Was seit 1995 an der Fulda passiert ist

Erfolgreich gegen Hochwasser: Regierungspräsident informierte sich in Rotenburg

An der Marke des legendären 1995er-Hochwassers: von links Bürgermeister Christian Grunwald, Jens Walter und Sven Ruscher von der Oberen Wasserbehörde des RP, Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, Umweltberater und Planer Heinrich Wacker.
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An der Marke des legendären 1995er-Hochwassers: von links Bürgermeister Christian Grunwald, Jens Walter und Sven Ruscher von der Oberen Wasserbehörde des RP, Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, Umweltberater und Planer Heinrich Wacker.

Das Thema Hochwasser ist aktuell wie kaum zuvor, die Erfolge der Hochwasserentlastungsmaßnahmen an der Fulda wirken da wie ein Fingerzeig: So kann man Folgen von Überflutungen erheblich mindern.

Rotenburg - Auch Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber war beeindruckt, als Planer Heinrich Wacker am Montag in Rotenburg die Arbeiten seit 1995 erläuterte. Denn gleich nach dem legendären Hochwasser hatte man in der Stadt Überlegungen angestellt, wie die extremen Folgen von Hochwasser künftig verringert werden könnten. Das nicht zuletzt deshalb, weil sich eine Bürgerinitiative gegründet hatte und entsprechende Forderungen an die Stadt stellte. Das Hochwasser 1995 hatte Schäden in Millionenhöhe hinerlassen.

Vom schmalen, tiefen Flüsschen zum Fluss: Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber staunt über die Erklärung von Heinrich Wacker, dass die kleine Insel in der Mitte der Fulda vor der Renaturierung Teil des linken Fuldaufers war. Das Flussbett zwischen neuer Fuldabrücke und Wittichsteg ist von 22 auf 60 Meter verbreitert worden.

Ab 1996 wurde fünf Jahre lang gebaut beziehungsweise eine halbe Million Kubikmeter Erde bewegt, um Platz für Wasser aus Schneeschmelze und Wettertiefs zu schaffen, die regelmäßig im Winterhalbjahr zu Überschwemmungen führten. Hilfreich dabei, so erklärte Wacker während eines Spaziergangs entlang der Fulda bis zum Vogelwäldchen, waren auch Karten von 1800, die den damaligen Flussverlauf zeigten. Verschüttete Altarme und Verbindungen zu Kiesseen wurden wiederentdeckt und freigelegt. Flutmulden wurden geschaffen, um den Fluss zu verlangsamen. Dabei war zum Beispiel ein alter Flussarm entdeckt worden, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts verfüllt worden war und den man um drei Meter wieder absenkte. Im Erdreich entdeckte man Geschirr aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, Schutt vom Zweiten Weltkrieg und Erdaushub vom Bau des ehemaligen Kreisaltenzentrums. Allein dabei mussten 78 000 Kubikmeter Aushub sortiert und weggebracht werden.

„Einer unserer Ansprüche dabei war, das Ganze naturnah zu gestalten“, erklärte Wacker. Von Hochwasserschutz spricht er nicht, weil nicht die Erwartung geschürt werden soll, man könne sich langfristig vor Hochwasser schützen. Aber Entlastung sei möglich, besonders, wenn die Maßnahmen am Fluss durch andere flankiert würden. Im Wald zum Beispiel könne man, so wie noch vor zehn Jahren, wieder Flutgräben als Puffer für Wasser einrichten. Inzwischen gehe der Trend fälschlicherweise eher dahin, das Wasser schnell aus dem Wald zu leiten.

Regierungspräsident Klüber nannte die Fuldarenaturierung „intelligent geplant und finanziert“ mit einem nachhaltigen Ergebnis. Sie sei Vorbild für andere Regionen und sollte nicht an der Kreisgrenze stoppen.

Von Silke Schäfer-Marg

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