Corona gab den Rest

DRK erneut in schwerer Krise: Kreisverband Rotenburg droht die Insolvenz

Weniger Kurse als üblich: Durch die Pandemie konnte der DRK-Kreisverband auch weniger Umsätze generieren. Unser Archivbild zeigt Übungen zur Wiederbelebung eines Babys: Kursleiter Lasse Ellenberger mit (von links) Jana Aschenbrenner, Julia Wilhelm und Marina Silbermann.
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Weniger Kurse als üblich: Durch die Pandemie konnte der DRK-Kreisverband auch weniger Umsätze generieren. Unser Archivbild zeigt Übungen zur Wiederbelebung eines Babys: Kursleiter Lasse Ellenberger mit (von links) Jana Aschenbrenner, Julia Wilhelm und Marina Silbermann.

Der DRK-Kreisverband Rotenburg steckt erneut in einer schweren finanzielle Krise: 550 000 Euro an Schulden sind bei einem Gläubiger aufgelaufen und sofort fällig. 

Doch der Kreisverband kann nicht zahlen. Für heute, Freitag, wurde ein Termin mit dem Gläubiger vereinbart, erklärte Geschäftsführer Alexander Stephan auf Anfrage.

Sollte es keine Einigung mit dem Gläubiger geben, würde die Zahlungsunfähigkeit eintreten mit derzeit noch nicht absehbaren Folgen. Der Kreisverband garantiere jedoch, die Essensbelieferung aller Einrichtungen sowie die Notfallversorgung und den Krankentransport sicherzustellen, sagte Stephan weiter. Für die Bevölkerung gebe es keinen Grund zur Sorge. Der als Verein organisierte Kreisverband beschäftigt 161 Mitarbeiter. In einer Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche wurden Sofortmaßnahmen vereinbart. Dazu zählen Gespräche mit der Gewerkschaft über den Abschluss eines Notlagentarifvertrags und die Schließung beziehungsweise Optimierung von defizitären Geschäftsfeldern. Dazu zähle zum Beispiel der Service Essen auf Rädern.

Außerdem sollen Gespräche mit anderen Kreisverbänden über eine Kooperation geführt werden, um sich stabiler für Krisen aufzustellen, heißt es weiter. Einer Fusion mit dem Kreisverband Bad Hersfeld hatte der Rotenburger Verband bislang immer negativgegenübergestanden. Hauptgrund für die Zahlungsunfähigkeit ist nach Einschätzung der Kreisvorstands neben der Corona-Pandemie ein Erbe der Vergangenheit: 3,1 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber den Kostenträgern, also den Krankenkassen, waren im Kreisverband aufgelaufen. Sie seien in den vergangenen sechs Jahren unter einem neuen geschäftsführeden Vorstand auf 700 000 Euro abgebaut worden, erklärte der Geschäftsführer. Auf der anderen Seite seien jedoch neue Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufgebaut worden. Außerdem wurde ein Darlehn aufgenommen in Höhe von 400 000 Euro für das neue Geschäftsfeld Menüservice. Dafür wurde ein Gebäude in Weiterode umgebaut.

Gleichzeitig musste 2020 pandemiebedingt auf Umsätze von 500 000 Euro verzichtet werden.

Altlasten belasten den Verband

Vor sechs Jahren war ein neuer geschäftsführender Vorstand angetreten, um den Verband aus der Krise zu führen. Damals gab es Verbindlichkeiten gegenüber Krankenkassen von 3,1 Millionen Euro. Die Summe war aufgelaufen, weil mehr Rettungseinsätze gefahren wurden, als mit den Kassen vereinbart. Die zahlten zunächst, forderten dann aber ihr Geld zurück.

Die Corona-Pandemie habe dem DRK-Kreisverband erheblich zugesetzt und die finanzielle Krise verschärft. Ein Umsatz von 500 000 Euro fehlten im Jahr 2020, erklärte Geschäftsführer Alexander Stephan.

Das neue Geschäftsfeld der Essensauslieferung mit Sitz in Weiterode konnte weniger als zur Hälfte ausgefüllt werden, weil Schulen, Kitas und die Sozialen Förderstätten lange Zeit geschlossen oder nicht im Vollbetrieb waren. Diese Kunden hatten also entsprechend weniger oder keinen Bedarf.

Verloren ging außerdem die sanitätsdienstliche Betreuung der Flüchtlingseinrichtung in der Alheimerkaserne, die im vergangenen Jahr zur Ausbildungsstätte der Bundespolizei umfunktioniert wurde. Die Einnahmen aus diesem Sanitätsdienst waren als Teil des Sanierungskonzepts fest eingeplant. Außerdem konnten die üblichen Kurse für verschiedene Gruppen in Erster Hilfe nicht wie üblich angeboten werden und durften auch nur zu 50 Prozent ausgelastet werden. Staatliche Hilfen, wie sie für privatwirtschaftliche Unternehmen angeboten wurden, gab es für den Kreisverband nicht, bedauert Stephan.

Vom Gespräch am heutigen Freitag zwischen Gläubigerbank, einem Beratungsunternehmen für Sanierung, Vertretern des DRK-Landesverbands und dem Kreisverband selbst erhofft man sich, die Versorgung im Rettungsdienst weiterhin sicherzustellen und die Sanierung des Kreisverbandes trotzdem weiter voranzubringen. „Selbst im schlimmsten Fall würde eine Insolvenz dazu führen, dass die Situation von einem Insolvenzverwalter überprüft würde und entweder eine geordnete Abwicklung oder eine Fortführung des Unternehmens erfolgen würde“, erklärte Stephan weiter. Man werde eng mit der Arbeitnehmervertretung zusammenarbeiten. (Silke Schäfer-Marg)

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