Studie am Herz-Kreislauf-Zentrum Rotenburg

Mehr Herztote im Lockdown: Mediziner analysieren Todesfälle in Hessen - Ergebnis erschreckt

Corona-Studie: mehr Herztote im Lockdown
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Mediziner haben herausgefunden, dass während des ersten Corona-Lockdowns in Hessen mehr Menschen wegen Herzproblemen gestorben sind als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. (Symbolbild)

Während des ersten Lockdowns im März und April sind in Hessen auffällig mehr Menschen an einem Herzinfarkt gestorben als im Vorjahr.

Rotenburg - Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Professor Holger Nef, Chefkardiologe im Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ) in Rotenburg, und mehr als 30 anderen Medizinern.

Für die Studie wurden 6000 Leichenschauscheine aus dem Zeitraum zwischen dem 23. März und dem 26. April 2020 analysiert und mit den Todesursachen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Die Mediziner fanden anhand der Daten, die ihnen von 22 der insgesamt 24 Gesundheitsbehörden in Hessen zur Verfügung gestellt wurden, heraus, dass 1977 Menschen an einem Herzinfarkt starben.

Corona: Im ersten Lockdown starben mehr Menschen an einem Herzinfarkt

Das sind 208 mehr als im Vorjahr, also fast zwölf Prozent mehr. „Wir vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen dieser Zunahme und dem Lockdown gibt“, sagt Nef, der die Studie geleitet hat.

Professor Holger Nef, Chefkardiologe im Rotenburger Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ)

Er stützt seine These auch auf weitere Auffälligkeiten: Denn gleichzeitig sei die Menge der Herzkatheteruntersuchungen in den hessischen Kliniken um 35 Prozent gefallen und die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Herzpatienten um 20 Prozent gesunken. Zudem habe die Zahl der Menschen, die zu Hause wiederbelebt wurden, im Beobachtungszeitraum leicht zugenommen.

Corona: Mehr Herztote wegen Lockdown? Bei Symptomen unbedingt zum Arzt

Diese Auffälligkeiten hätten sich im Frühjahr, als das Land wegen der Pandemie zum ersten Mal still stand, auch im HKZ Rotenburg abgezeichnet, erinnert sich Nef: „Wir hatten so ein Gefühl.“ Um es mit Fakten zu belegen, startete der 46-Jährige mit Stephan Fichtlscherer, Chefarzt für Kardiologie und Ärztlicher Direktor am HKZ, sowie weiteren Ärzten aus anderen hessischen Kliniken die Studie. Nef: „Die Vorgabe der Bundesregierung war, zu Hause zu bleiben. Aber das gilt nicht bei gesundheitlichen Beschwerden.“

Er appelliert, auch mit Blick auf den zweiten Lockdown, der das Land mindestens noch bis zum 10. Januar ausbremst: „Wer Beschwerden hat, muss ins Krankenhaus kommen oder zum Arzt gehen – auch in Zeiten einer Pandemie.“ (Sebastian Schaffner)

Studie für ganz Deutschland geplant

Die Zahl der Menschen, die wegen der Pandemie sterben, könnte also höher liegen als gedacht. Das ist das Ergebnis der Studie von Prof. Holger Nef und seinen Kollegen. Für das kommende Jahr kündigt der Kardiologe, der in Rotenburg und am Universitätsklinikum Gießen arbeitet, eine weitergehende Studie an. Darin wollen er und seine Kollegen die Situation für das gesamte Jahr 2020 und für ganz Deutschland untersuchen. 

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