Hohe Fixkosten, sinkender Wasserverbrauch

Grundgebühr für Wasserversorgung in Rotenburg soll steigen

+
Lebensnotwendiges Gut: Frisches Trinkwasser muss auch im entferntesten Haus einer Kommune zu bekommen sein. Das kostet natürlich Geld.

Rotenburg. Die Grundgebühr für die Wasserversorgung in Rotenburg soll erheblich angehoben werden. Stadtverordnete diskutierten im Ausschuss über Geld un Gerechtigkeit.

Je Wasserzähler und Monat sollen künftig für Ein- und Zwei-Familienhäuser statt 1,07 Euro 6,42 Euro an die Stadtwerke gezahlt werden. Der Wasserpreis soll bei drei Euro brutto pro Kubikmeter bleiben. Ohne die Erhöhung der Grundgebühr müsste er auf 3,46 Euro erhöht werden.

Dieser Vorschlag der Betriebskommission der Stadtwerke wurde am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss nach intensiver Diskussion mit einer Mehrheit von Vertretern der CDU sowie zwei SPD-Stadtverordneten akzeptiert. Die UBR und SPD-Fraktionsvorsitzender Sebastian Münscher stimmten dagegen. Endgültig entscheiden sollen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag. Sie tagen ab 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

Die Frage, die die Kommunalpolitiker umtrieb, war: Ist das sozial gerecht? 64,20 Euro mehr wären zu zahlen. Erst ab einem Wasserverbrauch ab etwa 125 Kubikmeter im Jahr würde die Erhöhung der Grundgebühr ausgeglichen. Große Wasserabnehmer würden durch eine höhere Grundgebühr unterm Strich also nicht höher belastet, bestätigte auch Bürgermeister Christian Grunwald. Er warb für die höhere Grundgebühr, wenngleich Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte „etwas mehr“ belastet würden. Der Anteil der Fixkosten steige, während der Wasserverbrauch sinke. Weil man aber anders als reine Wirtschaftsunternehmen auch dort die funktionierende Wasserver- und -entsorgung sicherstellen müsse, wo es sich rein rechnerisch nicht lohnt, müsse die Infrastruktur eben eingepreist werden. Trotz allem stehe Rotenburg mit seinen Gebühren im Vergleich zu anderen Kommunen noch gut da.

Während Wolfgang Bodenstein (SPD) und Jonas Rudolph (CDU) die Erhöhung der Grundgebühr aus betriebswirtschaftlicher Sicht und aus Gründen der Planbarkeit für die Stadtwerke befürworteten und die Belastung der Bürger als nicht allzu gravierend ansahen, lehnte Sebastian Münscher das Modell als sozial nicht gerecht ab. Stadträtin Elvira Walter-Rosner (SPD) plädierte ebenfalls dafür, stattdessen die Verbrauchsgebühren zu erhöhen. Auch UBR-Chef Hartmut Grünewald tat sich schwer mit einer Erhöhung der Grundgebühr in diesem Ausmaß und machte einen Kompromissvorschlag: die Erhöhung der Grundgebühr auf 3,21 Euro brutto und die Erhöhung der Verbrauchsgebühr auf 3,27 Euro. Dafür gab es allerdings keine Mehrheit, nur Sebastian Münscher stimmte mit der UBR.

Hintergrund: So machen es andere Stadtwerke

Die Stadtwerke GmbH Bebra nimmt eine Grundgebühr von 6,42 Euro für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte bei einem Wasserpreis von 1,76 Euro brutto pro Kubikmeter. Als privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft unterliegen die Stadtwerke bei den Preisen dem Kartellrecht, erklärte Geschäftsführer Herbert Höttl. Auch er benennt das Problem hohe Fixkosten bei sinkendem Wasserverbrauch. Die Grundgebühr in Bad Hersfeld liegt bei 3,21 Euro, der Verbrauchspreis bei 2,12 Euro pro Kubikmeter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.