„Zentraler Ort für würdevolles Sterben“

Geplantes stationäres Hospiz in Rotenburg: Verein sieht große Chance für den Landkreis

 Unser Archivbild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen und zeigt hinten von links Kerstin Kerst, Vorsitzende Ursula Dangschat, Karin Ruch und vorn Ilona Erbe und Tina Schmidt vom Regionalen Hospizverein Rotenburg.
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Arbeiten hauptamtlich für den Hospizverein: Unser Archivbild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen und zeigt hinten von links Kerstin Kerst, Vorsitzende Ursula Dangschat, Karin Ruch und vorn Ilona Erbe und Tina Schmidt.

Für die Mitglieder des Regionalen Hospizvereins Rotenburg geht mit dem geplanten Bau eines stationären Hospizes ein Traum in Erfüllung.

Mit dem Hospiz an der Bürgerstraße in Rotenburg wird es erstmals im Landkreis einen zentralen Ort geben, der es Menschen ermöglicht, „würdevoll, selbstbestimmt sowie medizinisch und pflegerisch gut versorgt“ zu sterben. Diese Chance sehen die vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Hospizvereins endlich realisiert.

In einem Gespräch erläutern Karin Ruch, Kerstin Kerst, Ilona Erbe und die Palliativbeauftragte Tina Schmidt den steigenden Bedarf an einer solchen Einrichtung. Schon die demografische Entwicklung im Landkreis mit zunehmend alten Menschen sei ein Faktor. Die nächsten Hospize befinden sich in Fulda, Kassel und Eisenach. „Doch dort sind die Plätze praktisch immer belegt“, sagt Karin Ruch.

Auch die Palliativstation im Klinikum Bad Hersfeld könnte durch das Hospiz entlastet werden. Die werde oft fälschlicherweise mit einem Hospiz gleichgesetzt – auch von Angehörigen todkranker Menschen. Dabei sei sie dazu da, Menschen mit fortschreitender, unheilbarer Krankheit und begrenzter Lebenserwartung medikamentös so einzustellen, dass die Symptome gelindert werden können – bis zum Tod zu Hause oder an einem anderen Ort.

Musiktherapie und mehr: „Wir unterstützen das Leben bis zuletzt“

Das Hospiz kann für acht Menschen gleichzeitig so ein Ort sein. „Die Wünsche der sterbenden Patienten werden ernstgenommen“, sagt Kerstin Kerst. Auch Angehörige sollen bei Bedarf dort übernachten können. Geplant sind zum Beispiel auch Musiktherapie, tiergestützte Therapie und Unterstützung bei neuen kreativen Versuchen. „Die Bewohner können auch etwas Neues anfangen mit den Ressourcen, die noch da sind“, sagt Tina Schmitt. „Wir unterstützen das Leben bis zuletzt“, ergänzt Ilona Erbe.

Sterbebegleitung durch ehrenamtliche Hospizmitarbeiter soll auch im stationären Hospiz fortgesetzt werden. Es gibt bereits eine Zusammenarbeit mit dem Hersfelder Hospizverein. So können auch dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine einmal begonnene Sterbebegleitung in Rotenburg problemlos fortsetzen.

Sterbebegleitung ist keine kurzfristige Handlung. Sie dauert, so lange sie eben dauert. „Wir wünschen uns aber, dass die Betroffenen oder die Angehörigen sich eher früher bei uns meldeten“, sagt Kerstin Kerst.

Jährlich werden etwa 50 Sterbende begleitet

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regionalen Hospizvereins Rotenburg begleiten etwa 50 Sterbende im Jahr. Der Bedarf wächst und somit auch der Bedarf an weiteren Begleitern. Auch in diesem Jahr sind wieder Qualifizierungsseminare geplant. Interessierte können an Informationsabenden am 29. Juni und am 8. September teilnehmen. Details werden rechtzeitig bekannt gegeben. Informationen bekommen Interessierte auch, wenn sie sich über die Homepage des Vereins für den Newsletter anmelden. Der Regionale Hospizverein hat einen ehrenamtlichen Vorstand mit Ursula Dangschat und Irene Scherer an der Spitze, vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen in Teilzeit und 44 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Corona bremst die Aktivitäten des Vereins aus. Normalerweise finden Infoabende, offene Hospizabende, Schulungen und Kurse in „Letzter Hilfe“, also Basiswissen für Sterbebegleitung, statt.

Verdrängung, Angst vor dem Sterben und Angst vor dem Verlust verhinderten oft eine frühe Kontaktaufnahme. Durch sie ließen sich aber besser Beziehungen aufbauen. Die überkonfessionelle Sterbebegleitung sein eine sehr persönlich gestaltete Beziehung, bei der die Bedürfnisse des Sterbenden im Mittelpunkt stünden. Wie oft man sich sehe, wie die Unterstützung ausfalle, das machten Hospizmitarbeiter mit den Unterstützung Suchenden direkt aus.

Dass die 44 ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter des Regionalen Hospizvereins sich auch um Angehörige kümmern, sie beraten und informieren können und sich auch in Vollmachts- und Verfügungsbereichen auskennen, ist weniger bekannt. „Wir sind auch Vermittler zwischen Sterbenden und Angehörigen“, sagt Karin Ruch.

Sie könnten dazu beitragen, Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes aufzulösen. „Es ist eine immer bleibende Erfahrung, wenn man Abschied nehmen kann und vorher vieles Zwischenmenschliche geklärt werden konnte“, weiß Tina Schmidt.

Bei aller Freude über das geplante Hospiz erinnert Karin Ruch an das vorrangige Ziel des Vereins: Sterbende in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld oder in Pflegeeinrichtungen zu begleiten und die Angehörigen dabei zu unterstützen, diesen letzten Weg gemeinsam zu gehen.

Der Regionale Hospizverein Rotenburg beteiligt sich finanziell an der künftigen Einrichtung. Eine namhafte Spende der inzwischen verstorbenen Rotenburger Mäzenin Marlies Ebeling macht es möglich. Sie hatte dem Verein das Geld gespendet mit dem Auftrag, damit sterbende Menschen zu unterstützen. Fünf Prozent der Kosten des Hospizes müssen über Spenden finanziert werden, 95 Prozent tragen die Kranken- und Pflegekassen. Deshalb will der Verein stetig Geld sammeln, um den kostenfreien Aufenthalt im Hospiz für alle mit Bedarf zu sichern. (Silke Schäfer-Marg)

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