Erneute Zertifizierung

Durchatmen: Rotenburg bleibt Luftkurort

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Feierstunde im Rathaus: Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (von links) übergab das Zertifikat an Rotenburgs Stadtverordnetenvorsteherin Barbara Glaser und Bürgermeister Christian Grunwald.

Knapp 50 Luftkurorte gibt es in Hessen. Rotenburg ist einer davon und wird es auch weiter bleiben. Die Rezertifizierung ist gelungen.

Hessen erlebt ein Luftkurortsterben. Landesweit gibt es nur noch 39 Stück. Die Zahl nimmt Jahr für Jahr ab. Nach Angaben des für die Zertifizierung zuständigen Regierungspräsidiums Kassel waren es vor fünf Jahren noch 49, vor zehn Jahren gab es noch 63 in Hessen.

Es ist also längst nicht mehr selbstverständlich, dass sich ein etablierter Luftkurort wie Rotenburg dem langwierigen Rezertifizierungsprozess unterwirft, um weitere zehn Jahre mit dem Prädikat werben zu dürfen. Die Fuldastadt, die am 11. November 1971 erstmals Luftkurort wurde, ist diesen Schritt zum vierten Mal gegangen und hat den Titel zum vierten Mal in Folge verteidigt.

„Die erfolgreiche Rezertifizierung ist von zentraler Bedeutung für die Vermarktung unserer Stadt“, begründete Bürgermeister Christian Grunwald den Schritt. „Das Prädikat ist ein besonderer Beleg dafür, dass nicht nur Touristen in unserer Stadt im wahrsten Sinne des Wortes durchatmen können, sondern auch die Einheimischen.“ Deshalb hänge die Stadt dieses „Aushängeschild gerne ins Schaufenster“.

Nancy Konrad, Geschäftsführerin des Vereins Tourismus-Service Erlebnisregion Mittleres Fuldatal, die ebenfalls der feierlichen Zertifikatsübergabe durch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke im Rotenburger Rathaus beiwohnte, sagte: „Lange Zeit war vor allem aus touristischer Sicht die Wichtigkeit einer intakten Natur in Vergessenheit geraten. Doch jetzt erleben wir eine Renaissance.“ Sie sei deshalb überzeugt, dass Prädikate wie der Luftkurort künftig an Bedeutung gewinnen werden.

Begonnen hat der Rezertifizierungsprozess bereits vor drei Jahren. In der Folge kamen Gutachter des Deutschen Wetterdienstes in die Stadt und bauten für mehrere Monate zwei Luftmessstationen auf: eine oberhalb des Jugendhofes am Emanuelsberg und eine in der Nähe der Feuerwehr am Obertor, einer der meistbefahrensten Straßen der Stadt.

„Ein Gutachter hat uns mitgeteilt, dass wir grundsätzlich sogar die Voraussetzungen für weitere Prädikatisierungen erfüllen würden“, sagte Bürgermeister Christian Grunwald. „Das ist für uns natürlich grundsätzlich sehr interessant, aber nichts, was wir kurzfristig angehen wollen.“

Feierstunde im Rathaus: Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (von links) übergab das Zertifikat an Rotenburgs Stadtverordnetenvorsteherin Barbara Glaser und Bürgermeister Christian Grunwald. 

Hauptgrund für das Luftkurortsterben in Hessen liegt nach Angaben des Regierungspräsidiums vor allem an den Kosten der alles in allem rund 15.000 Euro teuren Rezertifizierung, die alle zehn Jahre erfolgen muss. Es könne jedoch auch sein, dass ein Ort die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt.

Vor fünf Jahren hatte beispielsweise Ronshausen darauf verzichtet, das Prädikat erneuern zu lassen. Die Kosten stünden nicht mehr im Einklang mit der Haushaltskonsolidierung unter dem Rettungsschirm des Landes, hieß es damals. Auch Nentershausen gab 2011 aus Geldgründen das Prädikat Luftkurort ab. 

Liegewiesen, Tourist-Info

Zuständig für Kurortprädikate ist der Hessische Fachausschuss für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte beim Regierungspräsidium in Kassel. Erfüllt ein Ort bestimmte Voraussetzungen, kann er sich dort um eines von insgesamt acht Kurortprädikaten bewerben: Heilbad, Kneippheilbad, Kneipp-Kurort, Heilklimatischer Kurort, Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb, Luftkurort, Erholungsort und Tourismusort. Der Luftkurort rangiert in der Rangliste der Kurortprädikate zwar weit unten. Dennoch gelten strenge Voraussetzungen. Laut den vom Deutschen Tourismusverband aufgestellten Qualitätsstandards für Luftkurorte sind wissenschaftliche Gutachten für Luftqualität und Bioklima erforderlich. Die Gutachten müssen beweisen, dass „die natürlichen Gegebenheiten eine gesundheitsfördernde Wirkung“ besitzen. Zudem sollte „die herausgestellte Luftqualität den Kurgästen durch entsprechende Einrichtungen in verstärktem Ausmaß zugute kommen“. Deshalb benötigen Luftkurorte „verschiedene Angebote zur körperlichen Betätigung“ wie Sportanlagen, Liegewiesen und Spielangebote. Ein Luftkurort zeichnet sich also nicht allein durch gute Luftqualität aus. Im Rahmen der Zertifizierung wird durch Ortsbegehungen bewertet, in welchem Maß die Stadtgestaltung und die örtliche Infrastruktur die gesundheitsfördernde Wirkung der natürlichen Besonderheiten unterstützen. So sollte sich der Ort nicht nur für den Umweltschutz einsetzen, sondern auch einen touristischen Charakter haben, über eine Tourist-Info verfügen und einen „gärtnerisch bewirtschafteten Park als Zone der Ruhe“ besitzen sowie besonders durch Angebote für Rehabilitationsprogramme geprägt sein.

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