Rotenburgs Bürgermeister im Gespräch

Rotenburgs Bürgermeister Grunwald: „Geduld erntet selten Applaus“

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An seinem Lieblingsturngerät auf dem Rotenburger Mehrgenerationenspielplatz: Christian Grunwald tritt ohne Gegenkandidat im September zur Wiederwahl an.  

Rotenburg. Die Sommerferien gehen zu Ende. Das zweite Halbjahr beginnt, und die Bundestagswahl steht vor der Tür. Was machen eigentlich unsere heimischen Politiker in diesem Sommer? Wir haben nachgefragt, heute bei Christian Grunwald (CDU), Bürgermeister von Rotenburg.

Herr Grunwald, was macht mehr Spaß? Wahlkampf mit Konkurrenz oder ohne?

Christian Grunwald: Auf jeden Fall mit. Da kann man sich miteinander messen. So sagen die Leute: ‘Du wirst ja sowieso gewählt’. Das ist aber nicht mein Anspruch.

Aber mal ehrlich, werden Sie nicht sowieso gewählt?

Grunwald: Nein. Was viele nicht wissen ist, dass es einen Wahlzettel gibt, auf dem Ja und Nein steht. Und wenn nicht mindestens 50 Prozent plus ein Mensch ja sagen, bin ich nicht gewählt. Aber ich hätte mich schon gern mit jemandem im Ideenwettbewerb gemessen.

Fühlen Sie sich denn im Wahlkampf?

Grunwald: Ja, aber anders als noch 2011. Wir stehen an einer Schwelle, wo erste Projekte fast realisiert sind, wo man gucken kann, was die nächsten Schritte sind. Das motiviert mich für eine zweite Amtszeit.

Auf welches Projekt Ihrer ersten Amtszeit sind Sie denn besonders stolz?

Grunwald: Stolz ist nicht mein Beweggrund. Entscheidend ist, dass wir es hier in Rotenburg alle gemeinsam geschafft haben, die finanzielle Situation wieder geradezurücken. Und dass die Rotenburger Verständnis für das hatten, was wir ihnen aufgelastet haben. Was mich ungeduldig macht, ist, dass viele Schritte der Stadtentwicklung noch nicht so sichtbar sind. Die muss man immer sehr langfristig anlegen. Mit dem Ruf nach Geduld erntet man aber leider nur selten Applaus.

Wie schwer war unter dem Schutzschirm aus Ihrer Sicht die Belastung der Bürger?

Grunwald: Es gab zweimal sogar öffentlich Zuspruch. als die Grundsteuersenkung zweimal zur Abstimmung stand und beide Male abgelehnt wurde – sowohl im Parlament als auch in Gesprächen mit den Rotenburger Bürgern. Die Rückmeldung mir gegenüber war oft: „Nehmt das Geld und steckt es in die Stadt- und Dorfentwicklung“.

Mit dieser Entwicklung muss sich die Stadt auch präsentieren. Seit einiger Zeit gibt es ein neues Stadtmarketing. Was wollen Sie damit langfristig erreichen?

Grunwald: Das Stadtmarketing ist mit verschiedenen Veranstaltungen schon richtig aktiv. Wir sind auch schon mit dem MER-Geschäftsführer Torben Schäfer in jedes Dorf gefahren, weil wir die Stadt ganzheitlich vermarkten wollen. In der Kernstadt wollen wir als Stadt und MER Geld in die Hand nehmen und baulich etwas machen. Das soll auch privaten Investoren Mut machen, wieder in die Stadt zu investieren.

Besteht die Gefahr, dass die Ortsteile dabei zugunsten der Kernstadt hintenanstehen müssen?

Grunwald: Im Gegenteil. Das haben wir gerade durch die Fahrten in Ortsteile auch gezeigt. Torben Schäfer hat den klaren Auftrag, den Fokus auf jeden einzelnen Stadtteil mit seinen Stärken zu legen. Und jeder der acht Stadtteile hat andere Strukturen, Menschen und Liebenswürdigkeiten. Die muss man verstehen und individuell vermarkten. Mal ist das Problem der Leerstand, woanders aber eher ein fehlender Spielplatz.

Jetzt machen Sie mal Wahlkampf: Was können die Rotenburger in den nächsten sechs Jahren von Ihnen erwarten?

Grunwald: Das Gesicht der Stadt wird sich verändern, ohne den Charakter zu verlieren. Insbesondere im Bereich des Steinwegs, wo der Leerstand verschwinden wird. Der Plan ist, einzelne Flächen in Wohnraum umzuwandeln, andere in kleinteiligen zentrumsnahen Einzelhandel. Ein anderes wichtiges Thema ist studentisches Wohnen. Dafür haben wir sehr konkret bereits Flächen unterhalb des ehemaligen Kreisaltenzentrums ausgesucht.

Jetzt sind die Sommerferien bald um. Waren Sie unterwegs?

Grunwald: Nur auf Terassien und Balkonien. Wir haben zuhause den Freisitz gepflastert. Da bin ich dann übrigens wirklich stolz, wenn man sieht, was man selbst geschafft hat und sich in den Liegestuhl legen kann.

Erholen Sie da?

Grunwald: Ich bin generell jemand, der nicht abschalten kann. Der Kollege Markus Becker (Bürgermeister von Ronshausen) hat neulich zu mir gesagt, dass man das Handy auch mal weglegen müsse. Die hohe Erwartung der Rotenburger an mich kann ich nicht einfach ausblenden. Das kriegt meine Familie natürlich mit, aber meine Frau ist so großartig, die trägt das mit. Das gehört aber auch zu meinem Job dazu. Ich will immer Vollgas geben. 

Zur Person

Christian Grunwald (40) ist seit 2012 Bürgermeister von Rotenburg, wo er auch aufgewachsen ist. Grunwald ist gelernter Verwaltungswirt. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern (5,12 und 14 Jahre alt) lebt er in Lispenhausen.


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