Pressekonferenz

Hessisches Umweltministerium stellt neuen Wolfsmanagementplan vor

Im Wald: Wolf im Wildpark Knüll in Hessen.
+
Ein Wolf im Wald (Wildpark Knüll, Hessen).

Ein flächendeckender Grundschutz von Weidetieren ist das A und O bei der Rückkehr der Wölfe nach Hessen.

Wiesbaden/Nordhessen – Das hat Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bei der Vorstellung des neuen Wolfsmanagementplans am Freitag in einer Pressekonferenz erneut bekräftigt. Dieser Grundschutz, also in der Regel 90 Zentimeter hohe Elektrozäune bei Schafen und Ziegen, liege „im Wesentlichen in der Verantwortung der Weidetierhalter“, erklärte die Ministerin. Ein Wolf müsse Schmerzen erleiden, wenn er auf einen Weidezaun treffe. Dabei unterstütze das Land finanziell. Die Fördersumme für die Pro-Tier-Prämie von 20 Euro je Schaf und Ziege wird dieses Jahr von einer auf zwei Millionen Euro angehoben. Theoretisch könnten damit also 100.000 der laut Tierseuchenkasse rund 120.000 Schafe in Hessen gefördert werden – dafür müssen die Betriebe aber mindestens 20 Schafe haben.

Um das Thema Wölfe in Hessen kümmert sich ab sofort das neu geschaffene Wolfszentrum Hessen (WZH), das beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) angesiedelt ist. Im Laufe des Jahres soll es auf vier Personen ausgebaut werden, erklärte HLNUG-Präsident Prof. Thomas Schmid. Derzeit sind es zwei. Lange Zeit war die Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch Einzelkämpferin gewesen. Außerdem soll es in allen 39 hessischen Forstämtern Mitarbeiter geben, die sich neben dem Naturschutz auch um „Wolfsberatung“ kümmern.

In der Pressekonferenz, die am vom Naturschutzbund Nabu ausgerufenen „Tag des Wolfes“ stattfand, sagte Schmid auf Nachfrage, dass es in Hessen bislang keine sogenannten Problemwölfe gebe. Das treffe also auch auf die Stölzinger Wölfin nicht zu, die bislang rund 30 Schafe, Ziegen und Kälber gerissen hat – zuletzt allerdings vor über sechs Monaten.

Noch keine detaillierten Auskünfte gibt es dazu, wie genau Abschüsse geregelt werden sollen. Dazu hatte jüngst eine Arbeitsgruppe aus Umweltministern mehrerer Länder getagt, wo laut Hinz aber nicht alle Minister beteiligt waren. Ziel ist ein einheitlicher Leitfaden zu Abschüssen. Es habe aber, so Hinz, noch kein einstimmiges Ergebnis gegeben. Spätestens im Herbst soll es so weit sein. „Es ist aber klar: Abschüsse werden Einzelfallentscheidungen bleiben und dürfen nur als letztes Mittel in Betracht gezogen werden.“ Fest steht, dass nach Übergriffen auf gemäß Grundschutz eingezäunte Herden zunächst ein „erweiterter Herdenschutz“ eingerichtet werden muss. Damit geht Hessen über das hinaus, was im Bundesnaturschutzgesetz als Bedingung für Abschüsse vorgeschrieben ist. In der Regel bedeutet das: höhere Zäune. Der dadurch entstehende Mehraufwand solle aber nicht den Tierhaltern aufgelastet werden, so Hinz. Für den Zaunbau sollen auch Dienstleister wie der Landwirtschaftliche Maschinenring in Anspruch genommen werden können. Dafür steht jährlich eine Million Euro bereit.

Vor einem „Wettrüsten“ mit Wölfen, die bereits ordentlich geschützte Weidetiere angegriffen haben, warnen Tierhalterverbände immer wieder. Dass die Raubtiere körperlich in der Lage sind, auch höhere Zäune zu überwinden, ist bekannt.

Unter anderem vom Schafhalterverband hatte es im Laufe der vergangenen Monate mehrmals Kritik gegeben, dass bislang keine Runden Tische mit Tierhaltern, Jägern und Naturschutzverbänden stattgefunden hätten. Hinz sagte bei der Vorstellung des Plans hingegen, dieser sei in Diskussion mit den Verbänden entwickelt worden. Zudem solle nun unter Vorsitz des Wolfszentrums eine AG „Wolf in Hessen“ gegründet werden, in der die verschiedenen Interessenvertreter den Wolfsmanagementplan regelmäßig weiterentwickeln sollen.

Erste Kritik kam bereits kurz nach der Pressekonferenz. Heinz Lotz, forst- und jagdpolitischer Sprecher der hessischen SPD, sprach von „altem Wein in neuen Schläuchen“. Nach einem Jahr „Arbeit in Hinterzimmern“ habe er mehr erwartet. Burkhard Ernst aus Großalmerode, Pressesprecher des Hessischen Schafhalterverbands, sagt in einer ersten Stellungnahme: „Der Plan hat mit Management nichts zu tun. Das ist eine Imagebroschüre für den Wolf mit Hochglanzbildern.“ Über weitere Reaktionen berichtet unsere Zeitung in der kommenden Woche. (Christopher Ziermann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.