Umweltsünder treiben ihr Unwesen

Förster schlägt Alarm: Wald wird zur  Müllkippe

+
Da liegt der Hausrat: Auf dem Alheimer-Rundweg sieht es aktuell noch so aus. Revierförster Lochmann hofft, dass er beim Wegräumen Unterstützung von der Stadt Rotenburg bekommt.

Was der Alheimer Revierförster in den vergangenen Tagen im Wald entdeckt hat, macht erst einmal sprachlos. 

Alte Silage, altes Stroh, Mist und tote Ferkel, dazu noch Grasschnitt, Gehölzschnitt, Bauschutt, alte Fundamente und Sperrmüll sowie Hausmüll – das alles hat Förster Thomas Lochmann in seinem Revier Alheim gefunden und das auch in jüngster Zeit.

So konnte der Forstbeamte in der vergangenen Woche einen Schlepper fotografieren und den Fahrer anzeigen, der offenbar Grünabfälle im Wald entsorgen wollte. Es ist ein Irrglaube, dass Grasschnitt und Gehölze den Wald nicht belasten. „Gerade der Waldrand, wo viele abladen, hat eine wichtige ökologische Funktion und ist Lebensraum für viele Insektenarten und Vögel“, erklärt der Förster.

Seit 2012 verantwortlich für das Forstrevier Alheim: Thomas Lochmann. 

Und: „Besonders verdämmende Materialien wie Grasschnitt und Silage, die kaum Luft und Licht durchlassen, führen zum Absterben der Vegetation. Durch eine Überdüngung wachsen später stickstoffliebende Arten wie Brennnesseln, die typische standortgerechte Pflanzen, darunter auch Blühpflanzen verdrängen.“ Außerdem habe der Waldrand neben seiner Schutzfunktion für den Wald auch eine ästhetische Bedeutung für erholungssuchende Wanderer etwa. Wer große Mengen organischen Abfalls etwa mit dem Schlepper in den Wald bringt, könne obendrein auch noch die sensiblen Waldränder kaputt fahren.

Schwere Hindernisse haben Umweltsünder auch auf dem Alheimer-Rundweg hinterlassen: Dort liegt eine große Menge Hausrat. Wanderer können den Weg kaum passieren, Forstfahrzeuge überhaupt nicht.

Die Belastung des Waldes durch illegale Ablagerung hat nach Beobachtung von Thomas Lochmann zugenommen. Er leitet seit 2012 das etwa 1800 Hektar große Revier rund um den Alheimer, also etwa von Seifertshausen bis Heinebach. Auch Teile von Licherode gehören noch dazu.

Dass er und seine Mitarbeiter sich in dieser Zeit, in der der Wald durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall so stark belastet ist, noch mit Müllsündern und Müllentsorgung plagen müssen, ärgert den Revierleiter: „Die Menschen richten Schaden an auf Kosten der Natur und der Steuerzahler.“ Logisch, denn der Müll muss entsorgt werden. Das kostet Geld, vor allem aber Zeit. Zeit, die die Waldarbeiter nicht haben: „Wegen der Coronakrise haben wir auch Personalprobleme“, sagt der 58-jährige Lochmann. Mitarbeiter aus Osteuropa fehlten nun. 25 000 Pflanzen müssen in dieser Woche, sogar über Ostern, in die Erde gebracht werden. „Da haben wir keine Hand frei, Müll wegzuschaffen“, sagt Lochmann. Eichen und Buchensetzlinge warten darauf, eingepflanzt zu werden. Auf freiwillige Helfer, von denen es in den vergangenen Wochen viele gab, und über deren Engagement sich Lochmann gefreut hat, müssen die Profis wegen Corona verzichten.

Warum es gerade jetzt so viele Ablagerungen gibt? Gehölze und Rasenschnitt sind typisch für die Jahreszeit, weiß Lochmann. Und die Osterfeuer, bei denen üblicherweise viel Gehölzschnitt verbrannt wird, fallen in diesem Jahr aus. Doch könnte man die Grünabfälle auch auf seinem eigenen Grundstück kompostieren oder zum Biomassehof in Rotenburg bringen, schlägt der Förster vor.

Umweltsünder werden jedenfalls immer angezeigt und mit hohen Bußgeldern bestraft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.