Stiftskirche Rotenburg

Glocken waren ein Ostergeschenk: Geläut wurde vor 25 Jahren eingeweiht

Die größte Glocke der Stiftskirche, die Osanna: Auf unserem Bild zu sehen mit den Pfarrern Wilhelm Altmüller, links, und Michael Dorfschäfer.
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Die größte Glocke der Stiftskirche, die Osanna: Auf unserem Bild zu sehen mit den Pfarrern Wilhelm Altmüller, links, und Michael Dorfschäfer.

Die Geschichte der vier Glocken der evangelischen Stiftskirche Sankt Maria und Elisabeth in Rotenburg ist eine Ostergeschichte.

Rotenburg – Das Geläut der evangelischen Stiftskirche wird 25 Jahre alt. Am Ostersonntag, 7. April 1996, erklang das neue Geläut zum ersten Mal. Sie läuteten das Fest der Auferstehung des Herrn ein. Der damals für Rotenburg zuständige Glockensachverstände der Landeskirche, Pfarrer Friedrich Luncke aus Niestetal, bezeichnete die vier neuen Glocken als technisch wie musikalisch sehr schönes überzeugendes Geläut. Die vier Bronzeglocken ersetzten drei Stahlglocken des „Bochumer Vereins Glockenguss” aus dem Jahre 1886, die sehr schlecht klangen. Schon 1965 hatte der damalige Glockenrevisor der Landeskirche von „schrottreifen Klangkörpern” gesprochen.

„Man hat uns erklärt, es sei das schlechteste Geläut in der gesamten Landeskirche”, sagt heute Pfarrer im Ruhestand Wilhelm Altmüller (66). Er war von 1987 bis 2016 Pfarrer der Altstädter Gemeinde, und während seiner Zeit wurden 2,4 Millionen Euro investiert – unter anderem in die Renovierung des Gotteshauses, die Sanierung des maroden Pfarrhauses, den Neubau des Gemeindehauses und eine neue Orgel. Die vier neuen Glocken waren für Altmüller ein ganz besonderes Geschenk, wie er es heute formuliert: „Ein außergewöhnlich schönes Geläut, musikalisch interessant, wohlklingend wie ein Gedicht, wie Worte in Poesie.” Ohne die Spenden von Heinz und Gudrun Meise sowie Dieter Noeske hätte dieses Geläut nie finanziert werden können, hatte Altmüller schon vor 25 Jahren hervorgehoben. Das Ehepaar Meise spendete 100 000 D-Mark, Noeske 50 000 D-Mark. Die Spender sind verstorben.

„Als ich von den großzügigen Spenden hörte und die Finanzierung feststand, habe ich vor Freude einen Luftsprung gemacht.” Das hatte Altmüller gesagt, als die Glocken aus der Gießerei Bachert in Bad Friedrichshall-Kochendorf im März 1996 in Rotenburg eintrafen. Altmüller würdigte den Orgelbaumeister Noeske als Initiator des neuen Geläuts. „Mich interessieren Glocken schon von Kindheit an”, hatte Noeske damals gesagt. Schon lange verfolge er das Ziel, die Glocken der Stiftskirche auf die Töne der anderen Kirchen abzustimmen. Das aber war nur mit neuen Bronzeglocken möglich. „Ich hatte Tränen in den Augen, als die Glocken erstmals läuteten und dann auf Anregung der HNA auch das große Stadtgeläut erklang”, sagt Altmüller heute. Zum sogenannten großen Stadtgeläut erklingen 17 der 19 Rotenburger Kirchenglocken, und die neuen Glocken der Stiftskirche setzen dem Stadtgeläut sozusagen die Klang-Krone auf.

In der Einladung zur Glockenweihe wurde Friedrich Schillers berühmtes Lied von der Glocke zitiert: „Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.” Die Glocken waren im Herbst 1995 gegossen worden. Spender und Mitglieder der Kirchengemeinde waren mit einem Bus zum Guss gefahren, und erlebten in der Gießerei ein flammendes Inferno. Die Bronze – 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn – war 1120 bis 1130 Grad heiß, als sie in die Lehmformen floss. Von der Liebe und dem Frieden Christi war in der Andacht vor dem Guss die Rede. Nach dem Vaterunser erklang feierlich „Großer Gott, wir loben Dich”, der Segen „Gehet hin in Frieden” schloss sich an. (Manfred Schaake)

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