Landrat Dr. Koch spricht von „Luftnummer“

Bürgerliste schlägt HKZ in Rotenburg als erstes Corona-Nachsorge-Zentrum vor

Hans-Jürgen Schülbe (von links), Tim Schneider und Werner Kubetzko haben schon einmal symbolisch ein Hinweisschild für ein Corona-Nachsorge-Zentrum angefertigt und präsentieren es am Abzweig zum HKZ-Standort an der Kasseler Straße in Rotenburg.
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So könnte es einmal aussehen: Hans-Jürgen Schülbe (von links), Tim Schneider und Werner Kubetzko haben schon einmal symbolisch ein Hinweisschild für ein Corona-Nachsorge-Zentrum angefertigt.

Das Bündnis Unabhängige Bürgerliste(UBL)/Bürger-Herz schlägt vor, im Rotenburger Herz-Kreislauf-Zentrum das „erste Corona-Nachsorge-Zentrum Deutschlands“ aufzubauen.

Rotenburg – So ein Zentrum biete die Chance, „einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Hessen und die gesamte Bundesrepublik Deutschland zu leisten“, schreiben die Sprecher der Bürgerliste, Tim Schneider und Hans-Jürgen Schülbe, in einem Brief an Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne), der unserer Redaktion vorliegt.

Zugleich könnte ein Corona-Nachsorge-Zentrum im HKZ das gesamte Klinikum Hersfeld-Rotenburg wirtschaftlich stabilieren, begründet die Liste UBL/Bürger-Herz ihren Vorstoß. Für das HKZ als Standort würde die zentrale Lage in Deutschland, inmitten des Luftkurortes Rotenburg, sprechen. Zudem biete es als Herz- und Lungenzentrum mit der bereits existierenden kardiologischen und neurologischen Reha „eine ausgezeichnete Ausgangssituation“.

„Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern auch Vorschläge machen“, sagte Schülbe im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Liste UBL/Bürger-Herz hatte sich im November aus den Unabhängigen Bürgern Bad Hersfeld (UBH) und Rotenburg (UBR) sowie der Initiative Bürger-Herz gegründet und will bei der Kommunalwahl in den Kreistag einziehen. Bei der Gründungspressekonferenz hatten die Sprecher Kritik an der Führung des kommunalen Klinikkonzerns geübt.

Das Ziel ist ein landesweiter Versorgungsauftrag

In dem Brief, den das Bündnis auch ans Klinikum, an den Landrat, die heimischen Landtagsabgeordneten sowie die Kreistagsfraktionen geschickt hat, heißt es weiter: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass ein derartiger Vorschlag nur dann zu einem erfolgreichen Vorhaben werden kann, wenn er die Unterstützung durch das Land Hessen findet.“

Wunsch des Bündnisses ist es, dass Gesundheitsminister Klose die Idee aufgreift und die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen prüfen lässt. Ziel müsse es sein, so hoffen Schneider und Schülbe, dass dem Zentrum ein landesweiter Versorgungsauftrag erteilt wird.

Das sagt der Aufsichtsrat des Klinikums

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums, Landrat Dr. Michael Koch (CDU), kritisiert den Vorstoß: „Ich begrüße es grundsätzlich, wenn sich Gedanken über eine bessere Auslastung des Standorts HKZ gemacht werden. Für ernst gemeinte Vorschläge sind wir dankbar. Ernstgemeinte Vorschläge verkündet man aber nicht über Pressemitteilungen, ohne mit den zuständigen Entscheidungsträgern darüber gesprochen zu haben.“ Er selbst habe der Landesregierung bereits vor fast einem Jahr den HKZ-Standort als Spezialklinik zur Pandemiebekämpfung angeboten. „Insofern ist die Äußerung der Bürgerliste als Luftnummer im Wahlkampf zu bewerten.“

Auf die Frage, wer den Aufbau so eines Zentrums bezahlen soll, sagte Schneider: „Wenn der Versorgungsauftrag erteilt wird, ergeben sich Möglichkeiten, Fördermittel zu bekommen“. Ein konkretes Konzept könne ohnehin erst erarbeitet werden, wenn das Land Interesse zeige.

Schülbe argumentierte, dass notwendige Sanierungsarbeiten am Rotenburger HKZ-Standort finanziell günstiger seien als der geplante Neubau in Bad Hersfeld. „Den könnte man sich ja sparen.“ Im September hatte die Gesellschafterversammlung des Klinikums beschlossen, die akutmedizinischen Abteilungen nach Bad Hersfeld zu verlagern. Vom HKZ soll in Rotenburg lediglich die Reha verbleiben. (Sebastian Schaffner)

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