Stölzinger Wölfin

Hessens Schäfer „schockiert“ über Aussage zu Wolfszäunen – HLNUG: Falscher Eindruck entstanden

Wolfsriss-Gutachter Gerhard Becker fotografiert nach einem Wolfsangriff einen Schutzzaun auf einer Weide in Alheim-Niedergude.
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Streitpunkt Schutzzaun: Immer wieder wird bei vermutlichen Wolfsrissen auch über die Sicherung der Weide diskutiert. Voraussetzung für eine Entschädigung für die getöteten Tiere in Hessen sind 90 Zentimeter hohe Elektrozäune. Unser Archivbild zeigt Rissgutachter Gerhard Becker im November 2019 auf einer Weide in Alheim-Niedergude.

Der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung reagiert scharf auf die Aussagen über Wolfsschutzzäune des Landesamtes. Das beteuert: Es sei ein falscher Eindruck entstanden.

Nordhessen - „Hessens Schäfer sind schockiert.“ Mit diesen Worten reagiert der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung auf die Aussagen über Schutzzäune von Susanne Jokisch, der Wolfsbeauftragten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Von der Behörde heißt es, man bedauere es, wenn der Eindruck entstanden sein sollte, dass man den Weidetierhaltern Manipulation unterstelle.

Jokisch hatte unserer Zeitung gesagt, dass nicht zu rekonstruieren sei, ob die Stölzinger Wölfin tatsächlich bei allen Nutztier-Übergriffen ordnungsgemäß gestellte Zäune überwunden habe. Diese so dargestellten Aussagen einer Vertreterin der hessischen Landesverwaltung stellten die hessischen Weidetierhalter unter Generalverdacht, sie würden im Vorfeld der Rissbegutachtung ihre Zäune manipulieren – so jedenfalls die Rückmeldungen von zahlreichen Schäfern, sagt der Verbandsvorsitzende Reinhard Heintz.

Verbandsvorsitzender: Tierhalter werden vor den Kopf gestoßen

Jokischs Aussagen träfen den Verband „völlig unvorbereitet“. Die aufgebrachten Tierhalter empfänden sie als ungerechtfertigtes Misstrauen seitens des HLNUG gegenüber den hessischen Weidetierhaltern. „Besonders gegenüber denen, die bislang vertrauensvoll mit den Behörden zusammengearbeitet haben, um die Probleme im Zusammenhang mit der Rückkehr der Wölfe nach Hessen möglichst gering zu halten.“ Heintz verweist darauf, dass viele Schafhalter in den vergangenen Monaten und Jahren „ohne öffentliche Unterstützung und trotz finanzieller Nöte“ in den Herdenschutz investiert hätten. Genau diese Tierhalter würden sich nun vor den Kopf gestoßen fühlen. Es werde so dargestellt, dass „eine ganze Gemeinschaft von Weidetierhaltern ihren Job nicht richtig macht“.

„Tierhalter, die von Wolfsrissen betroffen waren, werden in die Nähe von Betrügern gestellt“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes. „Das kann so nicht stehen bleiben“, sagt der Vorsitzende Heintz. Die Anforderungen zum Herdenschutz würden durch die Öffentliche Hand immer weiter nach oben geschraubt, wie zuletzt im Juni durch ein neues Merkblatt der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), aber gerade die hessische Regierung lasse es an ausreichender Unterstützung der Weidetierhaltung immer noch fehlen.

Wenn den Schäfern per se unterstellt wird, sie würden ihre Zäune nicht ordnungsgemäß halten, besteht die Gefahr, dass die Motivation unter den Weidetierhaltern, weiter mit den Behörden zusammenzuarbeiten, sinkt. „Das ganze Behördenverhalten kann nur verstanden werden als hilflose Reaktion auf die Forderung unseres Verbandes, die Stölzinger Wölfin nun endlich zum Abschuss freizugeben“, heißt es abschließend in der Mitteilung. Das sei nötig, damit sie die Fähigkeit, fachgerechte Weidetierzäune zu überwinden, nicht weiter anwende und auch noch an andere Wölfe weitergeben könne.

Landesamt: Wollten Weidetierhaltern keine Manipulation unterstellen

„Es war keinesfalls unsere Absicht, betroffenen Weidetierhaltern Manipulation zu unterstellen oder diese unter Generalverdacht zu stellen“, heißt es aus dem HLNUG auf Nachfrage unserer Zeitung. „Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauern wir dies.“

Es sollte lediglich erläutert werden, dass sich die Situation nach einem Rissereignis in der Praxis oft nicht eindeutig darstellen lasse und für die Rissberater nicht einfach zu bewerten sei. „Es ging uns nicht darum, die Tierhalter für mangelhafte Zäune verantwortlich zu machen, sondern um den Hinweis auf widrige Umstände, für die niemand haftbar zu machen ist.“ Im Zweifelsfall werde in der Praxis deshalb die für den Tierhalter günstigere Situation unterstellt, damit dieser Ausgleichszahlungen erhalten könne.

„Die Sorgen der Weidetierhalter um ihre Tiere nehmen wir selbstverständlich ernst“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Das HLNUG wisse sehr wohl um das hohe Engagement der Weidetierhalter und wolle die „bisher immer sehr gute Zusammenarbeit gern fortsetzen“.

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