Debütalbum von Klaviertrio Piano, Piano, Piano

Die Rotenburgerin Eva Gerlach-Kling hat mit Mann und Sohn eine CD aufgenommen

Drei Pianisten der Extraklasse: Stefan Kling und Eva Gerlach-Kling am Flügel. Auf dem Laptop in der Hand der Mutter per Videochat zugeschaltet ist Sohn David.
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Drei Pianisten der Extraklasse: Stefan Kling und Eva Gerlach-Kling haben mit dem jüngsten Familienspross David, der aus der Ferne per Videochat auf unser Foto gelangt ist, ein Album aufgenommen.

„Piano, Piano, Piano“: Der Name ihrer Gruppe ist Programm. Eva Gerlach-Kling, ihr Mann Stefan Kling und ihr Sohn David Gerlach haben gemeinsam eine CD aufgenommen.

Rotenburg - „Aller guten Dinge...“ heißt das Album, auf dem die drei bei mehreren Stücken alle gleichzeitig in die Tasten hauen. Das Projekt ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Die Rotenburgerin Eva Gerlach-Kling hat mit ihren Chören zwar schon zahlreiche Livemitschnitte produziert, aber noch nie ein Studioalbum aufgenommen. Außerdem vereinigen der Jazz-Profi und die Klassik-Spezialistin ihre Stilrichtungen zu gemeinsamen Kunstwerken – mit dem 23-jährigen David als Joker, wie ihn seine Mutter nennt. Denn der spielt nicht nur Klavier und Keyboard, sondern auch Celesta und Melodica. Gemeinsam haben die drei bekannte Stücke von Komponisten wie Bach, Schubert und Mendelssohn Bartholdy ein neues Gesicht gegeben – zu hören ist aber auch norwegische Volksmusik, ikonische Filmmusikwerke von Astor Piazzolla mit sinfonischem Charakter und eine Komposition von Kling.

Eva Gerlach-Kling betont, dass die Seele der Lieder bei den Improvisationen stets erhalten wird. Dass sich die Spezialistin für Klassische Musik überhaupt dazu hinreißen lässt, von den Noten abzuweichen, ist ihrem Mann zu verdanken, für den das als Jazzmusiker zum Brot-und-Butter-Geschäft gehört – ebenso wie übrigens auch das Aufnehmen von Alben. „Als ich das erste Mal improvisieren sollte, habe ich vor Scham und Komplexen geschwitzt. Das war nahezu traumatisch“, erzählt die 54-Jährige lachend. Ihr Mann hatte vorher schon mal bei Klassik-Crossover-Projekten mitgewirkt. Dass aber alle drei gemeinsam musizieren, darauf wären sie von alleine wohl nicht gekommen, glauben sie. Ein befreundetes Ehepaar hatte sich das vor einigen Jahren explizit gewünscht. Damit war „Piano, Piano, Piano“ geboren. Das Trio trat in den folgenden Jahren mehrmals gemeinsam auf. Die Arbeiten am Album begannen schon Anfang des Jahres. Die Corona-Pandemie trug nun ihren Teil dazu bei, dass die CD pünktlich vor Weihnachten fertig ist, weil die drei Berufsmusiker plötzlich viel mehr Zeit hatten als sonst. Da kam es auch gelegen, dass Sohn David einige Wochen in Rotenburg verbrachte. Das Tonstudio wurde im eigenen Wohnzimmer aufgebaut, für die Tontechnik war dann Marco Merten zuständig, der bei Fachwerk Studios arbeitet. „Es ist großartig, dass wir solche begnadeten Leute hier in Rotenburg haben“, sagt Eva Gerlach-Kling. Entstanden ist ein Gesamtwerk, das fast jeden Musikfan anspricht. Es enthält nicht nur Elemente von Klassik und Jazz, sondern auch von Pop, Funk und Tango. „Damit kann man auch junge Menschen für Klassik begeistern“, sagt Stefan Kling. Mit der Musik könne man in einem Jazzklub genauso auftreten wie bei einem Kammermusikverein.

