Wenn der Traktor wiederkommt: Überraschung nach 50 Jahren

Gilfershäuser Traktorensammler Gerhard Conrad bringt Erstbesitzer mit ihrem alten Schlepper zusammen

Familie Iba vereint mit dem Traktor: Von links  Adolf Iba, Sohn Gerald, Enkel Tobias und Urenkel Konrad.
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Familie Iba vereint mit dem Traktor: Unser Bild zeigt – von links – Adolf Iba, Sohn Gerald, Enkel Tobias und Urenkel Konrad.

Für eine echte Überraschung hat der Gilfershäuser Traktor-Fan Gerhard Conrad gesorgt: Er stellte Familie Iba in Lispenhausen ihren alten Schlepper auf den Hof. Den hatten sie seit 50 Jahren nicht mehr gesehen.

Lispenhausen – Ein Blick reicht und Inge Iba ist wieder Kirmesmädchen – in den 1950ern. Vor der 83-Jährigen liegt ein nicht mal vier Zentimeter großes Quadrat: ein Schwarz-Weiß-Kontaktabzug, eine Erinnerung an die Lispenhäuser Kirmes.

Doch erst ein grünes Gefährt, ein Traktor der Marke MAN, macht die Erinnerungen an die Zeit wieder farbig. Denn Inge Iba steuert auf dem Foto den MAN-Traktor, Typ AS 325 A, ihres Vaters.

Inge Iba (Mitte) am Steuer während der Kirmes in Lispenhausen: Sie hatte mit 16 Jahren ihren Traktor-Führerschein gemacht.

Und dieser Traktor stand Mitte Juli dieses Jahres plötzlich wieder in der Hofeinfahrt der Familie Iba. Da war das Staunen groß.

Der Traktor bleibt, so wie er ist – mit allen Nutzungsspuren, aber voll fahrbereit

Ausgedacht hat sich diese Überraschung der Traktoren-Experte Gerhard Conrad (71) aus Gilfershausen. Ihm gehört der MAN-Schlepper heute. Er hat ihn wieder fahrbereit gemacht – mit TÜV. Die Zeit hat an ihm genagt. Doch das solle man ihm ruhig ansehen, findet Conrad. Daher habe er auf eine Neulackierung verzichtet. „Das ist gerade Trend in der Traktoren-Szene“, sagt Conrad. „Ich habe gestaunt, dass der Herr Conrad ihn wieder hergerichtet hat – in diesem Zustand“, freut sich Inge Iba.

Gerhard Conrad

1949 war der MAN eine Riesen-Investition: Er kostete mehr als vier Jahresgehälter eines Arbeitnehmers

Der Traktor bekommt dadurch seine Bedeutung, dass er für die Familie Iba bis vor kurzem als Wrack galt. Philipp Leidorf, der Vater von Inge Iba, hatte den Traktor 1949 für die stolze Summe von 12 400 Mark für seinen Hof gekauft.

Zum Vergleich: Das Jahresgehalt eines deutschen Arbeitnehmers betrug damals 2840 Mark. In den 1950er-Jahren war Inge Iba fest in den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern integriert. Genauso ihre Geschwister. „Doch ich war die Älteste und hatte schon den Führerschein“, erzählt Iba. „Daher wurde ich sofort eingespannt und habe den Traktor gefahren.“

Traktoren-Experte Conrad staunt über die Weitsicht von Inge Ibas Vater. „Zu dieser Zeit war noch der Lanz Bulldog üblich, der noch auf der Technik der 1930er-Jahre beruhte.“ Der MAN-Schlepper sei dagegen auf dem neuesten Stand gewesen. So verfügte er über einen Vier-Zylinder-Motor mit Direkteinspritzung. Während die Landwirte ihren Bulldog, der nur halb so viel kostete, noch mit dem Lenkrad ankurbeln mussten, startete der MAN im Handumdrehen. Zudem hatte der Traktor einen Allrad-Antrieb und eine gefederte Vorderachse. „Der MAN war seiner Zeit voraus “, sagt Conrad.

Der Traktor bleibt in der Region: Gerhard Conrads Sohn wird ihn einmal erben

Doch auch dessen Technik kam irgendwann in die Jahre. Adolf Iba, Inge Ibas Mann, schaffte Anfang der 1970er-Jahre einen neuen, leistungsstärkeren Traktor an. Da musste der MAN weichen.

Der Traktor wechselte seinen Eigentümer und landete vor ein paar Jahren dann bei Gerhard Conrad in Gilfershausen. Doch auch dazwischen war er immer in der Region geblieben. Das werde sich nicht ändern, verspricht Conrad. Sein Sohn sei auch vom Landmaschinen-Fieber infiziert und werde den Traktor einmal erben. Selbstverständlich könne die Familie Iba ihn jederzeit ausleihen. Dort weiß man das Angebot zu schätzen. „Beim Anblick des MAN werden jedes Mal Jugenderinnerungen wach“, schwärmt Adolf Iba. (Paul Bröker)

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