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Corona-Testzentrum in Rotenburg noch bis Montag geöffnet

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Von: Christopher Ziermann

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Claudia Schneller ist eine von fast 40 Beschäftigten der beiden Testzentren.
Claudia Schneller ist eine von fast 40 Beschäftigten der beiden Testzentren. © Christopher Ziermann

Nach über 600 Tagen ohne Unterbrechung wird das Corona-Testzentrum in der Rotenburger Brückengasse nach dem Zweiten Weihnachtsfeiertag seine Pforten schließen.

Rotenburg – In Bebra in der Nürnberger Straße wurden bereits gestern die letzten Tests vollzogen. Betreiber Dietrich Grimme, Inhaber der Hubertus-Apotheke, muss den Geschäftszweig einstellen – er rechnet sich nicht mehr. „Mir tut das sehr leid. Wir hätten sehr gerne weiter gemacht. Meine Mitarbeiter sind sehr engagiert und motiviert dabei. Aber unter diesen Bedingungen geht es nicht mehr“, sagt Grimme.

Dieses Jahr sei die Vergütung für die Tests um 30 Prozent gesunken, immer weniger Personengruppen haben Anspruch auf kostenlose Tests. Die Nachfrage ist laut Grimme aber immer noch da. „Die meisten Kunden wollen Angehörige im Krankenhaus oder im Pflegeheim besuchen.

Dafür ist ein Test immer noch notwendig. Für Grimme war das auch ein Grund, noch bis Weihnachten weiterzumachen, sagt er. „Wir wollen den Angehörigen dieses Angebot für die Feiertage noch machen. In unseren Testzentren sind Freundschaften entstanden. Die Mitarbeiter haben viele Schicksale begleitet, es wurde geweint und gelacht.

Dietrich Grimme
Dietrich Grimme © Christopher Ziermann

Wir haben mitbekommen, wenn etwas gut ausgegangen ist – wenn die Oma zum Beispiel aus dem Krankenhaus zurück kam. Es sind aber natürlich auch Menschen zu uns gekommen, die ihre Tests für Beerdigungen brauchten. Zeitweise war unser Testzentrum so etwas wie eine soziale Einrichtung.“

Natürlich, Geld habe er damit auch verdient. Aber in den zurückliegenden Monaten nicht mehr. Nur im Oktober habe sich das Geschäft finanziell noch einmal gelohnt, als viele Kirmessen gefeiert wurden. Vordergründig sei es aber zuletzt nur noch darum gegangen, die Menschen zu versorgen.

„Wir wollten die Leute nicht von jetzt auf gleich in der Luft hängen lassen, weil es ja nach wie vor genügend Anlässe gibt, wo man Tests braucht. So gab es nun ausreichend Vorlaufzeit. Wir haben Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser frühzeitig informiert – die müssen sich um die Tests jetzt selbst kümmern“, sagt Grimme.

Er hatte an seinen beiden Standorten in Rotenburg und seit knapp einem Jahr auch in Bebra insgesamt zehn Festangestellte und 28 geringfügig Beschäftigte. Das seien Profis in diesem Bereich, betont Grimme. Viele hätten eine medizinische Grundausbildung. Andere kamen aus der Gastronomie, waren in Kurzarbeit oder arbeitslos.

Nachdem das Aus des Testzentrums feststand, wurden Kontakte zu Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern in der Region geknüpft. Einige der Angestellten könnten dort übernommen werden. Fest steht: Falls nun eine heftige Corona-Welle käme, falls wieder mehr getestet werden müsste – insbesondere die personelle Infrastruktur im Testzentrum wäre dann nicht mehr da.

In Bebra stand der Abschied gestern schon an. Grimme berichtet von einem emotionalen Tag für seine Mitarbeiter. (Christopher Ziermann)

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