1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Rotenburg (an der Fulda)

Dunkles Thema beleuchten: Projekt „Rotenburger Grenzlichter“ zu sexualisierter Gewalt

Erstellt:

Von: Christopher Ziermann

Kommentare

Das Projekt „Rotenburger Grenzlichter“ hat offiziell begonnen. Für das Startkapital steuert der Lions Club Bebra-Rotenburg 2500 Euro bei. Unser Foto zeigt vorn Ann-Cathrin Kolar, Leiterin des Familienzentrums, mit Lions-Präsidentin Sandra Koch und einigen der zahlreichen Projekt-Beteiligten auf der Rathaustreppe.
Das Projekt „Rotenburger Grenzlichter“ hat offiziell begonnen. Für das Startkapital steuert der Lions Club Bebra-Rotenburg 2500 Euro bei. Unser Foto zeigt vorn Ann-Cathrin Kolar, Leiterin des Familienzentrums, mit Lions-Präsidentin Sandra Koch und einigen der zahlreichen Projekt-Beteiligten auf der Rathaustreppe. © Christopher Ziermann

Sexualisierte Gewalt. Das ist ein Thema, über das man häufig erst dann spricht, wenn es gar nicht mehr anders geht, sagt Ann-Cathrin Kolar, Leiterin des Familienzentrums in Rotenburg. Das soll sich ändern.

Rotenburg – Deswegen haben Vertreter zahlreicher Institutionen, zum Beispiel von Stadt, Polizei und Schulen das Projekt „Rotenburger Grenzlichter“ ins Leben gerufen.

Zwei Statistiken haben sich bei Kolar nachhaltig eingebrannt. „In jeder Schulklasse sitzen statistisch zwei Kinder, die Opfer von Missbrauch geworden sind. Und im Schnitt vertraut sich ein Betroffener acht Personen an, bevor ihm geholfen wird“, sagt sie. Die Problematik sei also schon drängend gewesen, bevor im Januar die Missbrauchsvorwürfe gegen den Ex-Leiter der Lispenhäuser Haselbachschule bekannt wurden. Die Vorbereitung des Projektes Grenzlichter, für das eine Arbeitsgruppe der Jakob-Grimm-Schule den Anstoß gegeben hat, lief da auch schon längst. Sexualisierte Gewalt müsse aus der Tabuzone herausgeholt werden. „Man muss darüber sprechen. Und auch die Hilfsangebote, die es schon gibt, bekannter machen“, sagt Ann-Cathrin Kolar.

Der Projektname setzt sich zusammen aus dem Wort Grenzerfahrungen und dem Licht, das ins Dunkel gebracht werden soll. Dazu sind zahlreiche verschiedene Projekte geplant, zu denen die Leiterin des Familienzentrums noch gar nicht so sehr ins Detail gehen möchte – denn zum Konzept gehört auch, die Bürger mit Aktionen in ihrem Alltag zu überraschen. Eine Idee verrät sie aber schon: Die „AG Geschichtenerzähler“ möchte Grenzerfahrungen von Kindern ebenso wie von Erwachsenen zusammentragen und dann deren Geschichten Erzählen. Dafür bauen Schüler der Heinrich-Auel-Schule Briefkästen, die an verschiedenen Orten in der Stadt aufgestellt werden sollen. Außerdem sind Ausstellungen in Planung.

Für die Fachkräfte in Kindergärten und Schulen werden Schulungen angeboten, für die Eltern Informationsveranstaltungen. Mit Kindern und Jugendlichen möchte man sich dem Thema jeweils altersgerecht annähern. „Das beginnt in der Kita sehr kleinschrittig. Wir lernen, was Intimsphäre bedeutet und warum es zum Beispiel nicht in Ordnung ist, die Tür aufzumachen, wenn jemand auf der Toilette ist“, erklärt die Leiterin des Familienzentrums. Man richte sich aber nicht nur an junge Menschen, sondern Männer und Frauen jeden Alters. Zum Beispiel ist eine Internetseite im Aufbau, wo Informationen und Hilfsangebote zusammengestellt werden.

„Wir arbeiten in verschiedenen Projektgruppen mit vielen kreativen Köpfen zusammen. Da kommen viele Ideen zusammen und es ist spannend zu sehen, in welche verschiedene Richtungen sich unsere Arbeit entwickelt“, sagt Ann-Cathrin Kolar. Nötig war dazu neben den Ideen auch ein Startkapital. Dafür hat nun der Lions Club Bebra-Rotenburg mit einer Spende von 2500 Euro gesorgt. „Wir unterstützen gerne lokale Aktionen und besonders Kinder liegen uns am Herzen. Eines unsere Mitglieder ist selbst bei der Polizei und hat uns darauf aufmerksam gemacht, wie drängend die Thematik ist“, sagt Präsidentin Sandra Koch. (Christopher Ziermann)

Auch interessant

Kommentare