Viele Stunden im virtuellen Warteraum

Frust bei der Terminvergabe: Anmeldung für Corona-Impfung sorgt erneut für Probleme

Im virtuellen Warteraum: Der 82-jährige Heinz Schlegel, Kreisbeigeordneter und Rotenburger CDU-Stadtverordneter, versuchte den gesamten Mittwoch über, einen Impfermin zu ergattern. Das allerdings zunächst nur telefonisch. Erst nachmittags versuchte er es übers Internet.
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Im virtuellen Warteraum: Der 82-jährige Heinz Schlegel, Kreisbeigeordneter und Rotenburger CDU-Stadtverordneter, versuchte den gesamten Mittwoch über, einen Impfermin zu ergattern. Zunächst nur telefonisch, am Nachmittag auch über das Internet.

Auch die zweite Runde bei der Terminvergabe für die Corona-Schutzimpfung hat bei vielen über 80-Jährigen und ihren Angehörigen im Kreis Hersfeld-Rotenburg für Frust gesorgt.

Hersfeld-Rotenburg - Zahlreiche Menschen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg berichteten am Mittwoch davon, dass sie stundenlang an der Hotline nicht durchgekommen seien. Mitarbeiter in den Callcentern hätten zwischenzeitlich von technischen Problemen gesprochen und davon, dass derzeit keine Termine vergeben werden könnten. Andere, die ihr Glück im Internet versuchten, steckten in einem „virtuellen Warteraum“, wurden dort aber teils über mehrere Stunden hinweg nicht abgeholt. Auch fuldaerzeitung.de* berichtet über einen Ansturm auf die Terminvergabe - und stundenlanges Warten.

„Ich hab’s bestimmt 70 bis 90 Mal probiert“, sagte etwa Horst Hofmann aus Heringen gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 83-Jährige hatte sich bereits in der ersten Anmelderunde vor drei Wochen um einen Impftermin bemüht – vergeblich. Gestern zahlte sich seine Ausdauer am Hörer aber letztlich aus. „Plötzlich kam ich durch und dann hat alles geklappt.“ Mitte Februar soll er nun in Rotenburg seine erste Impfung erhalten.

Weniger Glück hatte vorerst Elfi Schade aus Weißenhasel, die ihre 89-jährige Mutter und ihren 87-jährigen Onkel für die Impfung anmelden wollte – bis zum Nachmittag ohne Erfolg. „Mal hieß es, die Systeme sind überlastet, mal war dauerbesetzt“, erzählte sie. Beide, Mutter und Onkel, hätten sich per Post für eine Hausimpfung angemeldet, weil ihnen der Weg nach Fulda zu beschwerlich sei. Da aber am kommenden Dienstag das Impfzentrum in Rotenburg öffnet, würden sie nun auch nach Rotenburg fahren.

Innenministerium: Probleme wurden schnell gelöst

Auch im Landratsamt haben sich laut Kreis-Sprecher Pelle Faust gestern Menschen gemeldet, die Rat suchten. „Da wir keinen Einfluss auf die Terminvergabe haben, konnten wir nur um Geduld bitten und an die bekannten Telefonnummern und Internetseiten verweisen“, so Faust.

Das Innenministerium verkündete hingegen schon am Vormittag: „Das große Interesse der Impfberechtigten hat nicht zu einer technischen Überlastung des Anmeldeverfahrens geführt.“ Es laufe zuverlässig und stabil. An der Hotline sei es anfangs zwar vereinzelt zu Fehlermeldungen gekommen, „da bei etwa fünf Prozent der Anrufe kurzfristig den Telefonisten der Zugriff auf das System nicht möglich war“. Diese Probleme seien aber schnell gelöst worden, so das Ministerium.

