Offiziere waren im Zweiten Weltkrieg in der Schule inhaftiert

Dauerausstellung über Gefangenenlager in Jakob-Grimm-Schule Rotenburg eröffnet

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Einfühlsam und voller persönlicher Eindrücke: Die Schüler des Darstellendes-Spiel-Kurses aus der Oberstufe der Jakob-Grimm-Schule führten eine szenische Lesung in der Aula der Schule auf.

Jahrelang lagen Texttafeln und Exponate im Keller der Jakob-Grimm-Schule. Nachdem ein passender Platz gefunden wurde, wurde die Ausstellung über das ehemalige Offizierslager jetzt feierlich eröffnet.

Mit einem Festakt ist die Ausstellung „Hochschule hinter Stacheldraht“ in der Jakob-Grimm-Schule (JGS) Rotenburg eröffnet worden. Die vom ehemaligen Lehrer und Zeithistoriker Dr. Heinrich Nuhn kuratierte Ausstellung wurde bereits von 2014 bis 2015 im Kreisheimatmuseum gezeigt und lagerte danach in den Kellern der Schule. Schulleiterin Sabine Amlung hatte sich dafür stark gemacht, dass die Tafeln und Exponate einen festen Platz in der Schule erhalten.

Schule war Gefangenenlager für Offiziere

Die Ausstellung thematisiert die Geschichte der JGS in der NS-Zeit. Das Gebäude diente während des Zweiten Weltkrieges als Gefangenenlager für Offiziere. Unter diesen waren auch einige Wissenschaftler, die Lehrveranstaltungen für andere Insassen anboten und sogar Prüfungen abnahmen.

Neben allgemeinen Informationen zum Lager stehen einzelne Schicksale von Inhaftierten im Fokus. Die Besucher erwartet eine Mischung aus Bildern, Texten und Objekten, aber auch ein Video über die Fluchtversuche der Insassen und eine Tonaufzeichnung.

Mit einer szenischen Lesung leitete der Darstellendes-Spiel-Kurs aus der Oberstufe der JGS die Vernissage ein. Die Schüler lasen aus Originaldokumenten und verschafften den Zuhörern so einen Einblick in das Leben im Lager. 

Polnischer Generalkonsul zu Gast

Besonderen Eindruck hinterließ bei vielen Besuchern das Klavierspiel des Schülers Manuel Khazarian. Schulleiterin Amlung sagte in ihrer Eröffnungsrede, dass die „Zunahme extremistischer Positionen“ insbesondere von Schulen „klare Positionierung zu demokratischen Werten“ erfordere.

Mit Engagement dabei: Edith Denkovic aus dem Leistungskurs Geschichte führte die Besucher am Eröffnungstag durch die Ausstellung „Hochschule hiner Stacheldraht“, die jetzt in der ehemaligen Hausmeisterwohnung eingerichtet wurde.

Der polnische Generalkonsul Jakub Wawrzyniak nahm in seiner Rede Bezug auf die eigene Familiengeschichte. Sein Großvater war in Dachau inhaftiert, seine Großmutter war Zwangsarbeiterin in einem Milchwerk. Er betonte die hohe Bedeutung der Versöhnung und des gemeinsamen Erinnerns. 

Schüler waren am Aufbau beteiligt

Schirmherr Dr. Michael Koch hob die Wichtigkeit des Projekts hervor und Kurator Dr. Nuhn betonte seine Dankbarkeit gegenüber den vielen Unterstützern. 

Beteiligt am Aufbau der Ausstellung waren die Leistungskurse der Geschichtslehrer Dr. Dietrich Karpa und Matthias Brüggemeier-Koch. Die Schüler führten vor der Vernissage durch den Ausstellungsraum.

Info:Am Sonntag, 8. Dezember, wird Kurator Dr. Heinrich Nuhn ab 15 Uhr durch die Ausstellung führen. Geöffnet ist die Ausstellung nach Absprache. Kontakt: Sekretariat der Schule Tel. 0 66 23/91 53 30; Tourist-Info Tel. 0 55 23/55 55 oder Dr. Heinrich Nuhn Tel. 0 55 23/24 82.

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