Hausaufgaben für Lorz: Kultusminister besuchte JGS

Hoher Besuch aus Wiesbaden: Die elfjährige Jana Reinsdorf aus der 5. Klasse zeigte Kultusminister Alexander Lorz im Chemielabor der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule, wie man Filzstiftfarbe von einem Zettel lösen kann. Foto: Schaffner

Rotenburg. Für den Erhalt ihrer „SchuB"-Förderklassen hat die Rotenburger Jakob-Grimm-Schule (JGS) bei einem Besuch des Kultusministers Alexander Lorz geworben.

Zudem forderte die Schulleitung mehr Unterstützung für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern (Inklusion).

Die kooperative Gesamtschule ist nach Auskunft des Staatlichen Schulamtes neben Eschwege der einzige Standort in der Region, der lernschwache Schüler in speziellen „SchuB“-Klassen unterrichtet. Da sich das von der EU finanzierte Projekt in einer Übergangsphase befindet und ab Sommer unter neuem Namen zwar fortgeführt werden soll, der Erhalt an der JGS aber noch nicht sicher ist, macht sich Schulleiterin Sabine Rimbach Sorgen.

„An unserer Schule ist das Projekt bislang ein großer Erfolg“, berichtete sie dem Kultusminister. Allein im vergangenen Jahr hätten alle abgehenden „SchuB“-Schüler der JGS einen Hauptschulabschluss gemacht und direkt einen Ausbildungsplatz bekommen. „Deshalb wäre es fatal, das Projekt hier zu beenden“, betonte die Leiterin des Schulamtes, Anita Hofmann, auch mit Blick auf die bestehenden zwei „SchuB“-Klassen.

Sabine Rimbach kritisierte zudem die Pläne, das Projekt künftig nur noch mit deutlich gekürzter sozialpädagogischer Betreuung (zehn statt 20 Stunden pro Woche) fortzuführen. „Die intensive Einzelbetreuung ist schließlich das Geheimnis unseres Erfolges“, sagte sie. Mit zehn Sozialarbeiter-Stunden pro Woche sei das nicht mehr möglich.

Ebenfalls wichtig für eine optimale Förderung seien die bisher kompakten Klassen mit maximal 14 Jugendlichen. Ab Sommer sollen sie auf bis zu 18 Schüler vergrößert werden. „Kleine Gruppen in familiärer Atmosphäre wären zweifellos besser“, sagte die Schulleiterin.

Der Kultusminister deutete an, dass momentan viel für den Erhalt des „SchuB“-Standortes an der JGS spreche: „Wir haben beschlossen, alle 64 Standorte in Hessen zu erhalten“, sagte er, „ich kann mir deshalb nicht vorstellen, ihn in Rotenburg zu schließen, nur um woanders einen neuen aufzubauen“.

Die Schulleitung forderte auch bessere Voraussetzungen für den Inklusions-Unterricht, den an der JGS aktuell elf Schüler wahrnehmen.

„Wir brauchen Barrierefreiheit in allen Bereichen“, sagte Förderstufenleiterin Sabine Eberlein. Es reiche nicht aus, Fahrstühle in die Schulen zu bauen: „Wir brauchen auch entsprechende Lehrmittel“.

Kultusminister Lorz, der auch Fünftklässler im Chemieunterricht besuchte, wertete die Probleme und Wünsche der Schulleitung als Hausaufgabe und versprach, sich in Wiesbaden für die Anliegen der JGS einzusetzen.

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