Gewehre und Pistolen werden eingeschmolzen

Bisher 54 illegale Waffen im Kreis Hersfeld-Rotenburg abgegeben

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Sicher verwahrt: Alle Gewehre und Pistolen, die in der Waffenbehörde des Landkreises an der Friedrich-Ebert-Straße 9 in Bad Hersfeld abgegeben werden, legen die Mitarbeiter zunächst in diesen gesicherten Tresorschrank. Unser Bild zeigt von links Waffensachbearbeiter Christian Trost und Norbert Vollmar, Fachdienstleiter Ordnung und Gewerbe, mit einem Teil der gesammelten Objekte.

Hersfeld-Rotenburg. Am 1. Juli endet die Waffen-Amnestie, die unter anderem regelt, dass Eigentümer illegaler Waffen straffrei bleiben. Ab dann gelten wieder die normalen Regeln. 

Seit Beginn der Waffen-Amnestie vor elf Monaten sind im Kreis 54 illegale Waffen und 115 legale Gewehre und Pistolen abgegeben worden. Wer Waffen und Munition besitzt, ohne eine Erlaubnis dafür zu haben, sollte sich beeilen, diese entweder bei der Waffenbehörde des Landkreises oder bei einer Polizeidienststelle abzugeben.

„Ab dann gelten wieder die normalen gesetzlichen Regelungen – und die sehen Strafen, je nach Waffe, vom Bereich der Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen bis hin zu Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr vor“, sagt Patrick Greyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda. 

Verstöße seien immer Einzelfallentscheidungen – wer ohne Vorsatz handele und die Waffe freiwillig abgebe, dürfe sicher auch nach der Amnestie mit Strafmilderung rechnen.

„Es soll ja niemand seine Waffen irgendwie entsorgen, sondern den Weg zu uns wählen“, sagt Christian Trost, Waffensachbearbeiter beim Landkreis. Er und seine Kollegin Manuela Stolle sind neben der Polizei die Anlaufstelle für Menschen, die eine Waffe abgeben wollen. 

Im Landratsamt habe man darauf geachtet, dass Büro und Waffentresor, in dem die Pistolen und Gewehre zunächst aufbewahrt werden, in Eingangsnähe liegen. Und der befindet sich in Bad Hersfeld auf der Rückseite des Landratsamtes an der Friedrich-Ebert-Straße 9. 

„Schließlich ist es ja schon ungewöhnlich, wenn jemand mit Waffe durch eine öffentliche Verwaltung läuft – da müssen die Wege zur Abgabe kurz sein“, sagt Norbert Vollmar, Leiter des zuständigen Fachdienstes Ordnung und Gewerbe. 

Viel Papierkram erwartet die Waffenbesitzer nicht. „Sie müssen nur ein einseitiges Dokument ausfüllen“, sagt Vollmar. Die Abgabe sei eine Sache von zehn Minuten.

Die Gewehre und Pistolen stammen oft von Opa

Der große Teil der Waffen, die in den vergangenen elf Monaten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aus illegalem Besitz während der Amnestiezeit abgegeben worden sind, stammt von verstorbenen Familienangehörigen. In fast allen Fällen handelt es sich um Waffen aus dem Familienbesitz, berichtet Manfred Knoch, Pressesprecher der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg. 

Das bestätigt auch Christian Trost, Waffensachbearbeiter beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg. „Es handelt sich um Gewehre und Pistolen, die vom Opa stammen und auf Dachböden oder im Keller gefunden worden sind und die vermutlich auch ohne Amnestie bei uns abgegeben worden wären“, sagt Trost. „An manchen Schusswaffen hing noch das Stroh dran“, ergänzt Fachdienstleiter Norbert Vollmar. 

Ausgenommen von der Amnestie sind Waffen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. „Mit einem Maschinengewehr oder gar einem Panzer ist allerdings auch noch keiner bei uns vorgefahren“, sagt Vollmar. 

