Ex-Chefarzt Prof. Christian Vallbracht kritisiert Zukunftspläne des Klinikums

„Bei Verlagerung ist das HKZ Rotenburg tot“

Das Bild zeigt Prof. Dr. Christian Vallbracht an einem aufgeräumten Schreibtisch
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Sieht die Zukunft des HKZ kritisch: Prof. Dr. Christian Vallbracht, ehemaliger Chefarzt am Herz-und Kreislauf-Zentrum in Rotenburg. Dass die Akutmedizin der renommierten Klinik nach Bad Hersfeld verlagert werden soll, sei lange geplant gewesen, behauptet er.

Der langjährige Chefarzt des Herz- und Kreislauf-Zentrums in Rotenburg, Prof. Dr. Christian Vallbracht, übt Kritik an den Zukunftsplänen für die Klinik.

Rotenburg/Bad Hersfeld - Die akutmedizinischen Abteilungen des HKZ, einst Leuchtturm-Klinik mit internationalem Renommee, stehen, wie berichtet, kurz vor der Verlagerung nach Bad Hersfeld. Der Aufsichtsrat des Klinikums empfahl Anfang der Woche der Gesellschafterversammlung, das Konzept der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon zu beschließen. Dann wäre der Weg frei für das Aus der HKZ-Akutmedizin am Standort Rotenburg.

Vallbracht sagt: „Wird das HKZ nach Bad Hersfeld verlagert, ist es tot.“ Die Klinik funktioniere nur eigenständig, nicht als Bestandteil des Klinikums, so der 68-Jährige.

Dass das HKZ überhaupt zur Disposition steht, bedauert Vallbracht, der dort 23 Jahre gearbeitet hat: „Das ist furchtbar traurig.“ Überrascht ist er über diese Entwicklung gleichwohl nicht. „Das geschieht alles nach einem Drehbuch“, glaubt er. Nach der Übernahme durch das Klinikum 2016 „war doch von Anfang an klar, dass das HKZ geschlossen werden soll. Es musste halt schleichend passieren, sonst wäre der Aufschrei groß gewesen“, so Vallbracht.

Diesen Aufschrei vermisst er jetzt. „Der einzig nennenswerte Widerstand kommt doch von der Initiative Bürger Herz, die eine Menschenkette organisiert. Aber sonst? Wenn der größte Arbeitgeber in der Stadt in Gefahr ist, wünsche ich mir gerade von einem Bürgermeister, dass er Alarm schlägt.“

Vallbracht selbst wird, wie er sagt, „selbstverständlich“ Teil der Menschenkette sein, die am Dienstag kurz vor der Haupt- und Finanzausschusssitzung (18.30 Uhr) in Rotenburg vom HKZ bis zum Bürgerzentrum am Bahnhof für den Erhalt des Klinikstandorts demonstrieren will. Zu der öffentlichen Sitzung sind auch die Geschäftsführer des Klinikums eingeladen. „Um den Verantwortlichen zu zeigen, dass die Menschen ihr HKZ nicht einfach aufgeben, muss am Dienstag richtig Krach gemacht werden“, fordert er.

Vallbracht weist darauf hin, dass es ja eine Alternative gäbe. Die Geschäftsführung des vom Evangelischen Diakonieverein betriebenen Rotenburger Kreiskrankenhauses hatte vorgeschlagen, das HKZ nicht in die Kreisstadt zu verlegen, sondern ein neues, kleineres HKZ direkt neben dem Kreiskrankenhaus zu bauen – auf dem Gelände des ehemaligen Kreisaltenzentrums. Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) unterstützt diesen Vorschlag. „Ein Neubau ist in zweierlei Hinsicht eine gute Idee: Der Schandfleck Kreisaltenzentrum wäre weg und das HKZ bliebe eine eigenständige Klinik.“ Irritiert zeigt sich Vallbracht darüber, dass Landrat Dr. Michael Koch (CDU) diese Idee nicht öffentlich unterstützt hat. „Das wäre doch die Möglichkeit gewesen, Buße zu tun. Immerhin hatte er mehrfach sein politisches Schicksal mit dem HKZ verknüpft“, so Vallbracht.

Zur Person

Prof. Dr. Christian Vallbracht stammt gebürtig aus Wuppertal. Er war von 1993 bis 2016 Chefarzt der Kardiologie am HKZ in Rotenburg, von 2003 bis 2016 auch als ärztlicher Direktor und Mitgesellschafter. Zuvor war der heute 68-Jährige, der in Düsseldorf und Berlin Medizin studierte und zahlreiche Lehrbücher herausgegeben hat, unter anderem an der Abteilung für Kardiologie der Frankfurter Universitätsklinik tätig. Seit 2017 betreibt er eine Privatpraxis für Kardiologie am Kurpark in Bad Hersfeld. Prof. Dr. Christian Vallbracht ist mit seiner Frau Christiane verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Bad Hersfeld.

Von Sebastian Schaffner

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