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Christian Grunwald über berufliche Zukunft, Familie und Wahlkampf

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Von: Christopher Ziermann

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Bürgermeister Christian Grunwald auf dem Rotenburger Markt.
Habt ihr schon was gehört? Gefragt nach seinem Lieblingsort in Rotenburg nennt Christian Grunwald das heimische Sofa. Das ist in den Ferien von jungen Leuten belegt. Am Fontänenfeld vor dem Rathaus sprudelt beim Zeitungstermin wegen „Rotenburg Rocks“ gerade kein Wasser. Also werden die Marktweiber zum © Christopher Ziermann

Aktuell ist auch in der Kommunalpolitik Sommerpause. Bevor alles wieder hochfährt, haben wir die Bürgermeister ausgefragt. Los geht es mit Christian Grunwald.

Rotenburg – Im Sommer wird in der Kommunalpolitik durchgeschnauft: Mit Sitzungen und wichtigen Entscheidungen geht es erst im September weiter. Wir nutzen die Zeit, um bei den sieben Bürgermeistern des Kreisteils Rotenburg-Bebra nachzufragen, was sie und ihre Kommunen derzeit bewegt. Den Anfang macht Christian Grunwald (Rotenburg). Wir haben mit ihm unter anderem über seine berufliche Zukunft, Familie und den anstehenden Wahlkampf gesprochen.

Herr Grunwald, hinter Ihnen liegt der zehnte Sommerurlaub als Bürgermeister – und der zehnte mit drei Kindern. Wie reagiert die Ehefrau, wenn da der Blick aufs Handy geht?

Situationsabhängig weitgehend verständnisvoll. Sie weiß aber auch, dass ich mich mittlerweile aus dem Urlaub nur noch einschalte, wenn es wirklich wichtig ist. Und ich kann mich auch auf eine sehr gut und selbstständig arbeitende Verwaltung in allen Bereichen verlassen, auch am Bauhof und bei den Stadtwerken. Aber das Prinzip bleibt: Bürgermeister von Rotenburg bin ich rund um die Uhr. Daher habe ich die Verbindung immer, ob ich auf einem Berg stehe oder am Strand liege.

Und das ist mit Ablauf der zweiten Amtszeit in anderthalb Jahren wirklich vorbei? Sie treten nicht noch mal an?

Nein. Definitiv. Das habe ich schon vor Längerem kommuniziert, und das war keine unüberlegte Entscheidung. Dabei geht es nicht um meine berufliche Lebensplanung, sondern um Rotenburg. Ich bin nicht amtsmüde, aber nach zwölf Jahren, in denen ja auch einiges geschafft wurde, braucht eine Stadt neue Einflüsse, neue Ideen. Niemand ist größer als die Stadt.

Was machen Sie im Frühjahr 2024? Sie verlieren ja nicht plötzlich Ihre persönlichen Ambitionen ...

Beruflich? Das weiß ich noch nicht. Aber auf eines freue ich mich besonders: Dass für meine Familie wieder ein bisschen mehr Normalität einkehrt. Meine Frau, meine Kinder und ich können unser Leben dann wieder etwas unbeschwerter führen. Und ich muss mich auf dem Fußballplatz nicht mehr so bremsen.

Sie haben wirklich noch keine Idee, wie es weitergeht? Landessportbund, Berlin, Wiesbaden – es wird viel spekuliert.

Ich schließe auf jeden Fall aus, dass ich mich um ein Mandat im Bundestag oder im Landtag bewerbe. Da hat meine Partei auch fähige Leute. Ich liebe Rotenburg – das bleibt mein Lebensmittelpunkt. Und der Landessportbund hat einen ehrenamtlichen Vorstand und einen guten Geschäftsführer. Ich bin offen für Vieles. Natürlich habe ich als Bürgermeister in dieser bewegten Zeit viel Erfahrung gewonnen und ein Netzwerk aufgebaut. Damit engagiere ich mich gerne weiter für die Region. Politisch werde ich weiterhin im Kreistag sein. Und ich bin im März 2024 auch erst 46 Jahre alt und bekomme noch keine Pension. Nein: Ich weiß wirklich noch nicht, was ich zukünftig beruflich mache.

Was liegt Ihnen für die kommenden anderthalb Jahre noch besonders am Herzen?

Das Premium-Projekt ist für mich die Neugestaltung des Fulda-Ufers. Die wird bei meinem Amtsabtritt wahrscheinlich noch nicht fertig sein, aber sie wird im Bau sein. Das ist das Herz unserer Stadt am namensgebenden Fluss – die Aufenthaltsqualität und die Möglichkeiten zum Beispiel für Veranstaltungen werden enorm zunehmen. Die Braacher Kita wird nächstes Jahr fertig – das freut mich natürlich sehr, Kinderbetreuung ist ein enorm wichtiges Thema. Außerdem soll der Startschuss dafür gegeben werden, Rotenburg für die Zukunft aufzustellen, was Erzeugung und Verbrauch von erneuerbaren Energien angeht.

