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Ergebnisse der Kompass-Befragung: Verkehr sorgt Bürger in Rotenburg mehr als Kriminalität

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Von: Christopher Ziermann

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Stellten den Zwischenstand des Kompass-Sicherheitsprogramms für Rotenburg vor: von links Kriminalhauptkommissar Ralph Bingel, Schutzmann vor Ort Stephan Glock, Familienzentrum-Leiterin Ann-Cathrin Kolar, Polizeidirektionsleiter Christian Golomb und Bürgermeister Christian Grunwald.
Stellten den Zwischenstand des Kompass-Sicherheitsprogramms für Rotenburg vor: von links Kriminalhauptkommissar Ralph Bingel, Schutzmann vor Ort Stephan Glock, Familienzentrum-Leiterin Ann-Cathrin Kolar, Polizeidirektionsleiter Christian Golomb und Bürgermeister Christian Grunwald. © Christopher Ziermann

Den Rotenburger Bürgern bereitet bei ihrem Sicherheitsgefühl die Verkehrssituation in der Stadt mehr Sorgen als die Angst vor Kriminalität.

Rotenburg – Das wurde am Donnerstagabend bei der Sicherheitskonferenz im Rahmen des Kompass-Programms betont, bei der Polizei und Stadt unter anderem das Ergebnis der Bürgerbefragung aus dem Jahr 2020 vorstellten.

Demnach nannten 54 Prozent der 943 Teilnehmer das Thema Verkehr als dringliches Problem, lediglich 37 Prozent sahen das bei der Kriminalität so – obwohl damals noch die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in der Alheimer-Kaserne in Betrieb war. Die Vorbehalte und Ängste von Teilen der Bevölkerung waren ein Grund gewesen, warum Rotenburg als eine der ersten Städte in Hessen Interesse an dem 2018 vom Innenministerium eingeführten Programm zur Verbesserung der Sicherheit in Kommunen bekundet hatte.

Flüchtlingsunterkunft hat sich tatsächlich auf die Kriminalstatistik ausgewirkt

Der Zwischenstand wurde am Donnerstag Vertretern unter anderem aus Kommunalpolitik und Akteuren wie Familienbeirat, Schulen, Kirchen und Sozialarbeit vorgestellt. Christian Golomb (Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg) und Kriminalhauptkommissar Ralph Bingel nannten im Wesentlichen nur einen Punkt, bei dem sich die Flüchtlingsunterkunft tatsächlich auf die Kriminalstatistik ausgewirkt habe: Die Zahl der Diebstähle war in Rotenburg 2018 mit 233 deutlich höher als im vergangenen Jahr mit 149. Bei anderen Delikten wie Sexualstraftaten und Körperverletzungen seien die Zahlen im Vergleich zu anderen Kommunen unauffällig.

Allerdings tragen „fremd aussehende Menschen“ bei einem Teil der Rotenburger zu einer Beeinträchtigung des subjektiven Sicherheitsgefühls bei, wie in der Bürgerbefragung deutlich wurde. Bei den ermittelten „Angstorten“ (vor allem Marktplatz, Schlosspark und Bahnhof) gaben viele Teilnehmer als Grund für ihre Angst neben Pöbeleien, Alkohol- und Drogenkonsum „Gruppen junger Männer unbekannter Herkunft“ an – dabei ging es nicht darum, ob es tatsächlich zu Zwischenfällen gekommen war.

Die Teilnehmer bewerteten ihre persönliche Lebensqualität durchschnittlich mit der Schulnote 2,6

Dazu sagte Brigitte Meyer-Christ von der Integrationskommission der Stadt: „Diese Vorbehalte nehmen auch Geflüchtete stark wahr. Dass sie nun auch in der Befragung so häufig geäußert wurden, bestätigt noch mal, dass wir uns der Sache annehmen und noch mehr Begegnungsmöglichkeiten schaffen müssen, die dieses Fremdheitsgefühl abbauen.“ Golomb und Bingel betonten, dass das Ergebnis der Befragung im Vergleich zu anderen Kommunen gut sei. Die Teilnehmer bewerteten ihre persönliche Lebensqualität durchschnittlich mit der Schulnote 2,6.

Beim Thema Verkehr sah sich Bürgermeister Grunwald im Kurs der Stadt bestätigt, für Veränderungen zu sorgen. „Die Ängste der Leute beziehen sich nicht auf das Recht der Autofahrer – sondern auf die Rechte der Schwächsten wie Kindern und Radfahrern“, sagte er. Verkehrsberuhigung wie im Steinweg sei der richtige Weg. Unter anderem wurde im Zuge der Kompass-Auswertungen die zusätzliche Funktion der Bauminseln als „Rammschutz“ gelobt.

Es werden Mittel für zwei weitere halbe Stellen für Hilfspolizeibedienstete bereitgestellt

Ein Nahmobilitätskonzept für Rad- und Fußwege gehört nun zur Prävention im Rahmen des Kompass-Projektes. Auch bei der Neugestaltung des Fuldaufers ist eine neue Radwegeführung Teil der Planung.

Für den „Angstort“ Schlosspark, bei dem vor allem Bedenken bei Dunkelheit genannt wurden, liegt ein neues Beleuchtungskonzept bereits seit anderthalb Jahren fertig bereit, sagte MER-Geschäftsführer Torben Schäfer. Grund für die Wartezeit seien Prüfungen von Naturschutz und Denkmalpflege.

Ein weiterer Beschluss, der für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen soll, ist in der Stadtverordnetenversammlung bereits gefallen. Auf Antrag der UBR werden Mittel für zwei weitere halbe Stellen für Hilfspolizeibedienstete – also Politessen – bereitgestellt. Die Besetzung der Stellen erfolgt in Kürze.

Häusliche Gewalt habe durch Corona nicht zugenommen in umliegenden Landkreisen

Eine Befürchtung, die wegen der coronabedingten Lockdowns geäußert wurde, hat sich nicht bestätigt. Pfarrer Lars Niquet fragte, ob häusliche Gewalt zugenommen habe. Das verneinte die Polizei für ihren Zuständigkeitsbereich, der neben Hersfeld-Rotenburg auch die Kreise Fulda und Vogelsberg umfasst. „Im ländlichen Raum hat diese Problematik glücklicherweise nicht zugenommen. Hier gibt es mehr Ausweichmöglichkeiten als in Großstädten“, sagte Bingel.

Bingel und Golomb lobten die schon jetzt in Rotenburg geleistete Arbeit im sozialen Bereich – etwa im Präventionsrat, zu dem Schulen, Kinder- und Jugendhilfe, Drogenhilfe und Behindertenbeauftragte gehören. „Hier wird unglaublich viel ehrenamtliche Arbeit geleistet“, sagte Golomb. In Rotenburg könne man sicher leben. Dennoch gelte es, mit Ehrenamtlichen und Bürgern im Gespräch zu sein, was den Alltag in der Fuldastadt und ihren Ortsteilen lebenswerter machen könne.

Erneut wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der im Rahmen von Kompass eingestellte Schutzmann vor Ort, Stephan Glock, jederzeit für alle ansprechbar sei. Bevor die Stadt das Kompass-Siegel bekommt, findet noch einmal eine Sicherheitsanalyse statt. (Christopher Ziermann)

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