Anfang in einer Holzbaracke

Grundstein für Gebäude der Heinrich-Auel-Schule in Rotenburg wurde vor 50 Jahren gelegt

Der Jubiläumsbaum: Schulleiterin Sabine Flegel und die Kinder Nino Brück und Lana Wetzel freuen sich über das Kunstwerk, das immer neu geschmückt werden kann.
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Der Jubiläumsbaum: Schulleiterin Sabine Flegel und die Kinder Nino Brück und Lana Wetzel freuen sich über das Kunstwerk, das immer neu geschmückt werden kann.

Die Heinrich-Auel-Schule in Rotenburg feiert 50 Jahre Grundsteinlegung ihres Gebäudes. Das allerdings funktioniert in Corona-Zeiten nur in eher schulinterner Form.

Rotenburg – „Bei uns ist alles etwas anders“, sagt Sabine Flegel, die Leiterin der Heinrich-Auel-Schule in Rotenburg, mit einem Schmunzeln. So hat es sich ergeben, dass das 50-jährige Bestehen der Förderschule an der Bernhard-Faust-Straße auf das Jahr der Grundsteinlegung, 1971, zurückgeführt wird. Tatsächlich eingeweiht wurde das Schulgebäude erst ein Jahr später.

Man feiert dann also, wie bereits vor zehn Jahren, die Grundsteinlegung für ein Gebäude, das aktuell 94 Schülerinnen und Schüler sowie ein engagiertes Lehrerteam beherbergt – und einen ganz besonderen Geist. „Miteinander Wege gehen, voneinander lernen, füreinander da sein“ lautet das Leitbild. Oder, wie es die Schulleiterin formuliert: Es geht zu wie in einer Familie.

Das Jubiläum wird von der Schule auch auf eigene Weise zelebriert. Jeden Monat nimmt man sich ein anderes Projekt vor. Das reicht von pragmatischen Dingen wie Müll sammeln bis hin zur eigenen Kunstausstellung, die derzeit im Kreisheimatmuseum zu sehen ist. Weil Corona ohnehin keinen großen Festakt zulässt, ist nun ein Weihnachtsmarkt mit Programm unter freiem Himmel geplant. Natürlich wird dort auch selbst Gebasteltes verkauft.

Der Bau des Gebäudes war tatsächlich ein Meilenstein und weist auch auf eine veränderte Haltung gegenüber Kindern mit Lernbehinderung hin. Bereits 1950 gab es die erste „Hilfsschulklasse“ in Rotenburg. 20 Schülerinnen und Schüler waren in einer Holzbaracke hinter der Jakob-Grimm-Schule untergebracht.

Der damals noch durchaus gängige Begriff Hilfsschule für Schulen mit sonderpädagogischer Ausrichtung wurde über Jahrzehnte auch zu einem Stigma. Die Schülerzahl stieg dennoch auch in Rotenburg stetig an.

Anders als heute wurden die Kinder den Förderschulen vom Staatlichen Schulamt aus zugewiesen. Seit die in der UNO-Menschenrechtskonvention geforderte Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen auch in Deutschland zunehmend umgesetzt wird, können Eltern wählen, ob sie ihre Kinder an Regelschulen inklusiv unterrichten lassen möchten oder eben in einer Förderschule. „Heute kommen die Kinder zu uns, deren Eltern sich bewusst für uns entschieden haben“, freut sich die Schulleiterin. Dadurch gebe es auch viel mehr engagierte Eltern im Elternbeirat und im Förderverein.

An der Heinrich-Auel-Schule, die ihren Namen nach einem engagierten früheren Schulleiter erhielt, wird anders gearbeitet. Das Kind kann sich mit Unterstützung der Lehrkräfte Wissen und Techniken weitgehend im eigenen Tempo erarbeiten. Deshalb gibt es auch keine einzelnen Klassen, sondern Grund- und Mittelstufen, in denen die Kinder nach ihrem Bedarf gefördert werden. Das kann man schon in den Klassenräumen sehen, die individuelle Arbeitsplätze ermöglichen.

Wer etwas selber baut, macht es anschließend nicht kaputt.

Schulleiterin Sabine Flegel

Praktische Arbeit nimmt an der Schule einen breiten Raum ein. „Wenn sich die Schülerinnen und Schüler in der Berufswelt einmal behaupten können, wird das über die Arbeit mit den Händen funktionieren“, weiß Schulleiterin Flegel. So wird neben den klassischen Unterrichtsfächern wie Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften viel mit Holz gearbeitet. Zum Beispiel werden Bänke gebaut, es gibt einen Schulgarten, in dem auch Hühner versorgt werden müssen, „Draußen-Tage“ in der Natur, sowie Kunst und Kunsthandwerk werden gelehrt. Die Kinder und Jugendlichen helfen bei der Ausstattung der Schule mit. „Vandalismus ist bei uns kaum ein Problem. Wer etwas selber baut, macht es nicht anschließend kaputt“, ist die Erfahrung der Schulleiterin.

Angegliedert an die Heinrich-Auel-Schule ist seit 1993 auch ein Beratungs- und Förderzentrum (BFZ), das mit den Regelschulen zusammenarbeitet. Von Beginn an haben die dort beschäftigten Sonderpädagogen Kinder getestet und Eltern beraten, wie der Lernschwäche begegnet werden kann. Heute liegt ein Schwerpunkt darin, Kinder mit Lernbehinderung, die eine Regelschule besuchen, zusätzlich zu fördern. Das geschieht idealerweise in Zusammenarbeit und Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen der Regelschulen. In den Grundschulen funktioniere das schon sehr gut, berichtet Sabine Flegel. Im Bereich der Mittelstufe gibt es offenbar noch Luft nach oben.

Dabei gibt es bereits seit Langem eine Kooperation. Jugendliche, die den HAS-Abschluss in der Tasche haben, können den Hauptschulabschluss an der Jakob-Grimm-Schule nachmachen und so ihre Chancen auf eine Ausbildung wahren. (Silke Schäfer-Marg)

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