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Fahrlehrer-Mangel im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Zweigstellen müssen schließen

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Von: Carolin Eberth

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Nachwuchssorgen bei Fahrschulen im Landkreis: Fahrlehrer werden händeringend gesucht, wie Fahrschulleiter Aribert Kirch erzählt. An Schülern herrsche dagegen kein Mangel.
Nachwuchssorgen bei Fahrschulen im Landkreis: Fahrlehrer werden händeringend gesucht, wie Fahrschulleiter Aribert Kirch erzählt. An Schülern herrsche dagegen kein Mangel. © Carolin Eberth

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg müssen Führerscheinklassen gestrichen werden, weil es an Fahrlehrern mangelt. Die Gründe dafür erklärt Aribert Kirch, Vorsitzender der Fahrlehrervereinigung.

Hersfeld-Rotenburg – Es mangelt im Landkreis Hersfeld Rotenburg an Fahrlehrern. Und zwar so sehr, dass sich die Fahrschulen ihr Personal regelrecht gegenseitig abwerben, wie Fahrschulleiter Aribert Kirch erzählt, der auch Vorstandsvorsitzender der Fahrlehrervereinigung Hessen ist.

„Einige Fahrschulen müssen sogar ihre Zweigstellen schließen, andere streichen Führerscheinklassen, um den Fahrlehrermangel kompensieren zu können“, sagt Kirch. Eine Folge von Corona sei der Mangel nicht. Bereits vor der Pandemie hätte es das Problem gegeben, das immer größer werde.

Das Defizit sei tatsächlich so problematisch, dass er und weitere Fahrschulleiter darauf setzen, dass Besitzer des Fahrlehrerscheins, die nicht mehr als Fahrlehrer arbeiten, wieder in den Beruf einsteigen oder zumindest in Teilzeit diesen Job wieder ausführen. „Sie würden aktuell bei fast allen Fahrschulen mit Kusshand genommen werden.“

Der Grund für die Knappheit sei nicht der Beruf an sich, denn Kirch habe immer wieder mit Menschen zu tun, die gerne umschulen würden. „Allerdings gibt es einen enormen Haken: Eine circa einjährige Umschulung kostet mindestens 10 000 Euro, die vom Arbeitsamt nur selten oder gar nicht gefördert wird.

Dazu kommt, dass die Auszubildenden in dieser Zeit nichts verdienen. Für die meisten ist dieser Kostenaufwand nicht möglich.“ Dieser Grund habe auch dazu geführt, dass Kirch, der seit drei Jahren die Lizenz zum Ausbilden besitzt, noch keinen Auszubildenden hatte, der die Ausbildung bei ihm abschloss.

„Dabei ist das ein sehr attraktiver und abwechslungsreicher Beruf. Man lernt viele neue Leute kennen, ist selbstständig und kann sich seinen Tagesablauf selber einteilen“, sagt Kirch und fügt schmunzelnd hinzu, dass man jedoch geduldig sein müsse.

Jüngst habe es Aribert Kirch auch in seiner eigenen Fahrschule getroffen: Einer seiner Mitarbeiter, der seit über 15 Jahren bei ihm arbeitete, habe seine Fahrschule verlassen und sei zur Bundespolizei in Rotenburg gewechselt. „Früher bedienten sich die Fahrschulen aus dem Pool der Fahrlehrer, die bei Behörden ausgebildet wurden.

Heute ist es so, dass Behörden von örtlichen Fahrschulen Fahrlehrer übernehmen, die dort schließlich dringend fehlen.“ Dies habe nun dazu geführt, dass Kirch mit 65 Jahren seine Arbeitszeit aufstocken musste, obwohl eigentlich das Gegenteil geplant war.

„Ich habe sogar überlegt, ob ich neben der Lkw-Ausbildung, die ich bereits seit vier Jahren nicht mehr anbieten kann, auch noch die Führerscheinklassen für Motorrad abgebe – aber das konnte ich bisher noch verhindern.“ Jetzt habe er noch vier weitere Fahrlehrer in seiner Schule.

