verlassen will, muss springen – unzumutbar für ältere Fahrgäste und Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren.

Im Dezember hatte sich herausgestellt, dass sich der 2022 endlich auf der Agenda stehende Ausbau der sogenannten „Verkehrsstation“ in Lispenhausen erneut um zwei Jahre auf 2024 verschiebt. Eine konkrete Erklärung gab die Bahn nicht, sondern verwies lediglich auf umfangreiche Vorplanungen und Genehmigungsverfahren bei Bahnprojekten, hinzu kämen Sperrpausen mit langem Vorlauf.

Die FDP habe die Entscheidung „mit Unverständnis“ zur Kenntnis genommen, so Fraktionschef Marcus Weber in der Sitzung des Stadtparlaments. Auf Nachfragen habe es seitens der Unternehmen lediglich „blumige und ausschweifende Antworten“ gegeben. Der Magistrat soll dort nun die Forderung der Rotenburger Politik vortragen, sich noch einmal intensiv mit dem Halt zu befassen. Die Stadt tue sicher bereits ihr Möglichstes, die Resolution solle den Druck „unabhängig von den Bemühungen der Verwaltung“ zusätzlich erhöhen, so Weber weiter.

Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) hatte sich im Dezember darüber empört, nur über Umwege überhaupt erst von der erneuten Verzögerung erfahren zu haben. Auswirkungen auf die von der Stadt geplante Park-and-Ride-Anlage auf einer benachbarten Fläche mit Platz für 20 Autos, Fahrräder und Glascontainer hat die Verzögerung am Bahnsteig nicht. Noch im zweiten Quartal soll der Bau starten, der Auftrag an die Firma sei vergeben, sagt der Rathauschef. Kostenfaktor für die Stadt: rund 100 000 Euro. Was die Rotenburger FDP ärgert: Weiter nördlich sei Melsungen an der Bahnstrecke Bebra-Kassel überversorgt. Dort entstehe für die Regiotram nicht nur der Halt Melsungen-Schwarzenberg, geplant sei auch die Station Melsungen-Süd. Die Stadt im Schwalm-Eder-Kreis habe langfristig vier Haltestellen „in kürzesten Abständen“, so Weber. Er gönne den Melsungern den guten Anschluss, Rotenburg dürfe aber nicht abgehängt werden.

Die Resolution schlägt daher vor, die Sperrpause für die Baustelle Schwarzenberg auch für Lispenhausen zu nutzen, damit nicht erneut ein Einzugsgebiet mit 3500 Menschen in Lispenhausen und dem Haselgrund vertröstet wird. Nur: Die Arbeiten für den Halt in dem 560-Einwohner-Dorf, das seit 30 Jahren darauf hofft, dass die Züge irgendwann halten, haben bereits Ende April begonnen.

Von Clemens Herwig

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