Es gibt noch eine letzte Chance

Chöre in Lispenhausen vor dem Aus: Corona und Überalterung führten zum Niedergang

Die Notenmappen müssen zugeklappt werden: Das befürchten die Vorsitzende der Chorvereinigung, Anita Keim, und der Vorsitzende des Eisenbahnerchors in Lispenhausen, Hans Wagner. Für die bisherige Chorgemeinschaft fehlen Sänger.
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Die Notenmappen müssen zugeklappt werden: Das befürchten die Vorsitzende der Chorvereinigung, Anita Keim, und der Vorsitzende des Eisenbahnerchors in Lispenhausen, Hans Wagner. Für die bisherige Chorgemeinschaft fehlen Sänger.

Die im Jahre 2010 aus den Chören des Eisenbahnerchores 1891 und der Chorvereinigung 1946 gegründete Chorgemeinschaft 1891/1946 Lispenhausen ist am Ende.

Lispenhausen – Das teilten die Vorsitzenden der beiden Teilvereine, Anita Keim und Hans Wagner, jetzt mit. Ein letzter Rettungsversuch ist für Dienstag, 12. Oktober, angesetzt.

Im Zeitpunkt des Zusammenschlusses der beiden Chöre bestand die Gemeinschaft aus über 40 Sängerinnen und Sänger. „Da waren wir stolz“, erinnert sich Wagner. Aber schon wenige Jahre später zeichnete sich eine kontinuierliche Abnahme der aktiven Mitglieder ab. Sängerinnen und Sänger meldeten sich aus Alters- oder Gesundheitsgründen als Aktive ab oder waren sogar verstorben.

Erschwerend hinzugekommen sei die Corona-Pandemie. Seit März 2020 fanden keine Chorproben mehr statt. Nachwuchs konnte nicht gefunden werden. Ein Problem, das auch viele andere Chöre haben. Vor ein paar Jahren wurden an alle Haushalte Flyer verteilt. Auch diese Aktion blieb leider ohne Erfolg. Ein Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit in der Chorgemeinschaft kann nur dann verhindert werden, wenn sich neue Mitglieder dem Chor anschließen und auch die passiven Mitglieder beider Vereine aktiv werden, sind Wagner und Keim sicher.

Deshalb unternehmen die Verantwortlichen beider Vereine einen letzten Versuch, die Chorgemeinschaft am Leben zu erhalten und bitten alle am Chorgesang Interessierten aus Lispenhausen und auch den Nachbarorten um Unterstützung und Eintritt in die Chorgemeinschaft.

Eisenbahnerchor besteht seit 130 Jahren, Chorvereinigung seit 75 Jahren

„Es wäre schade, wenn ein wichtiger Kulturträger plötzlich nicht mehr vorhanden wäre. Auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wäre dies ein Verlust“, sagt Wagner. Der Eisenbahnerchor besteht seit 130 Jahren und die Chorvereinigung seit 75 Jahren. Diese Jubiläen konnten aufgrund der Pandemie nicht gefeiert werden. Beide Vereine gehören zum Erscheinungsbild von Lispenhausen. Deshalb müsse alles versucht werden, beide Vereine am Leben zu erhalten, um auch langfristig, gerade im ländlichen Bereich, ein kulturelles und gesellschaftliches Angebot auch für die nachfolgenden Generationen sicher zu stellen.

Auch für die zum Eisenbahnerchor gehörenden „Mixed Melodies“ gibt es aktuell noch keine Perspektive, weil der bisherige Leiter Patrick Busch sein Amt abgegeben hat und nun ein neuer Chorleiter gefunden werden muss. Die Mixed Melodies mit ihren zeitweise mehr als 60 Sängerinnen und Sängern hatten mit ihren Auftritten und einem modernen Liedgut enorm zum Rennomée des Vereins beigetragen.

Nun laden der Eisenbahnerchor und die Chorvereinigung alle Mitglieder und am Chorgesang Interessierten zu einem Informationsabend für Dienstag, 12. Oktober, um 19 Uhr in das Vereinsheim „Sängers Einkehr“, Schulstraße 12, ein. Die aktuellen Coronavorschriften müssen eingehalten werden. Die Zukunft des Sängerheims wäre bei der Auflösung der beiden Chöre ebenfalls ungewiss. Man müsse über einen Verkauf nachdenken, erklärte Hans Wagner.

Die wöchentlichen Chorproben finden jeweils montags unter der Chorleitung von Wolfgang Clarenbach im Vereinsheim „Sängers Einkehr 1891“, Schulstraße 12, Lispenhausen statt.

(Silke Schäfer-Marg)

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