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Esther Jaekel leitet die Rotenburger Polizeistation

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Von: Christopher Ziermann

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Nun auch zu Hause in Uniform: Esther Jaekel leitet die Polizeistation in ihrer Heimatstadt.
Nun auch zu Hause in Uniform: Esther Jaekel leitet die Polizeistation in ihrer Heimatstadt. © Christopher Ziermann

Nach 34 Jahren im Polizeidienst ist Esther Jaekel zurück in der Heimat. Seit dem 1. Juli leitet sie die die 53-jährige Braacherin die Rotenburger Polizeistation.

Rotenburg – Die Chaos-Tage von Hannover, der Prozess gegen Armin Meiwes, der G20-Gipfel in Hamburg: Esther Jaekel hat in ihren mittlerweile 34 Jahren im Polizeidienst schon viel erlebt. Nun ist die Braacherin beruflich zurück in der Heimat. Seit dem 1. Juli leitet sie die Rotenburger Polizeistation. Zuvor hatte die 53-Jährige ab 2008 bei der Autobahnpolizei in Bad Hersfeld als Dienstgruppenleiterin gearbeitet.

„Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Rotenburg ist wie ein Familienbetrieb“, sagt die neue Chefin. Als junge Frau hat sie bei der Bereitschaftspolizei unter anderem im Frankfurter Bahnhofsmilieu gearbeitet. „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Solche Einsätze verändern einen“, sagt Jaekel. Deswegen war für sie immer klar, dass sie irgendwann in Richtung Heimat zurück möchte. Schon mit 24 Jahren hatte sie, nur ein Jahr nach der abgeschlossenen Ausbildung im Mittleren Dienst, als Gruppenführerin erstmals Personalverantwortung.

So auch bei den Chaostagen von Hannover, als sie gerade 26 war. Dieser Einsatz, bei dem es zu heftigen Auseinandersetzungen der Punker-Szene mit der Polizei kam, hat sich eingeprägt. „Damals gab es noch keinen Knopf im Ohr. Wir wurden von einem Hubschrauber aus koordiniert – in einem Ausmaß von Krawallen, das man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.“

Seit diesen Tagen hat sie auch ihr Mantra, das noch heute gilt: Das oberste Gebot ist, dass alle Kollegen aus dem Einsatz gesund nach Hause kommen. Das glückte ihr und ihrem Zug damals. Aus den Erfahrungen lernte nicht nur Jaekel sondern die gesamte deutsche Polizei. Die Expo vier Jahre später, bei der die heute 53-Jährige wieder dabei war, verlief ruhig.

Dass große Einsätze auch vor der eigenen Haustür passieren, erfuhr sie 2001. Seit einem Jahr arbeitete sie im neu gegründeten Polizeipräsidium Osthessen bei der Koordinierung in der Leitstelle in Fulda. „Kennst du Atzelrode?“ – „Ja, das ist mein Nachbardorf.“ – „Armin Meiwes?“ Jaekels Antwort war die Gleiche wie die vieler anderer Rotenburger: Ja, den kennt man vom Sehen.

So war die Einheimische prädestiniert für die Aufgabe der Gerichtsbeobachterin. Sie saß 2003 und 2004 in Zivil im Prozess am Landgericht Kassel – als Ansprechpartnerin für Kollegen, die aussagen mussten, aber auch um im Präsidium Bericht zu erstatten und Anregungen weiterzugeben. Zu dieser Zeit war sie auch schon mal ein dreiviertel Jahr als Leiterin der Dienstermittlungsgruppe in Rotenburg.

Ab 2008 arbeitete die Rotenburgerin dann als Dienstgruppenleiterin bei der Autobahnstation in Bad Hersfeld, ab 2019 auch als Vertreterin des Stationsleiters. 2021 war sie für ein dreiviertel Jahr nach Alsfeld abgeordnet, bevor sie dann nach einem nochmaligen Zwischenstopp in Bad Hersfeld die Stelle in ihrer Heimatstadt antrat.

Wie ist Ihre Art als Chefin? Esther Jaekel überlegt kurz und sagt dann: „Ich erwarte von den Kollegen nur das, was ich selbst vorlebe. Wichtig sind mir ein kollegiales Miteinander und dass man offen Probleme anspricht.“ Respekt ist ihr wichtig, dabei ist sie aber auch nahbar. Am ehesten trifft man sie in ihrer Freizeit natürlich in Braach oder Rotenburg – im Biergarten Hafermas, auf dem E-Bike oder auch mal auf dem Tennisplatz. Ihre Vereinsspiele absolviert sie allerdings in Neuhof. Dort landete sie durch eine Kollegin aus der Zeit in Fulda.

Jaekel lebt zwar schon seit über 20 Jahren wieder in Braach „und ich war ja immer Polizistin“ – seit ihrem Dienstantritt als Chefin wird sie aber schon „mit anderen Augen angeguckt“ und öfter angesprochen. Das findet sie gut. Wenn aus der Bevölkerung Anregungen kommen, könne man schließlich auch darauf hinwirken, dass manche Probleme gar nicht erst akut werden. „Wir sind als Polizei für die Bürger da“, sagt Esther Jaekel. Deswegen sei auch die Kommunikation mit den Kommunen wichtig. Sie hat sich gefreut, dass zu ihrem Amtsantritt auch die Rathauschefs von Bebra, Alheim, Wildeck, Ronshausen, Nentershausen und Cornberg da waren.

Die 53-Jährige engagiert sich auch dort, wo es nicht die ganz große Aufmerksamkeit gibt: Im Personalrat und im Vorstand des Landesfrauenverbands der Gewerkschaft. Ein besonderes Anliegen ist ihr die International Police Association – dort vernetzen sich Polizisten und Menschen aus ähnlichen Berufsfeldern wie dem Zoll weltweit. „Da bin ich durch Auslandsaufenthalte reingerutscht“, sagt sie. Jaekel war zum Beispiel schon dreimal für mehrere Wochen in Neuseeland. Solche ausgedehnten Reisen sind in ihrer neuen Position wohl nicht mehr so leicht umzusetzen – und doch scheint die Polizeihauptkommissarin eindeutig angekommen zu sein.

Ihr offizieller Dienstauftakt war der Strandfest-Freitag – und das Heimatfest war wie ein Willkommensgeschenk. „Nach zwei Jahren ohne größere Feste ist auch bei der Polizei nicht so ganz klar, was einen da erwartet. Wir haben uns ausführlich vorbereitet – und dann ist es ein absolut ruhiges und einfach schönes Strandfest geworden“, sagt Esther Jaekel. Ihr Mantra wurde erfüllt: Alle Kollegen gingen nach dem Dienst gesund und wohlauf – und wahrscheinlich auch glücklich – nach Hause. (Christopher Ziermann)

Zur Person

Esther Jaekel (53) wurde 1968 in Rotenburg geboren und wuchs zunächst in Solz und dann in Braach als Einzelkind auf. Nach dem Abitur 1988 an der Jakob-Grimm-Schule ging sie zur Landespolizei – für sie ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging. Nach der Ausbildung und drei Jahren im Mittleren Dienst bei der Bereitschaftspolizei absolvierte sie in Kassel das Studium für die Kommissarslaufbahn. Bis 2000 war sie in Hanau, Gelnhausen und Lich stationiert, dann wechselte sie zum Polizeipräsidium Osthessen. Seitdem lebt Jaekel wieder in Braach. Sie ist verheiratet und hat keine eigenen Kinder. czi

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