Wenn solche Waffen abgegeben würden, schaltet der Landkreis das Bundeskriminalamt in Wiesbaden für die kriminaltechnische Beurteilung ein. „Einen solchen Fall hatten wir aber noch nicht“, sagt Trost. 

Abgegeben wurden stattdessen auch jede Menge legale Waffen – also Waffen von Besitzern, die dafür einen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte haben oder Waffen wie etwa manche erlaubnisfreie Luftgewehre und Schreckschusspistolen.

Gelegentlich werden auch geladene Waffen abgegeben 

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg waren es im Zeitraum der Amnestie bislang 59 Gewehre und 56 Pistolen. Gesammelt werden die Waffen zunächst in einem gut gesicherten Tresorschrank. Ist der voll, werden sie in die dafür vorgesehene Waffenkammer umgebettet. 

„Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, damit sie sachgerecht mit den Waffen umgehen können“, berichtet Fachdienstleiter Vollmar. „Denn gelegentlich kommt es vor, dass auch geladene Waffen bei uns abgegeben werden“, sagt Trost. 

Man habe nach der Amnestie von 2009 schon eingeschätzt, dass es bei den illegalen Waffen in einem ähnlichen Rahmen bleiben werde – „eine größere Waffenkammer haben wir also deshalb nicht vorbereitet – und so ist es bislang auch eingetreten“, berichtet Vollmar. 

Während der Amnestie-Zeit 2009, die lediglich ein halbes Jahr andauerte, waren im Landkreis acht Gewehre, zehn Pistolen und 236 Patronen Munition abgegeben worden. Aktuell liege man mit zwölf Gewehren und acht Pistolen alleine bei der Annahmestelle im Landratsamt schon über diesem Wert.

Die Gelegenheit noch nutzen

„Wer jetzt noch eine Waffe zuhause hat, von der er sich nicht sicher ist, ob er sie besitzen darf, sollte sich schnell an die Polizei oder die Waffenbehörde beim Landkreis wenden“, rät Polizeipressesprecher Knoch. Auch Trost und Vollmar vom Landkreis bestärken Besitzer solcher Waffen darin, die Gelegenheit bis zum 1. Juli 2018 noch zu nutzen. 

„Wir sind froh, dass durch solche Aktionen alte Waffenbestände, die meist illegal in den Besitz von Angehörigen gelangt sind, nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden können, ohne dass den Betroffenen hierfür Strafen drohen“, sagt Polizeisprecher Knoch.

Die Waffen werden in Wiesbaden eingeschmolzen

Grundlage für die Waffen-Amnestie ist eine Änderung des Waffengesetztes durch den Bund. Die Amnestie ist in Paragraf 58 geregelt. Von ihr erfasst wird, wer eine am 6. Juli 2017 unerlaubt besessene Waffe oder unerlaubt besessene Munition bis zum 1. Juli 2018 der zuständigen Waffenbehörde oder einer Polizeidienststelle übergibt. 

Abgegebene Waffen werden zur Polizei nach Wiesbaden gebracht und dort vernichtet, „was bedeutet, dass sie komplett eingeschmolzen werden – mit Schaft und allem drum und dran“, wie Christian Trost, Waffensachbearbeiter beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg, berichtet. 

Nach der Abgabe einer Waffe werde diese anhand der Waffennummer mit dem Nationalen Waffenregister abgeglichen und die Daten würden von der Polizei in einer Sachfahndung überprüft. Erst nach deren Okay darf die Waffe vernichtet werden.

Tipps zur Rückgabe von alten Waffen

Wer bis zum 1. Juli Waffen zurückgeben möchte, kann dies bei der Waffenbehörde beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg oder bei den Polizeidienststellen in Bad Hersfeld und Rotenburg tun. 

Es ist sinnvoll, die Abgabe telefonisch anzukündigen und sich beraten zu lassen. Ansprechpartner sind beim Landkreis Manuela Stolle, Telefon 06621/873205 und Christian Trost, 873206, sowie die Polizei in Rotenburg und Bad Hersfeld, die unter 06623/9370 beziehungsweise unter 06621/9320 zu erreichen sind.

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