Johnson-Impfstoff lässt auf sich warten

Corona: 1000 Freiwillige für Astrazeneca im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Kein Gedränge herrscht im Rotenburger Impfzentrum.
+
Plant in der kommenden Woche 3000 Termine: Die Öffnungszeiten des Rotenburger Impfzentrums werden mangels Impfstoff vorerst nicht ausgeweitet.

Jeden Tag kommen neue Nachrichten zum Coronavirus. Um den Überblick zu behalten, haben wir Fragen und Antworten zur Lage im Kreis Hersfeld-Rotenburg zusammengestellt.

Hersfeld-Rotenburg – Seitdem die Bundesregierung beschlossen hat, dass der Impfstoff von Astrazeneca nur noch an Menschen über 60 Jahre verimpft werden soll, sind zahlreiche Impfdosen frei geworden. Das Impfzentrum in Rotenburg suchte daraufhin Impfwillige, die sich im Falle von Restmengen kurzfristig mit dem britisch-schwedischen Vakzin impfen lassen wollen. Wie viele haben sich auf den Aufruf gemeldet?

Dem Aufruf sind nach Angaben von Martin Ködding, Leiter des Impfzentrums, mehr als 1000 Menschen gefolgt. „Es ist wichtig, an dieser Stelle noch einmal zu betonen, dass wir von diesen Personen täglich immer nur einige anrufen können, und zwar in dem Maße, wie im Terminsystem geplante Astrazeneca-Termine nicht wahrgenommen werden“, sagt Ködding. Anrufe erfolgten deshalb immer kurzfristig. „Es kann also durchaus noch einige Zeit dauern, bis wir uns bei den Impfinteressenten melden.“ Von spontanen Besuchen abends am Impfzentrum rät das Impfzentrum indes ab, das vakante Impfstoffe ausschließlich an zuvor telefonisch informierte Interessenten vergeben würden.

Seit dieser Woche wird ja auch in den Arztpraxen geimpft – geht’s nun endlich voran mit der größten Impfkampagne der deutschen Geschichte?

Vorerst nicht, sagt Martin Ködding. „Wir begrüßen es sehr, dass die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen in die Impfstrategie mit einbezogen werden.“ Vor allem Impfungen im häuslichen Umfeld oder auch in Senioreneinrichtungen sowie die wohnortnahen Impfungen in den Praxen böten gerade Menschen, die nicht mehr mobil sind, große Vorteile. „Allerdings ist es derzeit nicht zutreffend, dass mit der Einbeziehung der Hausärzte eine Beschleunigung der Impfungen entstehen würde, denn die den Hausärzten zur Verfügung gestellten Impfstoffmengen fehlen natürlich in den Impfzentren“, stellt Ködding klar. Deshalb werde die Auslastung aufgrund der immer noch geringen Liefermengen „weiterhin deutlich unter den Möglichkeiten bleiben“, sagt der Leiter des Rotenburger Impfzentrums.

Ende März verkündete die Bundesregierung, dass ab Mitte April auch der Impfstoff von Johnson & Johnson verimpft werden soll. Steht schon fest, wann der Vektorimpfstoff im Landkreis eingesetzt wird?

Nein. „Dazu gibt es derzeit noch keine Informationen“, sagt Martin Ködding. Das große Plus des Vektorimpfstoffs des US-Konzerns Johnson & Johnson: Er muss nur einmal verabreicht werden. Alle anderen drei bisher in der EU zugelassenen Wirkstoffe – Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca – müssen zweimal gespritzt werden, damit sich die volle Schutzwirkung entfaltet.

Das Impfzentrum in Rotenburg hat derzeit täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Bleibt das auch in der kommenden Woche so? Oder kommt jetzt mehr Impfstoff, sodass die Öffnungszeiten ausgeweitet werden können?

Die Antwort aus dem Impfzentrum liest sich ernüchternd: „Die Öffnungszeiten werden weiterhin so bleiben, allerdings könnten wir sie bei den aktuellen Liefermengen eher einschränken als erweitern“, sagt Martin Ködding. Er kritisiert, dass sich die „ständig ändernden Rahmenbedingungen und Anforderungen für den Einsatz der Impfstoffe, die hohe Nachfrage bei geringen Liefermengen und die unzulängliche Planbarkeit der weiteren Impfstrategie“ sein Team immer wieder vor große Herausforderungen stellen. Umso dankbarer sei er, dass die Mitarbeiter trotz aller Widrigkeiten hoch motiviert seien.

Eine Mitarbeiterin der Apotheke des Klinikums Hersfeld-Rotenburg bereitet unter Reinraumbedingungen einen Biontech/Pfizer-Impfstoff mit einer Kochsalzlösung für die Corona-Schutzimpfung vor.

Wie viele Menschen haben denn in der kommenden Woche einen Termin in der Göbel Hotels Arena?

Für die nächste Woche sind rund 3000 Impfungen geplant.

Trotz Impfungen soll es in mehreren Alten- und Pflegeheimen im Kreis Corona-Ausbrüche geben?

„Aufgrund vereinzelter Corona-Fälle steht im Ostkreis eine Alten- und Pflegeeinrichtung sowie ein Teilbereich einer weiteren Einrichtung in der Kreisstadt Bad Hersfeld unter Quarantäne“, teilt Landkreis-Sprecherin Jasmin Krenz dazu auf Anfrage mit. Für ein weiteres Heim im Ostkreis sei die Quarantäne inzwischen aufgehoben worden. Bei den betroffenen Heimen handelt es sich um das Haus Kreuzuberg in Philippsthal, die K&S-Seniorenresidenz in Bad Hersfeld sowie das Awo-Seniorenzentrum in Heringen, wie alle drei Einrichtungen im Internet bekannt geben. Das Robert Koch-Institut erklärte bei einem ähnlichen Fall gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, die Covid-Impfung weise zwar eine hohe Schutzwirkung auf – aber keine absolute. Zudem haben sich offenbar nicht alle Bewohner impfen lassen oder es wurden nach dem Impftermin möglicherweise neue Bewohner aufgenommen.(Sebastian Schaffner Und Jan-Christoph Eisenberg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.