Erfahrungsbericht: Das Rennen um den Impftermin wird zum Marathonlauf

Mittwochmorgen, 8.01 Uhr: Christiane Heyer aus Lispenhausen geht ins Rennen um die Impftermine für ihre Eltern über die Serviceseite im Internet. Spätestens am Mittag zeigt sich: Das Rennen wird zum Marathonlauf. Online ist sie stundenlang im virtuellen Warteraum.Als sie glaubt, endlich den Termin beantragen zu können, scheitert sie wieder: Sie hatte zwar ihre Eltern bereits vor Wochen telefonisch registrieren lassen, doch die damals übermittelten Kennnummern nützen nichts auf der Homepage. Dort wird zusätzlich ein Passwort abgefragt, das nur im Zusammenhang mit einer Online-Registrierung gewählt werden konnte.

Bevor sie völlig verzweifelt, wählt Christiane Heyer die Service-Nummer in Wiesbaden. Und hat endlich Glück. Sie erreicht nicht nur sofort einen Gesprächspartner, dem sie die Kennnummern nennen kann. Sie bekommt auch noch Impftermine für ihre Eltern im Impfzentrum Rotenburg. Das alles binnen zwei Minuen. Es ist 15 Uhr, als Christiane Heyer die Ziellinie überquert.

Eine Frage bleibt bei ihr allerdings offen: „Was machen eigentlich die alten Leute, die keine jungen Angehörigen haben?“ Die wenigsten unter ihnen dürften internetaffin sein und versuchten es deshalb wohl auch übers Telefon. Die Servicenummern waren bis zum Nachmittag ständig belegt, wie ein Selbstversuch unserer Redaktion zeigte. Helfen sollen älteren Menschen demnächst ehrenamtliche Impflotsen in den Kommunen, die allerdings selbst noch geschult werden.

Online-Registrierung: Vier Stunden im virtuellen Warteraum

Der 82-jährige Heinz Schlegel versucht seit Wochen, telefonisch einen Impftermin zu ergattern. Das war aufgrund des fehlenden Impfstoffs bekanntlich lange nicht möglich. Am Mittwoch startete Schlegel in eine weitere Runde und klapperte stündlich die Servicenummern ab – erfolglos. Am frühen Nachmittag versuchte auch er es online. Bis Redaktionsschluss hatte Heinz Schlegel noch keinen Termin.

Vertrauter Anblick für viele angehende Imfplinge am Mittwoch: Im Warteraum der Online-Registrierung gings es oft zunächst lange Zeit nicht weiter.

Erfolgreich war dagegen die 80-jährige Margarete Ringler aus Friedewald. „Meine Enkelin hat sich um die Impftermine gekümmert. Die Telefonnummer war zuerst sehr oft besetzt, dann hat sie das über das Internet organisiert. Allein hätte ich das nicht gekonnt“, sagt Ringler. Über vier Stunden hat die Online-Registrierung und die anschließende Terminvergabe auf der Internetseite des Hessischen Innenministeriums gedauert. „Ich bin froh, dass es für mich schon Ende Februar losgeht“, sagt die 80-Jährige. Genau eine Woche vor ihrem 81. Geburtstag bekommt sie die zweite Impfdosis. „Das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk“, sagt Ringler und lacht.

Auch der 80-jährige Kreistagsvorsitzende Horst Hannich versucht seit Tagen, einen Impftermin für sich und seine Frau zu vereinbaren – bislang erfolglos. Dabei hat er bereits seit längerer Zeit eine Registrierungsnummer. „Wir haben zwei Telefonleitungen. Meine Frau und ich haben auf jeder Leitung jeder mindestens 25-mal angerufen, aber nichts erreicht.“ Hannich ist wegen vielen ehrenamtlichen Verpflichtungen in der Kommunalpolitik zeitlich stark eingebunden. „Das ist dann schon ärgerlich“, sagt er und berichtet von ähnlichen Erfahrungen bei Freunden und Bekannten. (Silke Schäfer-Marg, Anna Weyh und Kai Struthoff)

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