Was darf man da erwarten?

Strom und Wärme sind derzeit ein kleiner Betriebszweig der Stadtwerke. Das wird sich ändern. Davon sollten wir so viel wie möglich selbst erzeugen und verbrauchen. Dazu wird es demnächst Neuigkeiten geben.

Apropos Kinder, Energie und Sommer: War es richtig, die Schwimmbad-Preise anzuheben?

Das war eine Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag der Verwaltung. Ich halte die Preise aber gerade im Kontext der steigenden Energiepreise für gerechtfertigt.

Anders gefragt: Hat sich das auf den Besucherzuspruch ausgewirkt?

Nein, gar nicht. Der bleibt immer in erster Linie wetterabhängig. Die Bäder kosten die Kommunen massiv viel Geld. Das leisten wir uns gerne, aber Angebot und Kosten müssen auch angemessen gestaltet werden. Das verstehen die Gäste auch. Am meisten Kritik gab es daran, dass es die Saisonkarten nicht mehr gibt. Aus Sicht des Kunden: Der verliert Flexibilität. Die Sicht des Anbieters ist: Wir wollen die Attraktivität der Ganzjahreskarte steigern und die Leute dazu motivieren, beide Bäder zu besuchen. Man wird aber auch schauen, ob sich das System bewährt hat. Anpassungen sind immer möglich.

Aber im Biberbad ist ja mehr los, sagt so mancher Bornschisser jetzt.

Dieses Konkurrenzdenken ist Schwachsinn. Warum sollte jemand nachzählen, ob jetzt am Samstagnachmittag in Bebra oder in Rotenburg mehr Leute auf der Wiese liegen? Entscheidend ist, dass wir auf fünf Kilometer Luftlinie zwei so tolle Angebote haben. Bebra hat sich toll entwickelt – aber auch die meisten Rotenburger sehen mittlerweile die Entwicklung ihrer Stadt. Im Vergleich zum Beginn meiner Bürgermeister-Zeit haben wir das Jammertal mittlerweile wirklich verlassen.

Wie wird das für Sie, wenn nun andere darum konkurrieren, wie man Ihren Job besser machen kann?

(überlegt lange) Sehr spannende Frage. Es gibt Dinge, die sind aus meiner Sicht essenziell für unsere Stadt. Wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat die Axt anlegen wollte an die bauliche Stadtentwicklung und die Arbeit der MER, da würde ich etwas sagen. Auch sonst habe ich meine Meinung, aber nach außen gehört es sich für mich dann, mich nicht in den Wahlkampf einzumischen.

Wie geht es Herrn Grunwald, wenn jemand bessere Ideen hat als er selbst?

Da bin ich total entspannt. Feuer frei! Ich bin der Erste, der Applaus klatscht. Vor allem finde ich es im Sinne der Stadt wichtig, dass es zu einem echten Wettstreit der Ideen kommt – eine Wahl mit mehreren Kandidaten.

Haben Sie einen Favoriten?

Ja, aber ich sage nicht, wer.

Und wer tritt an?

Bei mir hat sich noch niemand gemeldet.

Was würden Sie den Interessenten denn raten?

Ich habe sehr frühzeitig meine Kandidatur bekannt gegeben – das war damals im September 2010, ein Jahr vor der Wahl. Also der Zeitraum, der nun mit Blick auf die Wahl im Herbst 2023 auch ansteht. Das war rückblickend eine sehr gute Entscheidung. Man kann sich überall bekanntmachen, aber es steht noch nicht alles unter der großen Überschrift Wahlkampf.

Was ist besonders wichtig, wenn man ein Rathaus führen will?

Man muss das unbedingt wollen. Bürgermeister zu sein ist kein Beruf, den man wegen des Geldes macht. Dafür ist das Pensum zu groß. Und das ist auch die Antwort auf die Frage: Es kommt zu großen Veränderungen im Privatleben und im familiären Bereich. 100 Prozent Bürgermeister kann man nur sein, wenn die Familie zu 100 Prozent hinter einem steht und 100 Prozent Verständnis hat. Kein einziges Prozent ist da zu knapp bemessen. Sonst leidet entweder das Familienleben oder das Amt.

Mischen Sie sich bei der Kandidatensuche Ihrer eigenen Partei ein?

Ich habe mich jetzt mehr als zehn Jahre lang nicht in die parlamentarische Arbeit der CDU-Fraktion eingemischt, das halte ich auch hier so. Der Verband ist gut aufgestellt und wird sicher einen guten Kandidaten präsentieren.

(Christopher Ziermann)

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