Gottesdienst in Rotenburg

Himmelfahrt: Mit Maske vor der Jakobikirche

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Blauer Himmel bei einem so noch nie gefeierten Festtagsgottesdienst: Pfarrer Lars Niquet freut sich über seine etwa 80-köpfige, mit gebotenem Abstand zueinander versammelte und zum größten Teil mit Gesichtsmasken geschützte Gemeinde. 

Dieser Rotenburger Himmelfahrtsgottesdienst wird im Gedächtnis bleiben: Die Gläubigen mussten sich coronabedingt vor der Jakobikirche treffen.

Ob alle Teilnehmer des von Pfarrer Lars Niquet vor der Jakobikirche gehaltenen Himmelfahrtsgottesdienstes daran gedacht haben, dass im schönen Rotenburg so noch nie Kirche gehalten worden ist? Dass der diesjährige Gottesdienst ein historischer ist?

Auf den Gesichtern der Frauen und Männer, die kurz vor elf in einer ansehnlichen Reihe vor dem Haupteingang des Gotteshauses anstehen, um sich in den vorgeschriebenen Listen einzutragen, liegt sowohl Ernst als auch Freude. Viele sind mit Schutzmasken verhüllt. Gott sei Dank herrscht allerschönstes Wetter, sodass sich jeder aussuchen kann, ob er oder sie auf den von fleißigen Helfern aufgestellten Klappstühlen lieber in der Sonne oder eher im Schatten sitzen will. Kaum auszudenken, wenn wegen schlechten Wetters nur auf ein beschränktes Platzkontingent in der Kirche hätte zurückgegriffen werden können.

Vorsichtsmaßnahmen auch beim Gottesdienst an der Rotenburger Jakobikirche: Ein Helfer notiert, wer gekommen ist, um mit Pfarrer Lars Niquet und der Himmelfahrtsgemeinde Gott zu loben (hinten sitzend Ernst Kreis, rechts stehend Horst Barm).

Als die Glocken aufhören zu läuten, stimmt Ernst Kreis auf seiner Mundharmonika das normalerweise gern gesungene Lied „Jesus Christus herrscht als König“ an. Aber keiner darf mitsingen. Das tut nicht nur Pfarrer Niquet leid, der die etwa 80-köpfige Feiertagsgemeinde, zu der immer wieder Zaungäste stoßen, mit dem Wochenspruch begrüßt: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Für jeden nachvollziehbar unterstreicht er: „Kann es einen schöneren Ort für einen Himmelfahrtsgottesdienst – auch wenn er ganz anders stattfindet, als wir es gewohnt sind – geben als unter Gottes offenem Himmel?"

Nach dem im Wechsel gesprochenen Psalm 47 trägt der verdiente, noch vor dem „Corona-Lockdown“ mit der Maria-Magdalena-Medaille der Landeskirche ausgezeichnete, 84-jährige Küster Horst Barm mit kräftiger Stimme Worte aus dem Lukas-Evangelium vor. Es folgen das Glaubensbekenntnis der Gemeinde und die Impulspredigt des Pfarrers, die Niquet unter die Leitlinie stellt: „Gesegnet und von Neuem geerdet unterwegs zu den Menschen“. Seine Erkenntnis: „Wir sind mit dem segnenden Jesus verbunden, und jedes Kreuz erinnert uns an Jesu Zusage „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“.

Nach der Fürbitte und dem im Stehen gesprochenen Vaterunser, zu dem rein zufällig auch die Halbstundenglocke geschlagen wird, intoniert Ernst Kreis das Mut machende Lied „Wohl denen, die noch träumen, in dieser schweren Zeit“. Irmtraud Fleischhut, eine der Gottesdienstbesucherinnen, sagt später: „Ich habe mich ein paarmal erwischt, wie ich mitsingen wollte.“ Und die Ronshäuser Organistin Dr. Barbara Jordan, die gleich um die Ecke wohnt, fügt hinzu: „In Gedanken habe ich auf der Orgel mitgespielt.“

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