Er kann nicht Nein sagen

Mit Drehorgel und Laterne: Theodor Drude aus Lispenhausen mischt überall mit

Ein Hobby als Schlüssel für Ehrenämter: Theodor Drude aus Lispenhausen spielt die Drehorgel und hat viele Ehrenämter. Foto: Schäfer-Marg

Lispenhausen. Theodor Drude aus Lispenhausen ist Prädikant, Stadtführer, Drehorgelspieler und - hat einen genetischen Defekt, wie er lächelnd erklärt: Er kann nicht Nein sagen. Wohl daher kommt sein ehrenamtliches Engagement, das ihn auch über die Kreisgrenzen führt.

Drude stammt aus einer musikalischen Familie, blieb aber weitgehend unberührt von entsprechendem Talent, erzählt er. Ein Besuch im Rüdesheimer Museum für mechanische Musikinstrumente weckte die Leidenschaft für die Drehorgel. Der 66-Jährige kaufte sich ein Instrument und tritt seither bei Märkten und Festen auf. Auch beim Rotenburger Weihnachtsmarkt gestaltet er zwei Andachten mit der Drehorgel in der Jakobikirche.

Bei der Stadt Rotenburg sprach er 2008 vor und bot die Drehorgeldienste an. Aus dem Rathaus heraus kam er mit einem neuen Ehrenamt als Stadtführer Konne - in Anlehnung an das Maskottchen der Stadt. Die Qualifikation dazu hat er sich bei Albert Deist erworben. Der ist im Geschichtsverein aktiv und kennt die Stadt aus dem Effeff.

Nachtwächter und Geist

Inzwischen ist Drude als Nachtwächter unterwegs, als Kommandant der Stadtwache oder - für Kinder - als Geist von Ritter Rodenberg. Zwei bis dreimal wöchentlich, in Spitzenzeiten auch dreimal am Tag, führt Drude Gäste durch die Stadt und lässt durch Geschichten die Geschichte lebendig werden. „Ich bin kein Dozent und verbreite nicht die große Geschichte“, sagt er. Wenn er mit Gästen zum Hexenturm zieht, „lasse ich die Leute mitleiden. Dann kommen sie von selbst drauf, dass Hexenverfolgung eine üble Sache war.“

Hilfe für Flüchtlinge

Nähe zur Kirche hat Theodor Drude von Jugend an. Deshalb ließ er sich auch für die Mitarbeit im Kirchenvorstand Lispenhausen anwerben. Pfarrer Alexander Riedel fragte ihn, ob er sich zum Prädikanten ausbilden lassen würde. Auch hier sagte Drude nicht Nein und ist inzwischen im gesamten Kirchenkreis im Einsatz, um Pfarrer zu vertreten.

Auch dem Vorstand des Zweckverbands der Diakonie und der Kreissynode gehört er an. Über die Kirchenarbeit setzt er sich mit seiner Frau Gerti auch für ein junges Paar aus Somalia ein, das Kirchenasyl erhalten hatte, inzwischen anerkannt ist und mit anderen Menschen in einer winzigen Wohnung in Bad Hersfeld lebt.

Sonntags kocht man zusammen bei Drudes und übt sich in „Mensch-ärgere-Dich-nicht“. Zu den Drudes ziehen mag das junge Paar nicht, weil der Mann Arbeit bei Amazon gefunden hat. Lesen und Schreiben hat die Frau bei Gerti Drude gelernt. Gemeinsam besuchen Drudes auch Altenheime und musizieren mit dementen Menschen. Theodor Drude erzählt als Lesepate in der Brüder-Grimm-Grundschule in Bebra auch vom Leben auf dem Bauernhof und hilft als „grünes Männchen“ statt grüner Dame im Herz- und Kreislaufzentrum. Nebenbei hält er noch selbst ausgearbeitete Vorträge in Frauen- und Männerkreisen der Kirchengemeinden und vor Landfrauen.

So bleibt wenig Zeit für seine Leidenschaft, das Lesen. „Ich möchte gern wissen, warum etwas ist“, sagt Theodor Drude. Er versucht trotzdem gerade herauszufinden, was den Koran so besonders macht und warum er mit den Krisen der Welt verbunden ist.

Das Ehepaar Drude schaufelt sich aber auch Zeit frei für Flussreisen. Stoppt der Flussdampfer dann mal wieder in Rüdesheim, geht es natürlich ins Museum - zu den Drehorgeln.

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