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Ein letzter Brief von „Fritzchen“: Postbeamter aus Obergude geht nach 50 Jahren in den Ruhestand

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Von: Carolin Eberth

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Einer der letzten Postbeamten im Dienst: Fritz Schäfer lief mit Briefen und Paketen im Gepäck, seinen Schätzungen zufolge, drei Mal um die Welt. Nun geht er nach 50 Jahren im Dienst in seinen verdienten Ruhestand.
Einer der letzten Postbeamten im Dienst: Fritz Schäfer lief mit Briefen und Paketen im Gepäck, seinen Schätzungen zufolge, drei Mal um die Welt. Nun geht er nach 50 Jahren im Dienst in seinen verdienten Ruhestand. © Carolin Eberth

Nach fast 50 Jahren im Dienst der Deutschen Post, davon 33 Jahre als Postbote in Lispenhausen, verabschiedet sich Fritz Schäfer aus Obergude (63) in den wohlverdienten Ruhestand.

Lispenhausen/Obergude - Fritzchen, wie er von den Lispenhäusern genannt wurde, begann seine Karriere 1973 mit einer Ausbildung zum Postjungboten in Rotenburg im Alter von gerade einmal 13 Jahren.

Nach einem Jahr Dienst in Frankfurt, diente er zunächst der Bundeswehr und war anschließend zehn Jahre als Postbeamter ein sogenannter „Springer“ in Bebra, Rotenburg und Alheim.

Zu Lispenhausen baute er eine ganz besondere Verbindung auf. Hier wurde er geehrt und geschätzt. Zu vielen Einwohnern hat Fritzchen über die Jahre ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen können. Er hat erlebt, wie Kinder aufwachsen und selbst zu Eltern geworden sind. „Ich war in vielen Familien zuhause und kannte manche Leute besser, als sie sich selbst“, sagt Fritz und lacht. Auch zu ihren Vierbeinern habe er mithilfe von Streicheleinheiten und Leckerlis immer eine gute Beziehung gepflegt.

Im Osterhasenanzug mit Schlappohren und Hasenzähnen hat „Fritzchen“ jedes Jahr an Ostern die Post in Lispenhausen ausgetragen.
Im Osterhasenanzug mit Schlappohren und Hasenzähnen hat „Fritzchen“ jedes Jahr an Ostern die Post in Lispenhausen ausgetragen. © Silke Schäfer-Marg

Bei runden Geburtstagen machte er ein kleines Päuschen und feierte mit, waren seine Postempfänger im Urlaub, dann passte er auf ihre Eigenheime auf, goss die Blumen und fütterte auch die ein oder andere Katze. „Bei älteren Leuten bin ich auch durch die Kellertür gegangen und legte ihnen die Briefe und Pakete auf den Küchentisch“, erzählt der Postbeamte mit Herzblut. Zur Hauptattraktion für Kinder wurde er jedes Jahr an Weihnachten, Ostern und Halloween, wenn Fritzchen die Briefe im Kostüm auslieferte und Süßigkeiten verschenkte.

 „Diese herzlichen Menschen, der Umgang mit ihnen und die Arbeit an der frischen Luft, das wird mir wohl sehr fehlen“

Fritz Schäfer

Belohnt wurde das Unikat dafür täglich mit kleinen netten Gesten. „Vor manchen Haustüren stand immer eine Kanne mit Kaffee und eine Tasse, im Sommer bekam ich öfter Eis zur Abkühlung und im Winter warme Kost.“ Nette Botschaften mit Grüßen schrieben sogar irgendwann die Absender, die Fritz kannten, außen auf die Briefe, die er austeilte. „Diese herzlichen Menschen, der Umgang mit ihnen und die Arbeit an der frischen Luft, das wird mir wohl sehr fehlen“, sagt Fritz Schäfer, der offiziell am 1. Mai in den Ruhestand eintreten wird und zu den letzten Postbeamten gehört.

Dass er ein besonders beliebter Zusteller war, zeigte sich auch vor knapp 20 Jahren, als ihn die Lispenhäuser zum „Briefträger des Jahres“ wählten. Und das war nicht seine einzige Auszeichnung. Denn auch für seine Hilfsbereitschaft – er leistete insgesamt drei Menschen in Not Erste Hilfe – wurde er geehrt.

„Ich fand sogar mal zwei neuwertige Eheringe im Schmuckkästchen. Ich gab sie beim Fundbüro ab, doch keiner vermisste die Ringe, weshalb ich sie nach langem Warten wieder abholte. Seither liegen sie bei mir im Nachttischschränkchen“, sagt er und schmunzelt.

Doch in 50 Jahren als Briefträger hat der 63-Jährige nicht nur einiges erlebt, auch seine Arbeit hat sich sehr verändert. Angefangen hat er zu Fuß mit einer Stoßkarre, danach fuhr er die Post mit dem Fahrrad aus und in den Jahren danach mit immer größer werdenden Dienstwagen. „Schließlich wurden die Pakete ja auch immer größer und die Anzahl nahm zu. Noch vor 20 Jahren habe ich circa 35 Pakete am Tag ausgeliefert in Lispenhausen, heute sind es 100 bis 130 und vor Weihnachten waren es noch viel mehr.“ Die zunehmende Belastung und die daraus resultierenden körperlichen Beschwerden haben im Dezember auch dafür gesorgt, dass Fritz Schäfer seinen Dienst beenden musste.

„Verabschieden und bedanken wollte ich mich aber trotzdem. Deshalb habe ich vor kurzem 500 Abschiedsbriefe in Lispenhausen ausgeteilt“, sagt Fritz. Er habe bereits die ersten Rückmeldungen per Post in seinem Briefkasten erhalten und freut sich nun, diese zu lesen, anstatt sie zu verteilen.

Von Carolin Eberth

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