Unzertrennliches Paar

Gebell auf dem Jakobsweg: Frau aus Rotenburg brachte Hund von Pilgerwanderung mit

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Ein Herz und eine Seele: Ihren Hund Caminho hat Yvonne Straub von einer Wanderung auf dem Jakobsweg mitgebracht. 

Rotenburg. Yvonne Straub aus Rotenburg wollte zu sich selbst finden und ging den Jakobsweg. Unterwegs traf sie auf Hund Caminho. Jetzt sind die beiden unzertrennlich.

Wenn Yvonne Straub mit ihrem Hund Caminho Gassi geht oder sich auf Wanderwege begibt, kann sie das Tier kaum halten. Obwohl Caminho schon ein Vierteljahr in Deutschland ist, zerrt er ununterbrochen wild an der Leine und erkundet jeden Quadratzentimeter seiner Umgebung genau. Die Rotenburgerin hat ihn im vergangenen Jahr aus Portugal geholt - nach einer Wanderung auf dem Jakobsweg.

Im August begab sich Straub auf den 250 Kilometer weiten Weg von Porto nach Santiago de Compostela in Spanien - zunächst allein. An einer Bushaltestelle vor dem Ort Portela de Tamel tauchte dann plötzlich der kleine Hund auf, als Straub Rast machte. Er wollte schmusen und gestreichelt werden, erinnert sich die 36-Jährige: „Ich habe ihn sofort lieb gehabt.“ Immer wieder waren ihr streunende Hunde begegnet, aber dieser war besonders.

Der Hund folgte ihr zur nächsten Herberge und jammerte, als er nachts draußen bleiben musste. Dann sah Straub den Hund zwei Tage nicht, aber das quirlige Tier und sein deutsches Frauchen waren jetzt Gesprächsthema unter den Pilgern.

Am dritten Tag stand er, viele Kilometer weiter, am Morgen plötzlich vor der Herberge, in der Straub übernachtet hatte, und begrüßte sie freudig. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg - an einem extrem heißen Tag, erinnert sich Straub. Aus einer Wäscheleine improvisierte sie an der Straße ein Hundeband und teilte das knappe Wasser mit dem Tier. Mit dem Handy nahm sie Kontakt zu Tiereinrichtungen am Weg auf, aber nirgends war Platz für Caminho, wie der Hund inzwischen hieß. „Caminho“ ist das portugiesische Wort für Weg und unter den Pilgern die Bezeichnung für den Jakobsweg.

An dem Tag beschloss sie, Caminho mit nach Hause zu nehmen. In der Stadt Valenca suchte sie eine Tierarztpraxis auf und ließ den Hund dort zurück. Nach ihrer Rückkehr flog sie abermals nach Portugal und nahm Caminho, mit Chip und Dokumenten ausgestattet, in Empfang. „Er ist total ausgerastet vor Freude“, erinnert sie sich. In einer Box flog Caminho nach Deutschland. Um was für eine Rasse es sich handelt, konnte die Tierärztin nicht sagen. „Gut möglich, dass da zehn verschiedene Rassen drinstecken“, so Straub.

Der ungestüme Hund befreit sich gern aus seinem Geschirr, und so stand Straub kürzlich vor einem Problem, als sie mit Freunden und dem Hund nach Bebra gewandert war und dort einkehren wollte. Plötzlich tauchte ein tierlieber Mann mit seinem Sohn auf, der im Freien auf Caminho achtgab und Yvonne Straub hinterher noch ein engeres, passenderes Geschirr schenkte. Solche Begegnungen, sagt Straub, habe man sonst nur auf dem Jakobsweg - oder eben, wenn man mit Caminho unterwegs sei.

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