Rotenburger Ortsteil Dankerode

Verursacher Wolf, Luchs oder doch Mensch? Blutlache vor Wohnhaus sorgt für Verwirrung

Wolf und Luchs
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Wolf und Luchs

Eine große Blutlache vor einem Wohnhaus sorgt in Rotenburg für Verwirrung. Waren Tiere beteiligt? Was genau passiert ist, kann man derzeit nur mutmaßen.

Aktualisiert 12.11., 18.17 Uhr.

Dankerode – Eine große Blutlache vor einem Wohnhaus direkt neben einem Sandkasten hat am Mittwoch für Verwirrung in Dankerode gesorgt. In unmittelbarer Nähe waren am Morgen auf zwei Weiden die Zäune umgerissen worden und die Schafe ausgebrochen. „Wolfsriss vor Wohnhaus?“, fragte gegen Mittag der Sprecher der privat geführten WhatsApp-Gruppe „Wolf-Monitor Hessen“ in einer Pressemitteilung.

Blutlache vor Wohnhaus: Hat ein Wolf Rotwild gejagt?

Der Grund für diese Vermutung ist kein gerissenes Schaf, denn alle Schafe blieben unverletzt. Es fanden sich aber Spuren, die wohl von einem Hirsch stammen, darunter einige blutige Hufabdrücke. Einer der Landwirte sagt unserer Zeitung: „Wir sind morgens angerufen worden, weil der Wolf hinter unseren Schafen her sein sollte. Denen ging es aber gut. Aber weil die Zäune kaputt gerissen waren, vermuten wir, dass der Wolf Rotwild über die Weide getrieben und vor dem Haus gepackt hat.“ Die Blutlache sei noch flüssig gewesen, als er nach den Schafen gesehen habe. Auch auf der Weide seien überall Blutstropfen gewesen. Es komme gelegentlich vor, dass Rotwild im Dorf in der Nähe von Häusern gesichtet werde.

Die Blutlache wurde direkt vor einem Wohnhaus in Rotenburg-Dankerode gefunden. Jetzt wird gerätselt, welches Tier dafür verantwortlich sein könnte.

Ein ehrenamtlicher vom Land Hessen beauftragter Rissgutacher machte sich vor Ort ein Bild, ebenso wie ein Jagdhelfer. Einen verletzten oder toten Hirsch fanden sie nicht. Der Jagdhelfer entdeckte mit seinem Hund in der Nähe lediglich eine fast komplett aufgefressene Katze, genauer gesagt einen Kopf – DNA-Spuren wurden aber nicht gesichert, da der Hund das Tier in den Mund nahm und somit ein genetischer Nachweis des Tieres, das die Katze gefressen hatte, wohl kaum möglich gewesen wäre, so der Gutachter.

Nach Fund einer Blutlache: Jagd-Experte vermutet, dass ein Luchs dahinter steckt

Der Jagdhelfer sagte unserer Zeitung, dass der sauber abgeschnittene Kopf für einen Luchs und nicht für einen Wolf spreche. Auch die große Blutlache sei mit einem Luchs, der eine Katze tötete, zu erklären: „Wenn er die Katze herumschleudert, spritzt da ganz schnell so viel Blut auf den Boden. Nie im Leben kommt das Blut von Rotwild. Die Menge auf der Stelle spricht dafür, dass hier die Halsschlagader durchtrennt wurde. Mit einer solchen Verletzung schafft ein Hirsch keine 100 Meter mehr. Den hätte ich mit meinem Hund gefunden.“

Vor Ort wurden weder Spuren von einem Wolf noch von einem Luchs gefunden. Das Szenario, das sich vor Ort geboten habe, „wirft viele Fragezeichen auf“, heißt es vom Sprecher der Wolfs-WhatsApp-Gruppe. Es sei eine kriminaltechnische Untersuchung geboten, um zu klären, von welcher Tierart das Blut stammt. „Bislang gibt es keine plausible Erklärung für die Spurenlage“, sagt der Gründer der Gruppe. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie wollte auf Nachfrage noch keine Einschätzung abgeben, da der Bericht des Rissgutachters erst am späten Nachmittag vorlag. Das Blut würde aber in jedem Fall genetisch analysiert.

Aktualisiert 12.11., 18.17 Uhr: Es gebe bei dem Vorfall in Dankerode keine Hinweise darauf, dass ein großer Beutegreifer wie Hund oder Wolf involviert gewesen sei, so das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung. Entsprechende Schleifspuren oder Pfotenabdrücke seien nicht gefunden worden. Ob der Katzenkopf im Zusammenhang mit der Blutlache stehe, sei unklar. Die hinzugerufene Polizei habe anhand der Blutspuren einen Schnelltest gemacht, der ergab, dass das Blut nicht von Menschen stammt. Die Auswertung, von welcher Tierart es stammt, sei kommende Woche zu erwarten.

Unterdessen stellt der Sprecher der WhatsApp-Gruppe „Wolf-Monitor Hessen“, der den Fall öffentlich gemacht und anhand erster Spuren die Frage nach einem Wolf aufgeworfen hatte, in den Raum: „Es ist aufgrund fehlender ermittlungstechnischer Schritte völlig unklar, ob es hier einen Angriff eines großen Beutegreifers gab oder ob sich ein Mensch einen Scherz erlaubt hat. Wenn es ein Mensch gewesen sein sollte, sind Straftaten begangen worden. Da muss man weiter ermitteln.“ Das Blut solle von einem „anerkannten und zertifizierten“ Kriminallabor untersucht werden.

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