Der Höhepunkt des Albums kommt ganz zum Schluss: Die elfte Nummer auf der Platte ist die „Nachtmusik“ von Mozart, stilistisch aufgepeppt mit Rock’n’Roll und Swing. Die Melodie, die in Deutschland wohl fast jeder kennt, bekommt so ein einzigartiges neues Gewand. Dem Trio ist ein mitreißendes Gesamtkunstwerk gelungen.

Die CD gibt es in wenigen Tagen in der Buchgalerie Berge zu kaufen, eine Vorbestellung ist möglich unter Tel. 0 66 23/91 91 61. Außerdem kann man „Aller guten Dinge...“ im Internet unter der Adresse konsum.buschfunk.com kaufen. Der folgende Link führt direkt zur CD: zu.hna.de/piano

Wegen der Corona-Pandemie zurzeit 30 Prozent weniger Einnahmen 

Die Corona-Pandemie hat beim Musikerehepaar Eva Gerlach-Kling und Stefan Kling zu einem Einnahmeverlust von zusammengenommen rund 30 Prozent geführt, schätzen die beiden. „Ich spiele sonst 50 Konzerte pro Jahr. 2020 waren es bisher elf oder zwölf“, sagt Stefan Kling – und die wenigen Auftritte konnten nur unter strengen Auflagen und mit weniger Besuchern stattfinden.

Der 59-Jährige hat unter anderem mit seiner Band „L’art de Passage“ schon weltweit Musik gemacht. Staatshilfe hat er nun aber nicht bekommen, denn dafür müsste er 50 Prozent seines Einkommens mit Konzerten bestreiten – und er liegt knapp darunter. Auch als im Sommer unter Hygieneauflagen und mit weniger Besuchern Konzerte erlaubt waren, sagten die meisten Veranstalter ab, weil sich die Konzerte mit geringeren Einnahmen nicht rechneten. Da sind die Klavierschüler, die beide bislang eher nebenbei unterrichteten, ein Glücksfall.

Eva Gerlach-Kling ist nicht ganz so abhängig von Konzert-Einnahmen, sie hat auch eine Drittelstelle bei der Jugendkantorei. Im Sommer erarbeitete sie Konzepte für Musikunterricht ohne Gesang – mit „Body-Percussion“, Klanghölzern und Musiktheorie, was in verkleinerten Gruppen mit maximal 18 Teilnehmern erlaubt war. Die Kurse waren stets ausgebucht. Nun bleiben ihren Schülern aber nur noch die Videos, die sie vorbereitet hat. „Wegen der Aerosole, die beim Singen ausgestoßen werden, werden die Chöre die Allerletzten sein, die irgendwann wieder alles dürfen. Das ist sehr frustrierend, da muss man einen langen Atem haben“, sagt die 54-Jährige.

Für Mutter Eva hat die Corona-Pandemie aber auch eine positive Folge, denn so ist ihr Sohn David „mal etwas mehr zum Studieren gekommen“. Der 23-Jährige studiert populäre Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Er hat aber auch schon in mehreren Bands gespielt, unter anderem mit Michael Schulte, der Deutschland 2018 beim Eurovision Song Contest vertrat. Der jüngste Gerlach-Spross hat schon Konzerte in Europa und Süd- und Nordamerika gespielt. Außerdem leitete er im Epcot-Park der Walt Disney World in Florida die Band, die dort die deutsche Popmusikszene repräsentiert. „Er ist musikalisch sogar noch weiter, als Felix es in dem Alter war“, meint seine Mutter. Der 32-jährige Felix ist Gitarrist in der Band des Popsängers Max Giesinger und hat derzeit keine Auftritte, sondern kann nur im Studio Musik machen.

Nur der 29-jährige Jonas, der in und um Rotenburg auch schon häufiger auf der Bühne stand, macht das nicht hauptberuflich. Er hat einen Master in Musiktherapie gemacht und unterstützt mit seiner Leidenschaft zum Beispiel Flüchtlinge und Alzheimerpatienten.

Von Christopher Ziermann

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