Lange Wartezeiten bis zur Prüfung

Die Zeit von der Anmeldung zum Führerschein bis zum Tag der Prüfung wird immer länger. Teilweise müssen Fahrschüler monatelang auf einen Termin warten. Dafür gibt es mehrere Gründe – vom Fahrlehrermangel bis hin zu Prüfungsordnungen.

„Bis 2009 war der Erwerb des Führerscheins recht praktisch geregelt. Die Schüler gingen in eine Fahrschule, diese erledigte die Formalitäten und dann konnten sie direkt nach ihrer Ausbildung die Prüfungen in der Fahrschule ablegen. Davor zahlten sie die Prüfgebühren und alles war zeitnah und ohne großen Aufwand zu erledigen“, erzählt Fahrschulleiter Aribert Kirch.

Doch mittlerweile müsse der Fahrschüler mit seinem Führerscheinantrag selbst zum Einwohnermeldeamt gehen und sich auf lange Wartezeiten einrichten. „Dann muss der Antrag von der Führerscheinstelle weiter bearbeitet werden. Hier dauert es unglaubliche drei Monate und mehr, bis es zur Bearbeitung kommt. Wenn man dann endlich die Zulassung hat, nimmt die Bürokratie ihren weiteren Lauf.“

Denn um überhaupt an einer Prüfung teilnehmen zu dürfen, muss ein Gutschein in Höhe der Prüfgebühr erworben werden. Mit dem Gutschein dürfen die Schüler dann die Prüfung ablegen.

„Allerdings nicht mehr in der Fahrschule. Sie müssen bis nach Bad Hersfeld in das Industriegebiet. Haben sie dann die theoretische Prüfung bestanden, müssen sie sich einen neuen Gutschein besorgen, um an der praktischen Prüfung teilnehmen zu können. Die Prüftermine beantragt die Fahrschule und mit ein wenig Pech bekommt die Fahrschule von ihren beantragten Prüfplätzen nur die Hälfte zugeteilt. Also muss wieder gewartet werden“, schildert Kirch und hofft, dass beschleunigt an der Digitalisierung der Anträge gearbeitet wird.

„Das Einwohnermeldeamt Bebra hat dankenswerterweise schon reagiert und die Bearbeitungsdauer von zwei Monaten ist Geschichte. Anders sieht es bei der Führerscheinstelle aus. Dadurch, dass in den letzten Jahren Personal abgebaut wurde, und gleichzeitig der Arbeitsaufwand gestiegen ist, liegen viele zu bearbeitende Anträge auf Halde.“

Verschärfend komme hinzu, dass alte Führerscheine umgeschrieben werden müssen und dadurch die Mitarbeiter der Führerscheinstelle zusätzlich belastet seien.

„Landrat Warnecke hat das Problem erkannt und als Lösung sollen weitere Stellen für die Führerscheinstelle eingerichtet werden. Außerdem wird mittwochs das Amt für den Publikumsverkehr gesperrt, um mehr Zeit für die Bearbeitung der Anträge zu haben. Das ist lobenswert, dauert aber bis zu einer Entspannung der Lage leider zu lange. Eine Bearbeitungszeit von zwei bis drei Monaten ist nicht hinnehmbar.“

Durch das Monopol bei den Fahrerlaubnisprüfungen habe über die Jahre eine Entwicklung stattgefunden, die mit Kundenfreundlichkeit nichts mehr zu tun habe.

„Das wird sich ändern, wenn laut Koalitionsvertrag das Monopol fällt. Hieran hat die Fahrlehrervereinigung einen maßgeblichen Anteil. Denn die Fahrlehrervereinigung arbeitet daran, dass es zügig umgesetzt wird.“ Die Knappheit bei Prüfplätzen sowie Gutscheine zur Bezahlung werde es dann in dieser Form nicht mehr geben und auch lange Wege zum Prüfort würden dann hoffentlich der Geschichte angehören.

(Carolin Eberth)

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