Sie kritisieren Maskenpflicht und Co.

„Freiheitsboten“ spazieren durch Bad Hersfeld: Mit Kerzenlicht gegen die Coronapolitik

Nehmen an den Spaziergängen teil: Ein Mann aus Neuenstein, der nicht namentlich genannt werden möchte, und Uli Rudolph aus Rotenburg (rechts).
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Nehmen an den Spaziergängen teil: Ein Mann aus Neuenstein, der nicht namentlich genannt werden möchte, und Uli Rudolph aus Rotenburg (rechts).

Maskenpflicht? Finden die „Freiheitsboten“ aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg nicht gut. Die täglich in unserer Zeitung veröffentlichten Coronazahlen? „Panikmache“, meinen sie.

Hersfeld-Rotenburg - Kritiker der Coronapolitik treffen sich seit Wochen montagabends in der Bad Hersfelder Innenstadt, um mit Spaziergängen und Kerzen gegen die pandemiebedingten Alltagseinschränkungen zu protestieren. Wir haben uns mit zwei dieser selbst ernannten „Freiheitsboten“ unterhalten.

Warum eigentlich „Freiheitsboten“? „Weil wir unsere Freiheit zurückhaben wollen“, sagt Uli Rudolph aus Rotenburg. Der 62-Jährige nimmt seit November an den Spaziergängen teil, zu denen sich Mitstreiter über das soziale Netzwerk Telegram verabreden. Die Bad Hersfelder Ortsgruppe hatte am Montag 119 Mitglieder. Einen Organisator der Spaziergänge gibt es offiziell nicht.

Viele der Teilnehmer – gestern Abend waren es rund 30, die von der Polizei begleitet wurden – kritisieren, dass sie im Zuge der Corona-Verordnungen teils ihrer Grundrechte beraubt würden. Das sagt zumindest auch ein Teilnehmer aus Neuenstein, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er betont, dass er kein Coronaleugner sei. „Natürlich gibt es Menschen, die durch Corona besonders gefährdet sind“, sagt er. Die Regeln, die jetzt gelten, seien aber übertrieben.

Die Männer aus Rotenburg und Neuenstein kannten sich bis vor wenigen Wochen nicht. Die allwöchentlichen Spaziergänge haben sie zusammengebracht. Ihnen geht es nicht darum, mit der Teilnahme an den Spaziergängen die öffentliche Ordnung zu stören, „sondern vielmehr darum, sie auf friedliche Art und Weise wiederherzustellen“, wie es der Mann aus Neuenstein ausdrückt. Provokationen Einzelner seien zwar nicht auszuschließen, sagt er, „aber wir sind keine Randalierer. Diese würden wir aussortieren.“

Die Polizei teilt auf Nachfrage mit, dass die Spaziergänge, die von der Stadt Bad Hersfeld übrigens nicht als Versammlung eingestuft werden, bislang friedlich verlaufen seien. „Es gab bisher keinerlei Vorkommnisse“, sagt Polizeisprecher Patrick Bug.

Besonders kritisieren die beiden „Freiheitsboten“ auch die Bedeutung der Coronatests, auf deren Basis die Gesundheitsämter täglich über die Coronalage aus den Kreisen und Großstädten an das Robert-Koch-Institut (RKI) berichten. „Positiv getestet sagt gar nichts über eine Infektion aus“, behauptet Rudolph.

Das sieht man im Gesundheitsamt des Landkreises anders. „Das PCR-Verfahren gilt nach wie vor als Goldstandard“, sagt Sprecher Pelle Faust. Laut Aussagen des RKI sei bei korrekter Anwendung der Tests und fachkundiger Beurteilung der Ergebnisse von einer „sehr geringen Anzahl falsch positiver Befunde“ auszugehen. Die Einschätzung der Gesamtsituation in Deutschland werde demnach nicht verfälscht. „Diese Einschätzung ist wichtig, um einer weiteren Ausbreitung des Infektionsgeschehens mit den richtigen Maßnahmen entgegenwirken zu können“, sagt Faust.

Ebenfalls nicht abfinden wollen sich die Freiheitsboten mit der Verpflichtung, an bestimmten Orten einen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. „Wir werden genötigt, eine Maske aufzusetzen, sonst werden wir zur Kasse gebeten“, kritisiert Rudolph, der auch schon zu Demonstrationen in größere Städte gereist ist und normalerweise mit Energie- und Telekommunikationsberatung sein Geld verdient. Wegen der Kontaktbeschränkungen könne er seiner Arbeit jedoch derzeit nicht nachgehen: „Haustürgeschäfte gehen ja im Moment schlecht.“

Und die Hoffnung auf den Impfstoff, der gestern zugelassen worden ist? Interessiert sie nur am Rande. „Ich lasse mich nicht impfen“, sagt Uli Rudolph, „schon gar nicht, wenn der Impfstoff in nur einem halben Jahr entwickelt wurde“ (Sebastian Schaffner)

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