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Helga Erdmann-Erhard aus Rotenburg ist das Gesicht der Vereinsarbeit

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Von: Susanne Kanngieser

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Ehrenamt gehört für sie zur Normalität: Für ihr außergewöhnliches bürgerschaftliches Engagement erhielt die 81-jährige Rotenburgerin und fünfmalige Schützenkönigin Helga Erdmann-Erhard kürzlich den Ehrenbrief des Landes Hessen.
Ehrenamt gehört für sie zur Normalität: Für ihr außergewöhnliches bürgerschaftliches Engagement erhielt die 81-jährige Rotenburgerin und fünfmalige Schützenkönigin Helga Erdmann-Erhard kürzlich den Ehrenbrief des Landes Hessen. © Susanne Kanngieser

Die 81-jährige Helga-Erdmann-Erhard aus Rotenburg hat kürzlich für ihr ehrenamtliches Engagement den Ehrenbrief des Landes Hessen bekommen. Wir stellen sie vor.

Rotenburg – Helga Erdmann-Erhard hat einen kleinen Sprachfehler: Sie kann nicht Nein sagen. Auf umgerechnet 176 Jahre Vorstandsarbeit kommt die 81-Jährige, die in verschiedenen gesellschaftlichen Vereinen und Verbänden der Fuldastadt unermüdlich Triebfeder ist. Mit großer Leidenschaft und einer gehörigen Portion Humor übernahm sie seit 1955 auch die weniger beliebten Ämter.

Das Ehrenamt gehört für die Rotenburgerin mit „Vereins-Gen“ zur Normalität

In vielen Vorständen gehört Helga Erdmann-Erhard zu den zuverlässigsten Mitgliedern. Denn ihr Credo ist: „Wenn ich einmal Ja gesagt habe, muss ich auch dabei bleiben und darf mich nicht rausreden oder wegducken“. Pflichtgefühl, Treue und Loyalität hat sie immer gezeigt, in jedem Verein, bei allen Aktivitäten und in allen Ämtern. Das ehrenamtliche Engagement ist für die fünfmalige Schützenkönigin, die kürzlich den Ehrenbrief des Landes Hessen erhielt, schlicht „Normalität“.

Helga Erdmann-Erhard, der das „Vereins-Gen“ in die Wiege gelegt wurde, war bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2000 Personalchefin bei den Rotenburger Metallwerken. Seit 1955 hat sie die Entwicklung in verschiedenen Vereinen maßgeblich mitgeprägt: In der DRK-Ortsvereinigung Rotenburg, im Schützenverein, im Deutsch-Französischen Partnerschaftsverein, dem Seniorenbeirat der Stadt Rotenburg, der Bürgerhilfe oder der früheren Schauspielvereinigung.

Sie war stets mittendrin, setzte eigene Akzente, brachte Menschen zusammen und schuf Verbindungen, auch über Rotenburg hinaus. „Vereine sind wie eine Familie für mich“, sagt sie. Die guten Kontakte zu den Schützen in der französischen Partnerstadt Argentan gehen unter anderem auch auf das Konto von „Queen Mum“, wie Helga Erdmann-Erhard liebevoll in ihrer Nachbarschaft genannt wird. Ihr ist es auch zu verdanken, dass sich Menschen miteinander vernetzt, zueinander gefunden und sich gegenseitig geholfen haben.

Trotz ihres Engagement achtet die 81-Jährige auf Zeit für sich

Bei so viel Engagement für andere: Bleibt die eigene Person nicht irgendwann zurück? Nicht bei Helga Erdmann-Erhard. „Ich will mich nicht verzetteln“, sagt sie. Darum findet zwei- bis dreimal im Monat ein „Helga-Tag“ statt. Der gehört nur ihr. Da ist sie für sich, verschwindet vielleicht in ihren „blauen Salon“, einem kleinen Holzhüttchen im Garten. Bei heißen Temperaturen werden die Füße in ein Speisfass mit kühlem Wasser gehalten.

Rückzugsort ist manchmal auch der kleine Teich. Mitglieder des Schützenvereins haben unter anderem geholfen, die blühende Oase herzurichten und nach den Wünschen von Gartenplanerin Erdmann-Erhard zu gestalten. Hier wimmelt es nur so von Erdmännchen, allesamt Geschenke von Freunden. Die stehen auch an ihrem anderen Lieblingsplatz, der überdachten Terrasse gleich hinter der Wohnküche. Die wird viermal im Jahr umdekoriert, das ist wie die Handarbeit eine weitere Leidenschaft von Helga Erdmann-Erhard.

Die Pandemie-Zeit beeinträchtigte Helga Erdmann-Erhard nur wenig

Im Schulzeugnis stand einmal: „Sie ist vorlaut und stört den Unterricht“, erinnert sich die Frau, die sich den Fuldageruch gerne um die Nase wehen lässt. Das ewig Verschmitzte, heitere, selbstbewusste und pfiffige – auch das sind Charaktereigenschaften der Frau, die gerne mal allein mit sich sein kann. „Ich brauche keinen, der mich belustigt“, sagt sie, „und Freundschaften habe ich genug“.

Zu tun gibt es immer etwas für Helga Erdmann-Erhard an manch einem 16-Stunden-Tag. Ob am Computer, auf Facebook, in der Whatsapp-Familiengruppe: Die Schützenkönigin ist auf allen technischen Ebenen und in den sozialen Medien präsent und auf dem neuesten Stand. Die Pandemie-Zeit hat sie nur wenig beeinträchtigt. Die Kassen der Vereine liefen weiter, einige Begegnungen waren möglich. Mit Abstand und Maske zwar, „aber besser als gar nichts“, lacht sie. (Susanne Kanngieser)

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