Für nur 20 D-Mark

Fundstück vom Flohmarkt wurde 1886 in Bebra gefertigt

Freut sich über sein Fundstück: Jakob Weber mit dem Ofen, der 1886 in Bebra gefertigt worden ist. Mitte der 1980er-Jahre hat er ihn auf einem Flohmarkt in der Schweiz erstanden. Foto: Peukert

Rotenburg. Jakob Weber hat vor über 30 Jahren auf einem Flohmarkt in Genf einen alten Ofen gekauft. Erst Jahre später stellte er fest, dass dieser von einer Bebraer Firma stammt.

An der Decke hängen Bierkrüge, Gulaschtöpfe und Glocken mit eingebauten Glühbirnen. Der Biergarten von Jakob Weber ist ein Sammelsurium mit Erinnerungsstücken aus vergangenen Zeiten. „Auf dem Flohmarkt finde ich Sachen, die mir gefallen. Das ist noch alte Handwerkskunst“, erzählt Weber begeistert.

Seinen wohl größten Flohmarktschatz hat er Mitte der 80er-Jahre in Genf (Schweiz) gefunden. Damals war er einer der Montageleiter beim Cern-Tunnel. Die Europäische Organisation für Kernforschung hatte einen Elektronenbeschleuniger in Auftrag gegeben. Da die Mieten so teuer waren, hat Weber einen Wohnwagen angemietet und darin gewohnt. „Im Winter war es im Vorzelt immer etwas kalt, und deshalb habe ich mir auf dem Flohmarkt einen Ofen gekauft“, erinnert sich der Rotenburger. Als er nach Rotenburg zurückkehrte, nahm er auch den Ofen mit.

Erst Jahre später stellte Weber beim Reinigen des verrosteten Ofens erstaunt fest, dass dieser 1886 von der Firma Brunner in Bebra gefertigt worden war. Als Beweis zeigt er auf die Bodenprägung des Aschekastens. „Im Rathaus Bebra hat man mir bestätigt, dass es damals hinter ‘Semms Ecke’ eine Werkstatt gab, in der ein Vater und seine Söhne Öfen bauten“, berichtet der 79-Jährige. Bezahlt hat Weber für den Heizapparat einst etwa 40 Franken (entsprach damals etwa 23 Euro), doch von moralischem Wert ist er für den Sammler unbezahlbar. „Die Stadt Bebra wollte den Ofen gerne in ihr Rathaus stellen. Aber der ist unverkäuflich“, so Weber und fügt hinzu: „Jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeigehe, lacht mein Herz.“

Der Ofen ist nicht das älteste Fundstück von Webers Schätzen. Auf dem Flohmarkt in Eisenach hat er eine Glocke von 1824 erstanden. Sie hing einst am Eingangstor der Wartburg, wie der Rotenburger sagt. „Der Besitzer wusste gar nicht, was er da hat. Ich konnte ihn auf 20 D-Mark runterhandeln“, erzählt Weber stolz. Um die 25 alten Sammlerstücke hat der gelernte Autoschlosser auf Flohmärkten aus der Umgebung erstanden. „Doch jetzt ist Schluss.“

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