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Rotenburger Neujahresempfang 2023: Corona, Flutkatastrophe und ein Märchen

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Von: Christopher Ziermann

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Die Volleyballerinnen der TG Rotenburg schreiben derzeit eine sportliche Erfolgsgeschichte, an der beim Neujahrsempfang ein großes Publikum Anteil nahm.
Die Volleyballerinnen der TG Rotenburg schreiben derzeit eine sportliche Erfolgsgeschichte, an der beim Neujahrsempfang ein großes Publikum Anteil nahm. © Ziermann, Christopher

Noch immer finden regelmäßig Veranstaltungen „erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie“ wieder statt. Dazu gehörte auch der Rotenburger Neujahrsempfang am Mittwoch.

Angesichts einer entbehrungsreichen Zeit war es wohl folgerichtig, dass das Event diesmal zwar auch mit fröhlicher Unterhaltung, aber vor allem mit nachdenklichen Tönen gefeiert wurde.

THW im Ahrtal

Das wohl eindrücklichste Erlebnis für viele der über 300 Gäste: Bürgermeister Christian Grunwald, der moderierte, bat die THW-Ortsgruppe Rotenburg auf die Bühne. Die Ehrenamtlichen berichteten von ihrem Einsatz im Ahrtal nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021. 56 Tage waren die THW-Einsatzkräfte vor Ort, als eine von nur zwölf Ortsgruppen deutschlandweit, die auf Trinkwasseraufbereitung spezialisiert sind. Das Grauen der Flutfolgen wurde durch ihre Erzählungen greifbarer. „Jeder hat die Bilder gesehen, und die waren schon eindrücklich. Aber man kann die Situation im Ahrtal nicht mit Bildern und Worten beschreiben. Es war so schlimm wie die Bilder hoch 10“, sagte Ortsbeauftragter Marcus Weber. Die Helfer berichteten auch freimütig, dass sie die Erlebnisse psychisch erst einmal verarbeiten mussten.

Corona-Helferin

Mit Nani Kehm als Gast blickte Grunwald auf den Beginn der Corona-Pandemie zurück. Sie war eine der ersten, die sich als Helferin beim städtischen Corona-Hilfetelefon meldete. Nani Kehm nähte über 2000 Alltagsmasken, brachte Menschen Einkäufe nach Hause – und hat das bis heute aufrecht erhalten. Der Bürgermeister lobte sie als „Gesicht des gesellschaftlichen Zusammenhalts“.

Stadtwald-Förster

Auch bei Stadtwald-Förster Andreas Siegel war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Er berichtete von den großen Schäden im mit 1300 Hektar größten Kommunalwald des Landkreises durch Stürme und Borkenkäfer – dann aber natürlich auch davon, wie nun die Wiederaufforstung läuft und dass mit dem Wechsel von Fichte auf Douglasie die Wälder in Zukunft widerstandsfähiger sein sollen.

Andächtige Musik

Eher ruhig und teils andächtig war die Musik. Das Vater-Sohn-Duo Benji und Noah Schaub lies ausschließlich seine Gitarren sprechen. Außerdem traten die beiden Ukrainerinnen Maria Parkhomenko (Bandura) und Ruslana Woytkevitsch (Gesang) mit einer ukrainischen Version von „Hallelujah“ auf. Maria hatte ihre Bandura, eine ukrainische Laute mit ganzen 64 Saiten, bei der Flucht aus dem Kriegsgebiet bis nach Waldhessen mitgebracht.

Volleyball-Märchen

Für ausschließlich gute Laune sorgte am Ende dann der Auftritt der Volleyballerinnen der TG Rotenburg, deren Entwicklung der Bürgermeister als „märchenhaften Aufstieg“ anmoderierte. Nachdem das neu formierte Team wegen eines Formfehlers 2020 eigentlich aus der Bezirksliga absteigen sollte, gelang 2021 die Meisterschaft, 2022 dann auch der Titel in der Bezirksoberliga und nun zehn Siege aus zehn Spielen in der Landesliga. Das Rezept? Hat viele Zutaten. Unter anderem eine gute Mischung aus Jung und Alt, Teamgeist ohne Zickenkriege und Sondertraining während der Lockdowns: Die Wohnzimmer wurden zum Volleyballfeld, per Video-Fernschalte wurde zweimal wöchentlich trainiert.

Spielspaß

Und ganz ohne Spiel und Spaß mussten die Gäste natürlich auch nicht auskommen. Alle, die von Grunwald beim Rückblick auf die Jahre 2020 bis 2022 auf die Bühne gebeten wurden, traten am Ende zu einer Partie „Montagsmaler“ an: Sie stellten mit Zeichnungen auf einem Tablet Begriffe mit Regional-Bezug dar, die Kameraden beziehungsweise Landrat Torsten Warnecke und Bebras Bürgermeister Stefan Knoche mussten – mit freundlicher Unterstützung des Publikums – die Begriffe erraten. Darunter waren Wörter wie Steinweg, Campingplatz und Alheimer. Den Vogel schoss Stefan Knoche ab, der aus einem unförmigen Kreis innerhalb von zwei Sekunden auf „Baggerloch“ schloss.

Grußwörter

Stadtverordnetenvorsteher Thomas Nölke stellte den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Fokus und dankte vor allem ehrenamtlichen Rettungskräften, aber auch Akteuren wie Schulen und heimischen Unternehmen. Er hob auch den großen Einsatz der Pflegekräfte im HKZ hervor.

Landrat Torsten Warnecke hob ebenfalls den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor und rief zur Zuversicht auf. Niedrige Arbeitslosigkeit, trotz der Krisen eine stabile Wirtschaft und eine gestiegene Lebenserwartung – und auch durch die Corona-Pandemie habe es der Landkreis vergleichsweise gut geschafft, auch dank Rücksichtnahme und Disziplin der Bürger. In anderen Gegenden Deutschlands wie Sachsen seien die Regeln nicht von allen eingehalten worden, was auch mit der höchsten Quote an Corona-Toten in Deutschland einhergehe. „Wer früher sterben will, geht nach Sachsen“, sagte Warnecke sarkastisch.

Er lobte außerdem, dass in Rotenburg viel passiere und erzählte, dass „Rotenburg ja vielleicht bald Olympia-Sieger hat“. Ein Special-Olympics-Team aus Kirgisien wird sich in der Fuldastadt auf das weltweite Sportturnier für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Berlin vorbereiten. (Christopher Ziermann)

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