Eröffnung am Samstag

Ein Platz für Sternenkinder: Rotenburg schafft neues Grabfeld auf dem Dickenrück

Neue Grabstätte für „Sternenkinder“: Auf dem Friedhof Dickenrück in Rotenburg gibt es nun das spiralförmige Grabfeld. Am kommenden Samstag, 23. Oktober, ab 15 Uhr wird das Grabfeld mit einer ökumenischen Segnung seiner Bestimmung übergeben. Der kleine Festakt ist öffentlich.
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Neue Grabstätte für „Sternenkinder“: Auf dem Friedhof Dickenrück in Rotenburg gibt es nun das spiralförmige Grabfeld. Am kommenden Samstag, 23. Oktober, ab 15 Uhr wird das Grabfeld mit einer ökumenischen Segnung seiner Bestimmung übergeben. Der kleine Festakt ist öffentlich.

Einen würdevollen Abschied mit einer Beerdigung will die Stadt Rotenburg künftig auch den Eltern von sogenannten Sternenkindern ermöglichen. Der Begriff bezeichnet Kinder, die lange vor dem Schwangerschaftsende gestorben sind. Man spricht auch von Fehlgeburten oder Totgeburten.

Rotenburg - Standesbeamtin Birgit Utermöhlen und die Friedhofskommission hatten sich vor zwei Jahren für die Einrichtung eines Grabfeldes nur für Sternenkinder auf dem Friedhof Dickenrück ausgesprochen. Das spiralförmige Feld mit einem Gedenkstein soll am kommenden Samstag mit einer kleinen Feier ökumenisch eingesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden.

Rotenburg ist damit erst die zweite Stadt im Landkreis, die ein solches Grabfeld anbietet. Bisher gab es nur in Bad Hersfeld ein eigenes Grabfeld. Viermal im Jahr bieten dort der Regionale Hospizverein Bad Hersfeld, das Klinikum und die Klinikseelsorge sowie die Stadt gemeinsam Sammelbestattungen für Sternenkinder an.

In Rotenburg ist daran nicht gedacht. „Bei uns soll das individuell gehandhabt werden“, sagt Standesbeamter Fabian Burghardt, der in diesem Zusammenhang auch mit dem Hospizverein Rotenburg beraten hatte. Eltern sollen selbst entscheiden, wie sie ihr Sternenkind bestatten wollen, ob sie einen Bestatter oder einen Geistlichen hinzuziehen möchten. „Wichtig ist, dass wir einen würdevollen Abschied ermöglichen und den Eltern einen Ort zu geben, den sie zur Erinnerung aufsuchen können“, sagt der Rotenburger Standesbeamte. Bisher wurden die kleinen Körper auf Anfrage auch in einem Familiengrab beigesetzt. „Das gesonderte Grabfeld ist Neuland für uns.“

Anfragen nach einer solchen Grabstätte gab es in Bebra und Heringen bislang nicht, heißt es aus den Standesämtern. „Wir haben nur Kindergrabfelder auf jedem Friedhof“, sagt Andrea Bürger von der Friedhofsverwaltung Heringen. Es habe bislang auch noch keine Nachfrage gegeben. „Bei Bedarf würden wir aber reagieren und eine Bestattung ermöglichen.“ Ähnlich verhält es sich in Bebra, wie Mitarbeiterin Lea Fahrenbach erklärt. In der Gemeinde Alheim wurde bereits ein Grabfeld für Sternenkinder geplant und vorbereitet, teilt Mitarbeiter Jörg Moritz mit. Im nächsten Frühjahr soll das Feld auf dem erweiterten Friedhof in Heinebach fertig angelegt sein. „Wir haben uns auf die Eventualität vorbereitet. Eine konkrete Anfrage hatten wir in der jüngeren Vergangenheit nicht“, sagt Moritz.

Sternenkinder „nicht bestattungspflichtig“

Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben, werden Sternenkinder genannt. Wenn sie vor der 24. Woche und mit einem Gewicht von unter 500 Gramm tot zur Welt kommen, besteht für sie keine Bestattungspflicht. Inzwischen wollen viele Eltern eine würdige Beisetzung auch für diese Kinder. Seit 2013 können Eltern alle geborenen Kinder, unabhängig von der Schwangerschaftsdauer und dem Geburtsgewicht, standesamtlich eintragen lassen und ihnen damit auch formal eine Existenz geben.

In Bad Hersfeld gibt es vier Bestattungstermine

Viermal im Jahr bietet der Hospizverein Bad Hersfeld in Zusammenarbeit mit der Klinikseelsorge und dem Klinikum Bad Hersfeld sowie der Stadt Bad Hersfeld Bestattungen für tot- und fehlgeborene Kinder an, für die keine Bestattungspflicht besteht. Zwischen einem und sechs Kinder werden zu jedem Termin bestattet, erklärt Birgit Berger. Die Koordinatorin des Hospizvereins Bad Hersfeld gehört zu denen, die sich für ein solches Grabfeld hartnäckig eingesetzt hatten. „Für viele Eltern ist es wichtig, einen Ort zum Trauern zu haben.“

Bis zum jeweiligen Bestattungstermin werden die totgeborenen Kinder im Gefrierschrank der Pathologie aufbewahrt. In einem kleinen Sammelsarg, der von der Klinikschreinerei angefertigt wird, werden die Föten schließlich bestattet. Dazu findet eine Trauerfeier statt, zu der die Eltern eingeladen werden.

„Fast alle betroffenen Eltern nehmen diese Möglichkeit wahr“, sagt Birgit Berger. Nur wenige nähmen ihr Sternenkind mit nach Hause, um es auf dem Friedhof dort bestatten zu lassen. Bei nicht bestattungspflichtigen Kindern hätten die Eltern auch ein Anrecht darauf. Manche ließen es einem Familiengrab beilegen. Andere ließen es auf dem Sternenkinder-Grabfeld bestatten, wollten aber nicht an der Trauerfeier teilnehmen.

Noch im Klinikum-Kreißsaal werden betroffene Eltern mit einem Flyer über die Möglichkeit der Bestattung informiert. Bei Bedarf werde auch die Klinikseelsorge hinzugezogen.

Birgit Berger weist darauf hin, dass die Regionalen Hospizvereine Rotenburg und Bad Hersfeld auch im Fall von Sternenkindern für Gespräche und Informationen zur Verfügung stehen. sis

Kontakt: Regionaler Hospizverein Rotenburg, Tel. 0 66 23 / 86 20 00; Regionaler Hospizverein Bad Hersfeld: Tel. 0 66 21 / 79 47 42.

Von Silke Schäfer-Marg

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