Karton mit Aquarellen, Bleistift- und Buntstiftzeichnungen

In einem Nachlass entdeckte Jutta Ruppel Werke eines Unbekannten

Die Nürnberger Straße kurz nach dem Krieg: Das Bild auf Papier in schlechter Qualität gehört zum Fund mit vielen Ansichten aus Heinebach und den umliegenden Dörfern. Fotos und Repros: Meyer

Rotenburg/Alheim. Für Jutta Ruppel war es, als hätte sie einen Schatz gefunden.

Im Nachlass ihrer verstorbenen Mieterin Elisabeth Blechschmidt entdeckte sie in deren Wohnung in Heinebach einen flachen Karton, randvoll mit wunderschönen Aquarellen, Bleistift- und Buntstiftzeichnungen.

Die Motive: Fachwerkhäuser und Kirchen, Gebäude-Ensembles, Landschaften. Fast alle diese Bilder entstanden zwischen 1946 und 1957, und die Bildunterschriften verrieten der Rotenburgerin Jutta Ruppel auch, wo der Künstler seine Motive fand: in den Dörfern der heutigen Gemeinde Alheim, etwa in Oberellenbach oder Hergershausen, die meisten aber in Heinebach.

Kleine Originale: Jutta Ruppel zeigt die Gemälde, die in einer Schachtel gesammelt worden waren.

Der Rotenburger Franz Mansky, der sich mit Kunst auskennt und sich im Kreisheimatmuseum engagiert, begutachtete den Fund und urteilt: „Das ist ein Könner gewesen, mit Sicherheit jemand, der das Malen gelernt hat.“ Die Bleistiftzeichnungen seien absolut perfekt.

Mansky lobt die Beherrschung der Perspektive, die Auswahl der Farben, die Ausarbeitung der Schattierungen, die Wahl der Motive. Der Künstler, urteilt Mansky, male nicht weniger gut als der bekannte Heimatmaler Peter Zirbes. Nur das Papier, darunter viele heute vergilbte Notizzettel, ist von schlechter Qualität. Mansky: „Das war so nach dem Krieg. Da hat man auf alles Mögliche gemalt.“

Signatur entziffert 

Hans Fischer - so heißt der Künstler. Die in einer Ausprägung der Sütterlin-Schrift verfasste Signatur entzifferte der pensionierte Heinebacher Grundschullehrer Wilhelm Södler für Jutta Ruppel. Nur: Wer war der Mann, der Heinebach so viel Aufmerksamkeit schenkte und den Ort auf Papier liebevoll abbildete? Von den Heinebachern, mit denen Jutta Ruppel sprach, erinnert sich niemand an den Künstler, der in den Jahren nach dem Krieg entweder in Heinebach gelebt haben oder zumindest sehr oft dort gewesen sein muss.

Ein einziges Porträt fand Jutta Ruppel zwischen Dutzenden Bildern in der Schachtel, und sie vermutet darin ein Selbstporträt des Künstlers. Es zeigt einen Mann, der etwa 40 Jahre alt sein könnte. Er hat große braune Augen, feine Gesichtszüge, einen korrekten Seitenscheitel und trägt auf dem Bild ein Sakko mit Hemd und Krawatte. Dem geheimnisvollen Maler ist Jutta Ruppel möglicherweise auf die Spur gekommen. Und möglicherweise verbirgt sich hinter den Bildern die Geschichte eines Heimatvertriebenen.

Von Achim Meyer

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