Grunwald sieht Versorgung im Landkreis in Gefahr

Bürgermeister unterstützt Pläne für neues Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg

Das ehemalige Kreisaltenzentrum in Rotenburg steht seit 2007 leer. Es verfällt. Die Fenster und Türen sind beschädigt, die Wände mit Graffiti beschmiert. Das Gras steht hoch und die Bäume wachsen immer näher an die Gebäude heran.
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Seit Jahren ein Schandfleck: Die Geschäftsführung des Kreiskrankenhauses hat vorgeschlagen, auf dem Gelände des ehemaligen Kreisaltenzentrums in Rotenburg (Foto) ein neues HKZ zu bauen. Das seit 2007 ungenutzte Gelände dort gehört dem Landkreis, der für das 16 000 Quadratmeter große Areal einen Käufer sucht. Die Bedingung aus dem Landratsamt: Wer kauft, muss auch abreißen.

In der Debatte um die Zukunft des Herz-Kreislauf-Zentrums unterstützt Rotenburgs Bürgermeister den Vorschlag aus der Geschäftsführung des Kreiskrankenhauses: ein HKZ-Neubau.

Rotenburg – Bürgermeister Christian Grunwald fordert die Verantwortlichen des Klinikums Hersfeld-Rotenburg auf, sich mit dem Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf, dem Träger des Rotenburger Kreiskrankenhauses (KKH), an einen Tisch zu setzen, um über die Zukunft des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg (HKZ) zu sprechen.

„Ich erwarte, dass man jetzt auch im Aufsichtsrat die Initiative ergreift, mit einem langjährigen Kooperationspartner wie dem KKH alle denkbaren Konzepte auf Augenhöhe zu diskutieren“, sagt Grunwald, der selbst Mitglied in dem Kontrollgremium des kreiseigenen Klinikverbundes ist, wenn auch ohne Stimmrecht. „Es geht um nichts weniger als die Sicherung der medizinischen Versorgung im gesamten Landkreis, auch wenn das offenbar längst noch nicht alle begriffen haben“, sagt Grunwald. Notfalls sollten diese Gespräche durch einen Dritten moderiert werden.

Grunwald: Es gibt eine Alternative, über die gesprochen werden muss

Dr. Martin Oechsner, medizinischer Geschäftsführer des KKH, hatte Mitte der Woche vorgeschlagen, das HKZ nicht, wie von Klinikum-Chef Rolf Weigel geplant, ins Bad Hersfelder Klinikum zu verlagern, sondern ein neues HKZ direkt neben dem Kreiskrankenhaus zu bauen – auf dem Gelände des ehemaligen Kreisaltenzentrums. Andernfalls überlege das KKH, den Mitarbeitern auf dem gegenüberliegenden Berg Angebote zu unterbreiten, um selbst eine Kardiologie aufzubauen.

Grunwald unterstützt Oechsners Idee, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. „Es gibt nicht nur den einen Plan, das HKZ im Hersfelder Klinikum zu integrieren. Es gibt eine Alternative. Und darüber muss gesprochen werden.“ Freilich, so der Bürgermeister, seien die Mitglieder des Aufsichtsrats in erster Linie dem Klinikkonzern verpflichtet. „Sie sind aber auch Entsandte des Kreistags und damit dem gesamten Wohl des Landkreises verpflichtet.“

Oechsner: Patienten aus dem Gudegrund kommen nicht nach Bad Hersfeld

Die KKH-Geschäftsführung hat derweil ihre Gesprächsbereitschaft an die Verantwortlichen des Klinikums erneuert. „Ich appelliere an die Vernunft“, sagt Oechsner. „Man kann doch nicht sein Einzugsgebiet leichtfertig zulasten des Nordkreises reduzieren.“ Sollte das HKZ in die Kreisstadt verlegt werden, so prophezeit er, „kommen keine Patienten aus dem Gudegrund, Morschen oder Spangenberg nach Bad Hersfeld. Die gehen woanders hin.“ Oechsner: „Früher war das HKZ ein überregionaler Leuchtturm. Jetzt leuchtet er noch regional. So soll es bleiben.“

Mitte der Woche hatte Oechsner klargestellt, dass es für ihn eine untergeordnete Rolle spiele, wer die Trägerschaft für einen möglichen HKZ-Neubau neben dem Kreiskrankenhaus übernehme. Oechsner: „Das darf auch gerne der Landkreis sein, wir sind in alle Richtungen gesprächsbereit“. Auch eine gemeinsame Verantwortung sei denkbar.

Andreas Maus, kaufmännischer Geschäftsführer des KKH, führt bauliche Argumente ins Feld, die für einen Verbleib der Herzklinik in Rotenburg sprächen: „Unser Haus ist in weiten Teilen saniert, die Medizingerätetechnik topmodern. Es ergibt mehr Sinn, dort einen Neubau anzudocken als am Klinikum, das augenscheinlich teilweise unter einem Sanierungsstau leidet.“ Maus betont, dass das KKH seit Jahren „eine schwarze Null“ erwirtschafte – ohne millionenschwere Finanzspritzen. Er macht sich zudem Sorgen, dass aufgrund des weiteren Weges in die Kreisstadt kardiologischen Notfällen in den nördlichen Gemeinden künftig nicht mehr rechtzeitig geholfen werden könnte. „Auch deshalb brauchen wir in Rotenburg eine Kardiologie.“ (Von Sebastian Schaffner)

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