Rotenburg

Einblicke in die Berufswelt: Schüler der Jakob-Grimm-Schule haben Firmen gegründet

Theorie in Praxis umsetzen: Das wollen die JGS-Schüler (von links, hinten) Niklas Klassen (16), Michel Hanstein (16) und Niklas Schnell (17) mit Fruit Mood, (Mitte) Lena Hartmann (17), Tirza Rebecka Unrau (15) und Adrian Brömel (15) von Jakob Clothes und Katharina Spieker (16) und Julia Emrich (16) mit ihrer Firma Vintro 7.
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Theorie in Praxis umsetzen: Das wollen die JGS-Schüler (von links, hinten) Niklas Klassen (16), Michel Hanstein (16) und Niklas Schnell (17) mit Fruit Mood, (Mitte) Lena Hartmann (17), Tirza Rebecka Unrau (15) und Adrian Brömel (15) von Jakob Clothes und Katharina Spieker (16) und Julia Emrich (16) mit ihrer Firma Vintro 7.

Als Schüler eine eigene Firma gründen – das geht an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg. Von der Idee bis zur Umsetzung liegt alles in der Hand der Jugendlichen.

Rotenburg - Im Rahmen des Kurses Schülerfirmen haben sich drei Gruppen zusammengefunden, die ihre eigenen, ganz unterschiedlichen Start-ups gegründet haben.

Bei Vintro 7 ist der Name Programm: Vintro setzt sich aus Vintage Trousers, zu deutsch alte Hosen, zusammen. Die Zahl sieben steht für die sieben Gründerinnen. Upcycling ist ihr Motto. Die Gruppe um Julia Emrich und Katharina Spieker hat es sich zur Aufgabe gemacht, in die Jahre gekommene Jeanshosen aufzupeppen. Mit Inspiration von verschiedenen Social-Media-Plattformen entwerfen sie dann ihre eigenen Designs. Durch Bemalen, Besticken und Bleichen enstehen aus alten Jeans aus zweiter Hand dann neue Schmuckstücke, die über den eigenen Onlineshop deutschlandweit verkauft werden sollen. 30 bis 40 Euro soll eine gepimpte Jeans dann kosten. Um auf sich aufmerksam zu machen, wollen die Gründerinnen ganz klassisch Flyer drucken. Damit sie ihre Zielgruppe, die sich in ihrer Altersklasse bewegt, direkt erreichen, sind sie aber auch im Internet auf Instagram und TikTok aktiv. Die App TikTok ist momentan der Hit bei den Jugendlichen. Dort gibt es Musikvideos und andere kurze Clips aus aller Welt.

Jakob Clothes

Die Firma Jakob Clothes besteht aus sechs Mädchen und vier Jungs. Sie wollen für die Schüler der Jakob-Grimm-Schule – daher der Name – T-Shirts bedrucken und damit vor allem das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern stärken. Was das Design angeht, ist die Gruppe um Adrian Brömel, Lena Hartmann und Tirza Rebecka Unrau für Vorschläge ihrer Mitschüler offen. Finanzielle Unterstützung bekommen sie in erster Linie von Eltern und Lehrern, generell kann aber jeder spenden, der möchte. Die T-Shirts sollen etwa 15 Euro pro Stück kosten. Vor allem für die Schüler bezahlbar sollen sie sein, aber auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Für die Umsetzung ihres Vorhabens haben die Zehn sogar schon einen entsprechenden Drucker aus dem Bekanntenkreis organisiert.

Fruit Mood

Die gesunde Ernährung ihrer Mitschüler liegt den Gründern von Fruit Mood am Herzen: Ihre Firma aus sechs Jungs und einem Mädchen stellt Säfte und Smoothies aus Obst und Gemüse her. Diese sollen dann für ein paar Euro am Schulkiosk verkauft werden. Den sieben Jugendlichen um Michel Hanstein, Niklas Klassen und Niklas Schnell liegt dabei neben dem Wohl der Schüler auch das der Umwelt am Herzen: Sie achten bei der Auswahl der Lebensmittel auf Bio-Qualität und bei den Materialien auf recycelbare Stoffe. Das Konzept steht und einige Rezepte haben sie auch schon ausprobiert. Das erste Produkt soll bald an den Start gehen. Nach und nach wollen sie das Angebot dann erweitern – auch Konzeptionen mit Hopfen und Koffein sind geplant.

Die Schüler sind größtenteils auf sich allein gestellt – bei Fragen steht ihnen Andreas Grunwald, Lehrer für Sport, Politik und Wirtschaft zur Seite. Der 39-Jährige, der auch Koordinator für Berufs- und Studienorientierung ist, sieht in dem Projekt viele Vorteile für die Schüler. Das theoretische Wissen aus dem Unterricht kann durch das Projekt direkt umgesetzt werden. Zudem bekommen die Schüler einen ersten Einblick in die Berufswelt. „Vor allem Themen wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie die Entstehung von Preisen können die Schüler viel besser nachvollziehen, wenn sie mittendrin sind“, sagt Grunwald.

Zwar treffen sich die Schüler alle zwei Wochen für eine Doppelstunde in der Schule, der Großteil der Arbeit findet aber zu Hause statt. Ganz unbezahlt arbeiten die 15 bis 17-Jährigen aber nicht: Jeder von ihnen bekommt einen Stundenlohn in Höhe von 50 Cent, der durch Spenden finanziert wird. Der Kurs läuft über das ganze Schuljahr. Danach können die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie die Firma weiterführen oder an die Nachfolger übergeben möchten. „Ich bin mir sicher, später einmal beruflich in diese Richtung gehen zu wollen“, sagt die 16-jährige Katharina Spieker von Vintro 7.

Sie interessiert sich schon lange für Mode und hat auch vorher schon das ein oder andere Design an ihren Klamotten ausprobiert. Die 15-jährige Tirza Rebecka Unrau hingegen hat noch keine Vorstellung, was sie nach der Schule machen will. „Der Kurs ist eine gute Möglichkeit, mal zu schauen, ob das ein Beruf für später ist“, sagt sie.

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